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Bestellerprinzip : Wie sich Vermieter um die Maklercourtage drücken können

Und wer zahlt jetzt den Makler? Bild: dpa

Seit Montag muss derjenige den Makler bezahlen, der ihn beauftragt hat – also meist der Vermieter. Doch Wohnungsvermittler und Eigentümer suchen nach Wegen, dieses Bestellerprinzip zu umgehen.

          Wer im Moment eine Wohnung sucht, hat auf den 1. Juni 2015 hingefiebert. Denn seit Montag gilt auf dem Wohnungsmarkt das sogenannte Bestellerprinzip. Anders als die Mietpreisbremse, die bis jetzt nur in Berlin umgesetzt ist, ist es in ganz Deutschland in Kraft. Bisher musste in aller Regel der Mieter die Maklerprovision in Höhe von 2,38 Monatskaltmieten berappen, auch wenn der Wohnungsvermittler die Leistung im Auftrag des Vermieters erbracht hatte. Mit dem Bestellerprinzip ändert sich das: Nun muss derjenige den Immobilienmakler bezahlen, der ihn beauftragt hat – also meistens der Vermieter, der die Wohnung anbieten will.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Zwar soll es laut Medienberichten am Montag auf den einschlägigen Immobilienportalen noch Wohnungsangebote gegeben haben, die Courtage vom Mieter verlangen. Doch zumindest am Dienstag ergeben Stichproben auf Immobilienscout.de und Immonet.de für die Städte Frankfurt, Hamburg und Berlin, dass die meisten Makler sich an die neue Gesetzgebung halten - verständlich, droht ihnen doch bei einem Verstoß ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro. Bei den Immobilienplattformen im Internet können Anbieter in Zukunft auch keine Angaben mehr zur Provision machen.

          Die Wohnungssuchenden sollten sich aber nicht zu früh freuen: Makler tauschen sich seit Wochen im Internet darüber aus, wie sie das Bestellerprinzip umgehen können. Auch einige Vermieter, die nun den Wohnungsvermittler selbst finanzieren müssen, dürften darüber nachdenken, wie sie zumindest einen Teil der Kosten auf verstecktem Weg vom Mieter zurückfordern können. Doch diese Umgehungsstrategien haben ihre Tücken, die Mieter kennen sollten, um sich besser dagegen zu wehren.

          Mieter sollen Bestellungen unterschreiben

          Die wohl dreisteste Ausweichmöglichkeit sieht vor, den Mieter direkt beim Besichtigungstermin zu drängen, doch schnell selbst zum Auftraggeber zu werden. Dazu legt der Makler dem Interessenten ein Schriftstück zur Unterschrift vor, in dem er bestätigt, dass er, also der künftige Mieter, den Makler angeheuert hat. Nur gegen Unterschrift gibt es dann das Exposé, mit dem sich der Mieter für die Wohnung bewerben kann.

          So wird versucht, die Courtage auf den Interessenten abzuwälzen. Der Mieter muss in diesem Fall aber keine Provision zahlen, selbst wenn er etwas Entsprechendes unterzeichnet hat. Hat er die Vermittlungsgebühr schon an den Makler überwiesen, kann er sie sogar zurückfordern. Dazu hat er drei Jahre Zeit, erst dann verjährt der Fall. Im Notfall muss der Mieter dann vor Gericht ziehen, kann aber, wenn er das Dokument aufbewahrt hat, davon ausgehen, den Prozess zu gewinnen. In diesem Fall wird dem Makler zusätzlich noch ein Bußgeld aufgebrummt.

          Bei einem Verdacht auf Absprachen zwischen Vermittler und Vermieter trägt laut Justizministerium übrigens der Makler die Beweislast, und nicht etwa der Mieter. Er muss belegen, dass eine solche Vereinbarung nicht getroffen wurde. Mieter sollten sich auch an den Mieterverein vor Ort wenden und Makler, die mit solchen Methoden operieren, dort melden. Wer allerdings den Gerichtsweg beschreitet, muss davon ausgehen, dass das Verhältnis zum Vermieter dauerhaft leidet.

          Teure Abschläge auf Möbel

          Des weiteren könnten Makler sich mit dem Vermieter zusammentun und höhere Abstände für Küchen, Möbel oder besondere Ausstattung verlangen, die der Vermieter dann als Entschädigung behalten darf. Allerdings wird auch diese Ausweichstrategie, sofern sie aufgedeckt wird, vom neuen Gesetz geahndet. Laut Wohnraumvermittlungsrecht darf der Vermieter nicht mehr als den Zeitwert plus 50 Prozent für die Einbauten verlangen. Steht der Preis in einem auffälligen Missverhältnis zum Wert, ist die Abstandsvereinbarung unwirksam. Mieter können daher das Geld ebenfalls wie bei zu unrecht gezahlter Provision im Nachhinein zurückfordern.

          Außerdem könnten Vermieter höhere Mieten verlangen, um die Provision wieder hereinzuholen. Eigentlich soll die Mietpreisbremse das verhindern. Sie legt fest, dass die zulässige Miete in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt höchstens 10 Prozent höher liegen darf als die ortsübliche Vergleichsmiete. Doch die Mietpreisbremse gilt bisher erst in Berlin, Großstädte wie Hamburg und Frankfurt wollen sie zwar zeitnah einführen, doch das Datum steht noch nicht genau fest. In anderen Bundesländern kann es noch Monate dauern. In dieser Zeit können Vermieter also noch uneingeschränkt die Mieten erhöhen. Andererseits ist fraglich, ob gerade in den Großstädten mit hohen Mietpreissteigerungen in der Vergangenheit noch genug Spielraum nach oben ist, um die Preise für Wohnraum anzuheben.

          An der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt in Frankfurt, München und Hamburg ändert das Bestellerprinzip hingegen wenig. Wer genug Geld hat, lässt sich auch auf Deals unter der Hand wie überhöhte Abschläge und Mieterprovisionen ein, um sicher eine Wohnung zu bekommen. Wer kein Geld hat, hat jetzt mehr Rechte, aber eine Wohnung hat er deshalb noch lange nicht.

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