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Bauen auf der Insel : Einfamilienhaus mit Fahrstuhl

  • -Aktualisiert am

In Großbritannien gibt es weitreichende Bauvorschriften. Bild: Reuters

Wer in Deutschland ein Haus baut, hat einiges zu beachten. Doch das ist nichts gegen die britischen Vorschriften.

          2 Min.

          Die Bauträger, die den großen britischen Markt für Einfamilienhäuser klar beherrschen, haben rein technisch in ihrem Geschäft immer schwierigeren und zugleich aufwendigeren Veränderungen Rechnung zu tragen. Das geht teilweise auf Verschiebungen am Markt zurück, zum anderen aber auch darauf, dass regional die Bauvorschriften immer weiter auseinanderklaffen.

          Was den Markt betrifft, so verliert der Jahrzehnte dominierende Londoner Markt inzwischen eindeutig an Bedeutung. Das erklärt sich daraus, dass die Londoner Einfamilienhauspreise inzwischen im Durchschnitt das Zehnfache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens erreicht haben. Das aber gleicht einer nur schwer überwindbaren Schallmauer. Hier nimmt das Kaufinteresse rapide ab.

          Zugleich beginnen die Hypothekenbanken damit, extreme Vorsicht walten zu lassen. Das trifft vor allem jene Bauträger, die bisher hauptsächlich im Großraum London gebaut haben. Landesweit zeigt sich als eine der Folgen daraus eine Verlagerung der Bautätigkeit nach Norden. Damit erleben die alten englischen Industriegebiete im Bau von Einfamilienhäusern eine Renaissance. Hier erzielen die meisten größeren Bauträger in der Zahl der von ihnen fertiggestellten Häuser inzwischen zweistellige Zuwachsraten.

          Die „Marktmacht“ der regionalen Behörden

          Bei den jeweiligen Bauvorschriften und ihren Veränderungen gibt es keine so klaren Trennlinien zwischen den regionalen Märkten. Ausschlaggebend ist häufig die „Marktmacht“ der regionalen Behörden, vor allem der landkreisähnlichen Councils. Je nachdem wie viele Einfamilienhäuser ein Bauträger an einer Stelle errichten will, desto unterschiedlicher ist der Einfluss der Genehmigungsbehörde. Wenn ein lokaler Bauunternehmer drei, vier oder fünf Häuser ähnlicher Größe plant, dann wird das meist relativ rasch und problemfrei genehmigt. Große Vorhaben aber mit 50, 500 oder gar 5000 Einfamilienhäusern erfordern häufig Verhandlungen mit der Baubehörde, die sich über einen sehr langen Zeitraum erstrecken können.

          Mehr als ein Jahr ist da keineswegs ungewöhnlich. Das beginnt damit, dass je nach dem Volumen des Projekts der Bauträger auch Straßen, eventuell eine Schule oder eine Gemeindehalle kostenfrei bauen und der Gemeinde zur Verfügung stellen muss. Ein anderer Verhandlungspunkt ist die Zahl sogenannter erschwinglicher Häuser mit einer einfacheren Ausstattung, die jeder Bauträger im Rahmen des Projekts errichten und zu deutlich niedrigeren Verkaufspreisen für weniger betuchte Hauskäufer oder Mieter anbieten muss.

          Aber auch für jene Häuser, die einzelne Bauträger für den freien Markt, also für jeden zahlungswilligen Käufer, bauen, gibt es eine Fülle von auszuhandelnden Auflagen. Das beginnt schon mit dem Äußeren der Häuser. Damit wollen die Planer vermeiden, dass ganze Straßenzüge ein gleichartiges Bild bieten, wie das früher einmal gang und gäbe war.

          Vorschriften von einzelnen Landkreisen

          Aber selbst in der Innenausstattung der Häuser können die Bauvorschriften von Landkreis zu Landkreis sehr große Unterschiede aufweisen und damit zugleich auch zusätzlichen Stoff für eingehende Verhandlungen bieten. Mehr oder weniger landesweit vorgeschrieben ist heutzutage, dass neue Einfamilienhäuser weitgehend behindertengerecht ausgestattet sein müssen. Das beginnt mit den Türbreiten, stufenlosen Eingängen von der Straße aus sowie Toiletten und Bädern, die großflächiger als früher sein müssen.

          Darüber hinaus gibt es aber Vorschriften von einzelnen Landkreisen, die für ihr Placet zu größeren Projekten weit mehr verlangen. Das beginnt damit, dass die Toilette im Erdgeschoss so groß ausfallen muss, dass sie sich später erforderlichen-falls in ein vollwertiges Bad ausbauen lässt. Das kann so weit gehen, dass schon beim Bau unter dem Fußboden alle Anschlüsse für eine Dusche oder Badewanne installiert sein müssen, so dass sich der Umbau später zu vergleichsweise geringen Kosten bewerkstelligen lässt.

          Die Vorkehrungen für den Fall einer Behinderung der Bewohner können noch wesentlich weiter reichen. Eine Spitzenposition bei der Vorsorge für mögliche Behinderungen dürfte der Landkreis Uttlesford in der Provinz Essex einnehmen. Hier müssen die Bauträger sogar alle Vorkehrungen treffen, damit sich später ein einfacher Fahrstuhl in jedes neue Einfamilienhaus, das mehr als nur ein Erdgeschoss aufweist, einbauen lässt.

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