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Subprime-Krise lange vergessen : Der amerikanische Häusermarkt blüht wieder auf

Stark gefragt: Amerikanische Einfamilienhäuser wie hier in der Nähe von Dallas Bild: AP

Die Häuserpreise in den Vereinigten Staaten steigen unaufhaltsam. Höhere Hypothekenzinsen könnten den Aufschwung aber irgendwann bremsen.

          Die Erinnerung an den Crash des amerikanischen Häusermarktes verblasst. Zehn Jahre nach der großen Finanzkrise, die vom Zusammenbruch dieses Marktes ausgelöst wurde, steigen die Preise privater Immobilien in den Vereinigten Staaten unaufhaltsam an. Die Häuserpreise sind im April gemessen am S&P Corelogic Case-Shiller Home Price Index gegenüber dem Vorjahr um 6,4 Prozent gestiegen. Die Wachstumsrate lag damit zwar leicht unter dem Wert des Vormonats, als die Häuserpreise im Jahresvergleich um 6,5 Prozent geklettert waren. Aber in einzelnen Ballungsräumen stiegen die Preise rund doppelt so stark. In Seattle an der Westküste der Vereinigten Staaten, der Heimat von Technologieriesen wie Amazon und Microsoft, lagen die Häuserpreise im April um 13,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. In Las Vegas, wo die Preise während der Krise mit am stärksten gefallen waren, kletterten die Preise um 12,7 Prozent. Den drittstärksten Preisauftrieb meldeten die Makler aus San Francisco, ebenfalls ein Zentrum der Technologiebranche. Die Häuserpreise stiegen dort um 10,9 Prozent.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          „Die günstige Konjunktur und gemäßigte Hypothekenraten unterstützen den jünsten Preisanstieg der Häuserpreise“, sagte David Blitzer, Vorsitzender des Indexausschusses der Gesellschaft S&P Dow Jones Indices, die das monatliche Marktbarometer kürzlich veröffentlicht hat. Dazu komme ein knappes Angebot an Häusern, die zum Verkauf stehen. Nach Angaben des amerikanischen Maklerverbandes NAR war der Bestand zum Verkauf stehender Häuser im Mai um 6 Prozent niedriger als im Vorjahr.

          Der Häusermarkt spielt eine wichtige Rolle für die amerikanische Wirtschaft, weil Eigenheime traditionell das wichtigste Element für die Vermögensbildung der Amerikaner sind. Die Häuserpreise beeinflussen das Konsumverhalten in einer Volkswirtschaft, die zu zwei Dritteln vom privaten Konsum abhängt. Hausbesitzer geben mehr Geld aus, wenn sie sich reicher fühlen.

          Wie lange hält der Preisanstieg noch an?

          Angesichts der Erfahrungen aus der Finanzkrise fragen sich Marktbeobachter allerdings, wie lange der Preisanstieg noch anhalten wird und was einen Abschwung auslösen könnte. Nominal haben die Preise schon längst wieder das Rekordniveau aus dem Jahr 2006 erreicht. Berücksichtigt man allerdings die Inflation, haben sich die Preise nur in den drei Ballungszenten Dallas, Denver und Seattle wieder vollständig erholt. Amerikaweit liegt der Case-Shiller-Häuserpreisindex noch 14 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. In Las Vegas müssten die Häuserpreise sogar um 47 Prozent steigen, um wieder auf den Stand von 2006 zu kommen. Robert Shiller, Wirtschaftsprofessor an der Elite-Universität Yale, Nobelpreisträger und einer der Namensgeber des Häuserpreisbarometers, macht sich daher noch keine Sorgen um einen baldigen Absturz der Immobilienpreise. „Der Markt sieht schon seit 2012 überhitzt aus, als der Aufschwung begann. Und es sieht so aus, als ob es weitergeht“, sagte Shiller kürzlich in einem Interview. Shiller macht trotz der steigenden Preise nicht den gleichen spekulativen Überschwang aus, der den Markt in der Mitte der nuller Jahre prägte. Dazu seien Banken bei der Vergabe der Hypotheken vorsichtiger geworden, weil die Erfahrung der Krise nachwirkt.

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