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Immobilienboom in Irland : Die Immobilienkrise war gestern

Steigende Häuserpreise in Dublin: Die Investmentbanker im Dubliner Finanzdistrikt wird’s freuen Bild: REUTERS

Nirgendwo in Europa steigen die Hauspreise so stark wie in Dublin. Hat das gebeutelte Irland die Kurve gekriegt? Das wird sich erst noch zeigen. Ein Härtetest steht noch aus.

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          Der Premierminister hielt ein klärendes Wort für angebracht: „Wir haben keine Immobilienblase in Dublin“, sagte der irische Regierungschef Enda Kenny kürzlich auf einer Pressekonferenz. Noch im vergangenen Sommer war es schwer vorstellbar, dass solche Versicherungen in absehbarer Zeit in Irland wieder nötig werden könnten. Schließlich ist es erst knapp vier Jahre her, dass auf der Grünen Insel eine gewaltige Hauspreisblase geplatzt ist und das Land zu einem der Notfallpatienten in der Europäischen Währungsunion gemacht hat. Aber schon gibt es neue Preiskapriolen: In den zwölf Monaten bis Ende Juni ist der Wert von Wohnhäusern in Dublin um 24 Prozent gestiegen. Solche atemberaubenden Preissteigerungen gibt es momentan in keiner anderen europäischen Großstadt.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wird in Irland also schon die nächste Immobilienblase aufgepumpt? Nicht nur der Premierminister, sondern auch die meisten Fachleute bleiben bisher gelassen. „Die Hauspreise sind immer noch unterbewertet“, sagt Kieran McQuinn vom führenden Wirtschaftsforschungsinstitut ESRI. Der Anstieg ist zwar rasant, aber eben von sehr niedrigem Niveau aus. In den Krisenjahren haben sich die Hauspreise in Irland halbiert und liegen trotz der jüngsten Wertzuwächse auch in der Hauptstadt weiter um mehr als 40 Prozent niedriger als auf dem Höhepunkt des irischen Immobilien-Wahns, Anfang 2007. Im großen Rest des Landes erholen sich die Preise zudem viel langsamer als in Dublin.

          Immerhin zeigt der neue Immobilienboom, dass das Vertrauen auf die Grüne Insel zurückkehrt. Während Portugals Regierung Milliarden in die Rettung der Pleitebank Espírito Santo pumpen muss und Griechenland weiter am Tropf internationaler Notkredite hängt, zählt Irlands Wirtschaft dieses Jahr zu den Wachstumsspitzenreitern in Europa. Die amerikanische Großbank Morgan Stanley traut den Iren 2014 ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent zu, während für die Eurozone insgesamt nur rund 1 Prozent erwartet wird. Andere Experten sind zwar nicht ganz so optimistisch, aber klar ist: Irland erlebt einen Wirtschaftsaufschwung, von dem andere von Stagnation und Strukturproblemen gebeutelte europäische Länder nur träumen können.

          Irland war immer schon ein Sonderfall

          Die kürzlich veröffentlichten Halbjahreszahlen der beiden größten irischen Banken stehen in scharfem Kontrast zum Drama um die portugiesische Espírito Santo: Die Bank of Ireland hat erstmals seit fünf Jahren wieder einen Gewinn erwirtschaftet und deutlich besser verdient als erwartet. Auch der noch immer fast vollständig verstaatlichten Allied Irish Banks attestieren Analysten gute Fortschritte. Beide Institute sind große Hypothekengläubiger und profitieren deshalb unmittelbar von den steigenden Preisen am Häusermarkt. Dabei war der irische Bankensektor noch vor wenigen Jahren ein Wirklichkeit gewordener Albtraum. Mit mehr als 60 Milliarden Euro musste die Regierung in Dublin die Kreditinstitute auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise stützen, nachdem die sich mit einer halsbrecherischen Expansion in der Immobilienfinanzierung übernommen hatten. Ende 2010 stand der irische Staat dann selbst vor der Pleite und brauchte einen 68 Milliarden Euro schweren Hilfskredit der anderen Euroländer und des Internationalen Währungsfonds. Heute steht das Land finanziell wieder auf eigenen Beinen: Seit Ende 2013 kann sich Irland als erster Euro-Wackelkandidat seinen Finanzbedarf durch die Begebung von Staatsanleihen wieder selbst decken.

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