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Private Herberge : Darf ich meine Wohnung an Touristen vermieten?

Viel spannender als im Hotelzimmer: Zwei Touristen aus Cambridge in ihrem privaten Ferienapartment in Berlin. Bild: dpa

Es klingt einfach zu verlockend: Selbst in den Urlaub fahren und die eigenen vier Wände für ein ordentliches Zubrot an Reisegäste vermieten. Doch darf man das überhaupt?

          Der Sommer steht vor der Tür und damit die Urlaubszeit. Nach einer Stadttour durch Berlin, Hamburg oder München steigen viele Touristen mittlerweile lieber privat im schnuckeligen Altbau oder im schicken Loft ab als im anonymen Hotelzimmer. Mietern winkt ein lukratives Geschäft: Die hohen Mieten belasten das Budget der Großstädter, da bietet es sich an, die eigenen vier Wände vorübergehend zur Ferienwohnung zu machen, um etwas dazuzuverdienen. Doch darf man das überhaupt?

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Grundsätzlich gilt: Mieter dürfen in ihrer Wohnung Gäste aufnehmen, wie sie wollen. Doch die Frage ist, wann eine Beherbung zur Untervermietung wird. Das ist jedenfalls der Falls, wenn Mieter von Besuchern für die Überlassung ein Entgelt bekommen. Eine Untervermietung aber muss vom Vermieter genehmigt sein. Beherbergen Mieter zahlende Gäste ohne Erlaubnis, so darf der Vermieter ihnen sogar fristlos kündigen. Auch die entgeltlose Überlassung der Wohnung über einen längeren Zeittraum kann eine Untervermietung darstellen.

          Doch Vorsicht: Nur weil der Vermieter generell mit einer Untervermietung einverstanden ist, heißt das noch nicht, dass der Mieter sein Zuhause als Urlaubsdomizil anbieten darf.

          Bei einer gewöhnlichen Untervermietung überlässt man einzelne Räume der Wohnung gegen Bezahlung an eine bestimmte Person und das für eine längere Zeit, so hat der Bundesgerichtshof geurteilt. Wenn Mieter die Wohnung wochen- oder tageweise Städtereisenden überlassen, ist das nicht der Fall. Für eine touristische Nutzung benötigt der Mieter also nochmal eine ausdrückliche Erlaubnis, sonst droht die fristlose Kündigung. Die Nachbarn freuen sich ebenfalls über eine kurze Notiz, dass Feriengäste zu erwarten sind. Denn wenn Urlauber in der Wohnung Halligalli machen und das die anderen Mietparteien stört, können sie die Miete kürzen. Und spätestens dann gibt es Ärger mit dem Eigentümer.

          Fragen zu Anzahlung, Stornierung und Kaution vorher klären

          Auch die Stadt oder Gemeinde hat ein Wörtchen mitzureden: Wer seine Wohnung eben nicht nur zum Wohnen, sondern auch gewerblich nutzt, etwa als Ferienunterkunft, der verstößt mancherorts gegen das sogenannte Zweckentfremdungsverbot. Es soll verhindern, dass gerade in angespannten Wohnungsmärkten zusätzlich Wohnraum durch gewerbliche Nutzung verlorengeht. So verbietet die Stadt Berlin ihren Bewohnern seit dem 1. Mai 2014 mit einer Übergangsfrist von zwei Jahren, ihre Wohnung gewerblich an Touristen zu vermieten - es sei denn, sie haben eine spezielle Genehmigung vom Bezirksamt. Wenn nicht, droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro.

          Mieter sollten also bei ihrer Stadt nachfragen, ob sie eine Erlaubnis brauchen. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Werden nur einzelne Zimmer an Feriengäste vermietet und nutzt der Bewohner mehr als 50 Prozent der Wohnfläche selbst, so handelt es sich nicht um eine Zweckentfremdung.

          Wer seine Wohnung untervermietet, haftet für alle Schäden, die der Untermieter in der Wohnung oder am Haus verursacht, allerdings kann er von ihm eine Entschädigung verlangen. Dazu ist es sinnvoll, mit dem Gast eine Kaution zu vereinbaren. Auch Fragen zur Stornierung, Anzahlung und Reinigung sollten in einem Vertrag geregelt sein. Zuletzt sollten Mieter das Finanzamt nicht vergessen: auch geringe Einnahmen müssen in der Steuererklärung mit angegeben werden. Bei privater Vermietung fällt keine Gewerbesteuer an.

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