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Baufinanzierung : Kreditnehmer bringen mehr Eigenkapital ein

Frankfurt braucht Wohnraum: Neubauten auf dem Riedberg Bild: Rüchel, Dieter

Aufgrund niedriger Zinsen verlieren klassische Geldanlagen an Attraktivität. Anleger investieren lieber in Immobilien - und nutzen dafür verstärkt ihre Ersparnisse.

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          So mancher Immobilienkredit steht auf soliderem Fundament. Denn die Kreditnehmer wenden mehr Eigenkapital für ihre Baufinanzierungen auf. Dies hat der Finanzdienstleister Dr. Klein festgestellt. So wurden im August hierzulande durchschnittlich 77,3 Prozent des Kaufpreises durch Darlehen finanziert. Im Juli waren es noch 78,4 Prozent und damit in etwa so viel wie vor einem Jahr. „Im derzeitigen Niedrigzinsumfeld verlieren klassische Geldanlagen an Attraktivität“, sagt Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher von Dr. Klein. Anleger investierten nach wie vor in attraktive Immobilien. Zudem würden Sparguthaben bei einem Immobilienkauf stärker eingebracht.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Daher sei zudem die durchschnittliche Darlehenshöhe im August von 163.000 auf 161.000 Euro zurückgegangen. Da aber die Preise für Wohnimmobilien gestiegen seien, liegt die Finanzierungssumme nun um 9000 Euro höher als noch im August vergangenen Jahres, heißt es von Dr. Klein. Damals lag der Durchschnittswert der Kredithöhe bei 152.000 Euro. Nach einem eigenen Hauspreis-Index haben sich Eigentumswohnungen in Deutschland binnen eines Jahres um 7,1 Prozent verteuert, Bestandshäuser um fast 7 Prozent und Neubauten um 4,7 Prozent.

          Preise steigen seit 2009

          Vor allem in den Großstädten sind Immobilien teurer geworden. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank sind die Preise auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt seit dem Jahr 2009 gestiegen, und das vor allem in großen Ballungszentren. Demnach sind die Preise für neue Wohnimmobilien in den sieben größten deutschen Städten – Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf – im Jahr 2011 um 9,1 Prozent gestiegen und im Jahr 2010 um 4,9 Prozent. Jahreszahlen für 2012 gibt es von der Bundesbank noch keine, doch die Quartalswerte zeigen weiterhin deutlich aufwärts.

          Auffallend ist zudem, dass die durchschnittliche Standardrate für eine Baufinanzierung nach den Berechnungen des Finanzdienstleisters Dr. Klein seit ihrem Tiefststand im Mai dieses Jahres nun im August zum dritten Mal in Folge gestiegen ist. Für ein Darlehen über 150.000 Euro mit zehnjähriger Sollzinsbindung (Darlehen: 80 Prozent, Tilgung: 2 Prozent) fiel für die Kreditnehmer im Durchschnitt zuletzt eine Monatsrate von 604 Euro an. Das entspricht zwar einem Rückgang um 10 Euro im Vergleich zum August 2012. Im Mai 2013 waren es allerdings durchschnittlich nur 555 Euro monatlich. Damit fällt die Belastung für die Kreditnehmer je Monat um 9 Prozent höher aus als noch im Frühjahr.

          Der Anstieg der Rate sei auf die höheren Baufinanzierungszinsen zurückzuführen, die seit Mai um rund 50 Basispunkte gestiegen seien, sagt Gawarecki. Nach den Angaben der FMH-Finanzberatung beläuft sich der durchschnittliche Hypothekenzins für eine zehnjährige Zinsbindung derzeit im Bundesdurchschnitt auf 2,75 Prozent. Im Rekordtief war dieser Bauzins im Mai dieses Jahres bis auf 2,3 Prozent gefallen. Diese Daten basieren auf einer Erhebung von FMH unter rund 40 Finanzinstituten. Die Spanne ihrer Zinsangebote reicht derzeit von 2,4 bis 4,9 Prozent. Ein Vergleich lohnt also. Regionale Anbieter bieten zuweilen günstigere Konditionen als überregionale. Aber auch große Finanzinstitute sind manchmal von Vorteil.

          Wie im Vormonat haben sich die deutschen Kreditnehmer nach den Daten von Dr. Klein im August mit einem durchschnittlichen Tilgungssatz von 2,3 Prozent entschuldet. Mit den steigenden Zinsen ist jedoch die durchschnittliche Sollzinsbindung, von elf Jahren und neun Monaten auf im August elf Jahre und sieben Monate gesunken. Die Angaben von Dr. Klein zu den Baukrediten werden monatlich aus Daten der Europace-Plattform berechnet, ein unabhängiger Marktplatz für Immobilienfinanzierungen in Deutschland. Sie basieren auf mehr als 20.000 Transaktionen mit einem jährlichen Volumen von rund 30 Milliarden Euro.

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