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Mehr Rendite als Aktieninvestments : Wie Privatanleger in Private Equity investieren

  • -Aktualisiert am

Heuschrecke hüpf: Viele identifizieren die Tiere mit der Private-Equity-Branche. Bild: Getty Images

Private-Equity-Investoren steigen bei Unternehmen ein. Und machen dann dem Management Beine. Wenn es gutgeht, ist die Rendite prima.

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          Natürlich könnte man behaupten, eine Biene sauge ihre Opfer nur aus, denn das tut sie auf ihrem täglichen Beutezug. Sie schlürft Nektar aus Blumen und heftet sich deren Pollen an die Beine, um sie als Nahrung für ihre Brut davonzuschleppen. Doch dabei bestäubt sie nebenbei Tausende Blüten, die später Früchte tragen und produziert auch noch Honig für alle.

          Darum sehen die meisten Menschen die Biene nicht als böses Biest. Und genau deshalb findet die Branche der Private-Equity-Investoren, dass das Bild der Biene ihr sehr gut stünde. Nur hat sie ein ganz anderes Image.

          Dabei schwärmten die Beteiligungskapitalgeber doch bienengleich aus, von Firma zu Firma, sagen sie selbst über sich. Sie bestückten Unternehmen wie Hugo Boss, Pro Sieben oder Kion mit Kapital, damit das Geschäft Früchte trage, und saugten im Gegenzug einen Teil der Gewinne auf - von denen dann wie beim Honig alle etwas hätten, vor allem die Anleger. Denen verspricht die Branche Renditen, wie sie Aktienanleger nur erträumen können.

          Welchem Tier ähnelt Private Equity-Branche wirklich?

          Ist das nun so böse? Das jedenfalls unterstellten ihr etliche Gegner immer wieder. Einer ihrer härtesten Kritiker war 2005 der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering, der Investoren wie Permira, KKR oder Blackstone als Heuschrecken bezeichnete, die wehrlose Firmen mit ebenso kurzfristigen wie überzogenen Renditeerwartungen aussaugten und am Ende bloß abgeerntete Felder hinterließen. Er nannte sie eine wahre Plage. Dieses Image haftet der Branche seitdem an.

          Nun versuchen Forscher zu klären, welchem Tier die Private Equity-Branche (PE) wirklich ähnelt. Manche Studien halten sie tatsächlich für aggressive Heuschrecken, die sich aus Profitgier als Mehrheitseigner in Firmen einkaufen, um sie zu zerschlagen, kaputtzusparen oder Arbeitsplätze zu vernichten. Besonders in der Automobilzuliefererbranche liefen die Investments nicht rund: Von 130 übernommenen Firmen ging jede dritte nach dem Einstieg von PE-Gesellschaften pleite.

          Doch die Anhänger der Honigbienen-These werden immer mehr. Ihre Argumentation geht so: Private-Equity-Investoren strukturierten Firmen zwar um und stießen unrentable Geschäftsteile ab, doch so steigerten sie die Produktivität und trieben die Internationalisierung der Unternehmen voran. Damit sorgten sie für überdurchschnittliche Renditen.

          “Abnorme Kursgewinne“ für kurze Zeit

          Überdies seien die meisten Geldgeber keine kurzfristig orientierten Investoren, sondern hielten die Beteiligungen vier bis fünf Jahre, entgegnet der Branchenverband der Beteiligungsgesellschaften BVK. Etliche Studien von Beratungsfirmen wie A.T. Kearney, Roland Berger, Golding Capital Partners oder vom Wirtschaftsforschungsinstitut DIW belegen inzwischen, dass die Beteiligungskapitalgeber mehrheitlich diejenigen beflügelten, bei denen sie einstiegen. Vor allem die Buy-out-Fonds, die Firmen „an der langen Leine, aber mit klarem Programm“ umorganisierten, machten die Firmen deutlich profitabler und wachstumsstärker, stellt Ekkehard Franzke, Partner von A.T. Kearney fest. Zudem kamen sie oft auch besser durch die Finanz- und Wirtschaftskrise als Branchenkonkurrenten.

          “Abnorme Kursgewinne“ für kurze Zeit attestierte das DIW bei börsennotierten Firmen, wenn PE-Investoren sie übernommen und angekündigt haben, sie von der Börse nehmen zu wollen. Aber vor allem im Langfristvergleich lagen die Private-Equity-Beteiligungen deutlich vorn, sagt Golding nach dem Vergleich von 5000 Firmen, die mit diesem Wagniskapital finanziert sind: Seit 1977 hätten Anleger damit jährlich gut neun Prozentpunkte mehr Rendite erzielen können als mit Aktieninvestments.

          Deswegen gelten Private-Equity-Beteiligungen bei Großinvestoren als ein Pflichtinvestment. Der Markt der Beteiligungen ist nach seinem Höhenflug und dem Einsturz nach der Lehman-Pleite im Jahr 2008 zuletzt wieder stark gewachsen. Und es gibt auf der anderen Seite genug Unternehmen, die das Geld gerne annehmen, auch wenn sie dabei ihre Kapitalmehrheit und ihre Unabhängigkeit verkaufen.

          Für sie bedeutet es: Sie kommen unkompliziert und günstig an Kapital, wo etliche Banken wegen der verschärften Kreditanforderungen knausern. Und sie erhalten von den PE-Gesellschaften professionelle Manager dazugeliefert, die sie auf Wachstum trimmen. Als größte Geldgeber der Branche fungieren hierzulande Banken, Versicherungen, Pensionsfonds und Fondsgesellschaften, die 2012 gut drei Milliarden Euro vor allem in mittelständische Firmen steckten.

          Strenge Regeln gibt es nicht ohne Grund

          Auch manche Privatanleger würden sich nun gern eine Scheibe von der Honigwabe abschneiden. Doch das ist nicht so leicht, denn viele Beteiligungen werden nur an institutionelle Investoren oder vermögende Privatanleger verkauft. Oft ist ein Einstieg erst ab mehreren zehntausend Euro möglich, und wer die Anteile einmal besitzt, wird sie so schnell nicht wieder los. Über die Aktien der Private-Equity-Gesellschaften und der Unternehmen, in die sie investieren, sowie über Fonds geht es hingegen leichter (siehe Texte rechts).

          Die teilweise strengen Regeln gibt es nicht ohne Grund. Zum einen sollen sie nur diejenigen Anleger anlocken, die nicht auf das Geld angewiesen sind und es auch nicht schnell wieder abziehen. Schließlich ist der Umbau von Unternehmen ein langwieriges Geschäft, das viel Kapital bindet. Zum anderen steht den hohen Renditen ein hohes Risiko gegenüber. Nicht alle trudelnden Firmen werden erfolgreich saniert, wie die Statistik der Automobilzulieferer zeigt. Zudem fließt auch viel Kapital in Firmenneugründungen, die oft genug scheitern. Von den Anteilen, die deutsche Wagniskapital-Investoren 2012 wieder abstießen, verbuchten sie fast die Hälfte als Totalverlust. Bei den Umstrukturierungsfonds gingen nur vier Prozent verloren.

          Von daher sollten Anleger nicht nur auf die Rendite fliegen, sondern gut überlegen, wem sie Geld geben, damit es wirklich Früchte trägt.

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