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Immobilienfinanzierung : Bauzinsen steigen um knapp 30 Prozent

Nach dem Aushub: Jetzt noch schnell bauen? Bild: dpa

Seit dem Tiefpunkt im Herbst 2016 steigen die Bauzinsen immer weiter. Inzwischen liegt der Wert bereits bei 1,3 Prozent und verzeichnet somit einen Anstieg um fast 30 Prozent. Wie lange sollten Bauherren sich binden?

          Wer sich ein Haus bauen will, der kann immer noch von den extrem niedrigen Zinsen profitieren – auch wenn die Hypothekenzinsen im Verlauf von gut einem Jahr wieder ein Stück von ihren Tiefständen abgerückt sind. Wie das Internetportal Biallo berichtet, sind die Bauzinsen seit dem Tiefstand im Herbst 2016 um fast 30 Prozent gestiegen. Im Oktober vorigen Jahren zahlten Bauherren für ein Darlehen mit zehn Jahren Laufzeit im Durchschnitt lediglich 1,03 Prozent – im Augenblick sind es ungefähr 1,3 Prozent bei zehn Jahren, 1,79 Prozent bei 15 Jahren und 2,07 Prozent bei 20 Jahren Zinsbindung.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zu den besten Anbietern von Baugeld in den Zinstabellen im Internet gehört dabei mittlerweile der Versicherungskonzern Allianz, der gerade für die längeren Laufzeiten attraktive Konditionen bietet. Auch Hypo-Vereinsbank, Degussa Bank, Santander Bank und ING-Diba finden sich derzeit häufig unter den Spitzenreitern in den Zinstabellen (siehe Grafik).

          Wie geht das jetzt weiter?

          Wie lange sollten Bauherren, die ein neues Darlehen abschließen, sich binden? Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt, der seit langem die Verbraucherzinsen in Deutschland beobachtet, meint: „Ich gehe davon aus, dass die Bauzinsen im Januar nochmals leicht nachgeben werden, um etwa 0,1 Prozentpunkte, aber im Laufe des Jahres 2018 relativ kräftig um 0,5 bis 0,75 Prozentpunkte steigen werden – wegen der anziehenden Inflationsrate in Europa, der eingeleiteten Zinswende der Europäischen Zentralbank und der Steuerreform in den Vereinigten Staaten, die Geld anziehen wird.“

          Die Prognosen für diese Entwicklung sind allerdings nicht einheitlich. Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, sieht ebenfalls steigende Zinsen am Horizont – rechnet aber damit, dass es bis dahin noch etwas länger dauern wird. „Im kommenden Jahr sollten sich die Kapitalmarktzinsen noch seitwärts bewegen“, sagt der Ökonom. Schließlich spreche die hohe Arbeitslosigkeit im Euroraum für eine anhaltend niedrige Inflation. Die Europäische Zentralbank dürfte deshalb ihre Leitzinsen im Jahr 2018 nicht erhöhen, auch wenn sie aus rechtlichen Gründen gezwungen sei, ihre Anleihekäufe zurückzufahren: „Schaut man aber über das Jahr 2018 hinaus, steigt das Risiko, dass die Kapitalmarktzinsen wieder steigen“, meint Krämer. Schließlich wachse die Wirtschaft im Euroraum schon seit einiger Zeit ganz ordentlich, so dass die Inflation im Jahr 2019 etwas steigen könnte.

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          Für die Zinsbindung gibt es dabei eine Besonderheit: Der Zinsabstand zwischen Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung und solchen mit 15 Jahren ist im Augenblick überdurchschnittlich groß. Im Laufe der vergangenen 25 Jahre lagen die Baugeldzinsen für 15 Jahre fest laut FMH im Durchschnitt bei 5,11 Prozent (aktuell 1,79 Prozent) und für zehn Jahre fest bei 4,73 Prozent (aktuell 1,3 Prozent). Dies ergibt für den langjährigen Durchschnitt einen Unterschied zwischen den beiden Zinsbindungs-Varianten von 0,4 Prozentpunkten. „Aktuell sind wir bei einem Zinsabstand von 0,49 Prozentpunkten, weil die zehn Jahre fest – wegen der billigen Refinanzierungsmöglichkeiten für Banken beim kurzfristigen Anteil – relativ niedrig sind“, sagt Herbst.

          Gleichwohl lohne es sich für die meisten Bauherren nicht, eine kurze Zinsbindung zu vereinbaren, weil früher oder später mit steigenden Zinsen zu rechnen sei: „Mindestens 15 Jahre, besser 20 Jahre Zinsbindung für einen neuen Kredit“, empfiehlt Herbst. Dass die Zinsen steigen werden, sei einfach sicher – die Frage sei nur, wie weit sie ansteigen werden.

          Die Kehrseite für Bauherren

          Auch die Immobilienpreise steigen kräftig weiter, wie das Kreditvermittlungsportal Dr. Klein berichtet. In Stuttgart und Frankfurt beispielsweise hätten die Preise für Wohnimmobilien im dritten Quartal des Jahres nochmal deutlich zugelegt, wenn auch etwas weniger stark als in den Monaten zuvor. In der Region Stuttgart seien die Preise für Häuser im Durchschnitt um 1,8 Prozent, die für Eigentumswohnungen um 1,58 Prozent gestiegen. In Frankfurt seien die Wohnungen 1,1 Prozent teurer geworden, die Häuser 1,59 Prozent.

          Vor allem in München und Umgebung aber sei der Preisanstieg ungebremst. Die Kaufpreise für Häuser in dieser Region legten im dritten Quartal im Durchschnitt um 2,65 Prozent zu, die für Wohnungen um 3,18 Prozent. Aufs Jahr umgerechnet bedeutete das einen Anstieg der Wohnungspreise um 12,53 Prozent, für Häuser um 19,8 Prozent. Zudem seien Wohnungen im unteren Preissegment im Raum München kaum mehr zu finden, berichtet Dr. Klein.

          Betrug der Einstiegspreis in den vergangenen Jahren noch etwa 1.600 bis 1.700 Euro je Quadratmeter, sei im dritten Quartal keine Wohnung mehr unter 2.993 Euro je Quadratmeter zu haben gewesen. Die teuerste Wohnung in diesem Zeitraum wechselte demnach für 8.943 Euro je Quadratmeter den Besitzer. Der Mittelwert (Median) nehme leicht ab und liege bei 5.826 Quadratmetern. Für Häuser blieben die günstigsten Quadratmeterpreise bei 511 Euro, währen der Höchstpreis im dritten Quartal weiter nach oben gegangen sei – auf 11.707 Euro je Quadratmeter.

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