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Energetische Sanierung : Stoppt den Dämmwahn!

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Frühestens nach 50 oder 60 Jahren hat sich so eine Investition amortisiert - ein Witz. Harald Simons, Ökonomieprofessor in Berlin, hat genau gerechnet. Ergebnis: Die energetische Sanierung ist ein Desaster, eine „gigantische Fehlallokation von Ressourcen“. Volkstümlicher ausgedrückt: „Alles rausgeworfenes Geld. Wir erleben eine Geldschneiderei mit Heiligenschein.“ Die energetische Sanierung rechnet sich demnach nur unter absurden Konstellationen: In einer Bruchbude, in der es durchs Dach regnet, wohnt eine Großfamilie von Irren, die sämtliche Zimmer auch nachts auf Teufel komm raus hochheizt - dann ist mit Dämmung viel herauszuholen. Das Haus darf allerdings nur ein schlichter, viereckiger Kasten sein - sonst wird die Renovierung schon wieder zu kompliziert und damit zu teuer.

Die theoretische Rentabilität erhöht sich schlagartig, wenn in der Rechnung horrend steigende Energiepreise angesetzt werden: Wer annimmt, Gas ist morgen zehnmal so teuer, schafft sich gerne Styropor an. Wo genau in 20 Jahren der Öl- oder Gaspreis steht, weiß freilich niemand (die düstersten Szenarien sind bisher zum Glück ausgeblieben). Sicher ist, wie die Kosten fürs energetische Sanieren sich entwickelt haben: steil nach oben. Industrie und Handwerk langen fröhlich zu, wenn die Politik ihnen schon die Kundschaft zutreibt. „Die Kosten gehen durch die Decke“, hat Professor Simons nachgewiesen. Ein Heizkessel, der im Zuge des technischen Fortschritts eigentlich im Preis sinken müsste, ist um 48 Prozent teurer geworden zwischen den Jahren 2000 und 2012.

Der Hauseigentümer ist der Dumme

Wenn die Leute schon so viel Geld ausgeben, tröstet es sie wenigstens, dass sie damit Gutes tun, wenn schon nicht die Welt retten, dann zumindest den Wohnkomfort erhöhen, wie ihnen versprochen wird: Wenn dem nur so wäre! Für gedämmte Fassaden erhöht sich das Risiko der Schimmelbildung, warnen Experten. Algen setzen sich fest. „Die Brandgefahr ist zudem ein Riesenproblem“, erläutert Ingenieur Helge-Lorenz Ubbelohde, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands der Sachverständigen. „Styropor ist stark brennbar. Fängt Styropor einmal Feuer, brennt die ganze Fassade ab.“

Richtig öko ist das Material sowieso nicht. Styropor muss aus Öl produziert und am Ende des Lebenszyklus entsorgt, also verbrannt werden. Und dann hat es einen ganz banalen Nachteil: Styropor ist nicht so stabil wie Stein, folglich anfällig gegen „mechanische Beanspruchung“. Wer an die gedämmte Außenwand einen Gartenschlauch anbringen will, sollte sich das vorher überlegen. Als Feind genügen in jedem Fall spielende Kinder, die einen Stein gegen das Haus werfen, oder Spechte, die ein Loch in die Wand picken: Schon ist die schöne Dämmung dahin. Nach dem Flicken bleibt ein Mangel, die Fassade komplett zu überarbeiten ist sündhaft teuer. Sind viele Kinder in der Nähe, ist das Material deshalb absolut nicht sinnvoll, auch nicht fürs Erdgeschoss entlang von Straßen, sagt der Sachverständige Ubbelohde: „Davon raten wir dringend ab.“

Der Dumme ist der Hauseigentümer, für „Dämmung gibt man viel Geld aus und muss sein Haus viel eher reparieren“, klagt Verbandsfrau Corinna Kodim. „Die Haltbarkeit eines Hauses wird drastisch eingeschränkt.“ Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert stehen noch, im Fall von Styropor streiten sich die Gelehrten, ob die Dämmung nach 15, 20 oder 30 Jahren auszutauschen ist.

Und wo bleibt das Positive? Doch, es gibt auch eine gute Nachricht: Wer der Dämmlogik nicht glaubt, ist nicht hilflos, er kann die Vorgaben unterlaufen. Wie das geht, erläutert Architekt Konrad Fischer: Der Bauherr solle einen Antrag stellen und sich vom „Zwang zur Dämmung, Luftdichtheit, Dreifachbefensterung und Heizungsvernichtung“ befreien lassen: „Wenn es nicht wirtschaftlich angemessen ist, kann nach Gesetzeslage niemand, auch nicht der Staat, einen dazu zwingen. Weist der Berater oder Planer darauf nicht hin, macht er sich strafbar.“

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