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Wohnungssuche : Die Tricks der Makler

Wohnungsbesichtigung in München: Bis zu 2,38 Kaltmieten bekam der Makler bislang vom Mieter. Künftig muss meist der Vermieter zahlen - zumindest in der Theorie. Bild: argum / Falk Heller

Wer den Makler bestellt, der muss ihn auch bezahlen: Diese neue Regel gilt in Deutschland vom 1. Juni an und soll eigentlich die Mieter entlasten. Doch die Makler haben sich einiges einfallen lassen, wie sie das neue Gesetz umgehen können.

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          Der 1. Juni wird ein wichtiger Tag in der Geschichte der deutschen Immobilienmakler. An diesem Tag tritt eine neue gesetzliche Regel in Kraft: das sogenannte Bestellerprinzip. Künftig soll bei der Vermittlung einer Mietwohnung derjenige den Makler bezahlen, der ihn beauftragt hat. Bislang war das in den allermeisten Fällen anders: In der Regel hatten die Vermieter die Makler beauftragt. Die Makler schalteten dann Wohnungsanzeigen. Und die künftigen Mieter, die sich auf diese Anzeigen meldeten, mussten den Makler bezahlen, wenn sie den Zuschlag für die Wohnung bekamen. Und zwar meistens ganz ordentlich: Die Obergrenze für die Maklerprovision, die sogenannte Courtage, ist gesetzlich auf zwei Nettokaltmieten plus Mehrwertsteuer gedeckelt, macht 2,38 Kaltmieten. Und wo immer Wohnungen halbwegs begehrt waren, schöpften viele Makler diese Obergrenze auch mehr oder minder vollständig aus.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wird jetzt also alles anders? Die neue Regel ist eigentlich streng und eindeutig. Wenn der Vermieter den Makler beauftragt, muss er die gesamte Provision zahlen. Und selbst wenn ein Mieter einen Makler einschaltet, muss er auch nur dann die Provision zahlen, wenn der Makler exklusiv für ihn tätig wird. Der Makler darf ihm also nicht einfach ein paar Wohnungen anbieten, die er sowieso schon in seiner Datenbank hat. Im Zweifelsfall muss der Makler sogar beweisen, welche Schritte er eigens im Auftrag des Mieters unternommen hat. Und sollte ein Mieter dem Makler zu Unrecht eine Provision gezahlt haben, kann er diese noch drei Jahre lang zurückfordern, bevor der Fall verjährt.

          Die neue Regelung ist für die Immobilienmakler recht unangenehm, und zwar aus zwei Gründen. Erstens gibt es für die Vermieter künftig einen Anreiz, sich selbst einen Mieter zu suchen. Bislang hat es sie ja nichts gekostet, die Arbeit an einen Makler zu delegieren. Wenn aber derjenige, der die Entscheidung über die Beauftragung eines Maklers trifft, künftig auch die Kosten trägt, wird er sich häufiger dagegen entscheiden. Eine Umfrage des Immobilienportals Immowelt unter Maklern ergab, dass 86 Prozent damit rechnen, dass die Vermieter sich jetzt selbst um die Mietersuche kümmern.

          Zweitens gibt es jetzt außerdem einen Anreiz, über die Maklerprovision zu feilschen. Wenn man bislang als Mieter eine Wohnung bekam, die über einen Makler vermittelt wurde, konnte man sich ja nicht aussuchen, über welchen. Und man konnte auch nicht verhandeln, ob der Makler seine Leistungen nicht auch billiger anbieten könnte. Man musste als Mieter einfach zahlen – oder bekam die Wohnung nicht. Jetzt können die Vermieter sich den Makler aussuchen und über den Preis verhandeln; das dürfte den Wettbewerb anfachen.

          Verfassungsbeschwerde letzte Hilfe

          Umfragen unter Vermietern zeigen, dass die meisten eine Maklerprovision in Höhe von 2,38 Kaltmieten (das ist weiter die gesetzliche Obergrenze) für völlig übertrieben halten. Das Center for Real Estate Studies etwa hat mehr als 100 Immobilieneigentümer befragt, wie viel sie für den Makler ausgeben wollen. Kaum einer war bereit, die bisher üblichen Summen zu zahlen. Die Obergrenze lag vielmehr zwischen 245 und 560 Euro pro vermittelter Wohnung. Andere Umfragen kommen auf höchstens eine Kaltmiete. Offenbar haben die Vermieter sich bislang an den Maklerprovisionen wenig gestört, weil sie ja die Mieter zahlten. Jetzt, wo sie diese selbst zahlen sollen, legen sie andere Maßstäbe an.

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