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Anbieter im Test : Lohnt sich Carsharing?

  • -Aktualisiert am

Hohe Strafen bei Verspätung, dafür keine Parkgebühr

Die Firmen bieten vom Kleinwagen bis zum Transporter verschiedene Kategorien. Welches Modell man erwischt, ist oft Glückssache. Wer Sonderwünsche hat, sucht länger und zahlt auch mehr, je größer das Auto ist. Flinkster hat selbst Oberklasse-Limousinen wie den BMW Siebener im Angebot. Die Daimler-Tochter Car2go führt nur konzerneigene Fahrzeuge, vom Smart Fortwo bis zu verschiedenen Mercedes-Modellen, allerdings keine Transporter wie den Viano. Die Konkurrenten legen sich nicht auf einen Hersteller fest.

Nach absolvierter Fahrt stellt man den Wagen einfach ab und beendet die Miete. Aber Achtung: Parkhäuser sind in aller Regel tabu. Ein Vorteil: Parkscheine im öffentlichen Raum müssen nicht gelöst werden, denn die Anbieter haben entsprechende Vereinbarungen mit der Stadt geschlossen. Wer bei den Stationen mit Verspätung erscheint, riskiert deftige Strafen von bis zu 60 Euro, besonders wenn man die drohende Verspätung nicht von unterwegs meldet. Man kann von Glück sagen, wenn in dieser Situation kein Folgekunde den Wagen reserviert hat. Dann darf man die Mietzeit per App einfach verlängern.

Anbieter berechnen Preise unterschiedlich

Tanken müssen übrigens die Kunden – aber auf Kosten der Anbieter. Überall gilt: Fällt die Tanknadel unter 25 Prozent, muss man volltanken. Dazu haben alle Fahrzeuge eine Tankkarte im Auto, mit der bezahlt werden kann. Bei Car2go gilt die Karte nur bei Shell-Tankstellen.

Und wie teuer ist die Fahrt? Wir haben dafür drei Testfahrten durchgespielt. Car2go erfasst alles in einer Minutenpauschale, alle anderen kombinieren die Nutzungszeit mit der Kilometerzahl. Kleinwagen kosten zwei bis drei Euro pro Stunde, pro Kilometer fallen zudem meist um die 20 Cent an. Wichtig: Bei Stadtmobil, einem Netzwerk mehrerer lokaler Anbieter, können die Konditionen von Stadt zu Stadt variieren.

In den getesteten Szenarien heißt das konkret: Für eine kurze Tour zum Supermarkt zahlt man knapp sieben Euro – nur Car2go ist deutlich teurer. Wer den Wagen für die Hin- und Rückfahrt zu Arbeit nutzt, ist mindestens 16 Euro los (Book-n-Drive), im Höchstfall 79 Euro (Car2go). Grund für den Ausreißerpreis: Der Wagen muss auch bezahlt werden, wenn man ihn einfach nur parkt. Ihn zwischendurch wieder abzugeben ist riskant, denn ein anderer Kunde könnte ihn dann übernehmen. In der Praxis würde man es wohl darauf ankommen lassen – und im Zweifel ein Taxi für den Rückweg rufen.

Book-n-Drive hat die Nase vorn

Sonderwünsche lassen sich vereinbaren: Wer etwa mehrere Tage ein Auto braucht, bekommt vergünstigte Tarife. Theoretisch sind sogar Urlaubsreisen ins Ausland möglich, das sollte man mit dem Anbieter besprechen. Unangekündigte Spritztouren in die Nachbarstaaten kosten satt extra.

Im Vergleich hat letztlich Book-n-Drive die Nase vorn, auch Stadtmobil schlägt sich gut. Flinkster ist vor allem bei langen Strecken teuer. Die Bahn-Tochter glänzt dafür mit einem deutschlandweiten Stationsnetz und einer beeindruckenden Modellpalette. Car2go geht bei kurzen Strecken ins Geld. Aber das Free-Floating-Angebot ermöglicht konkurrenzlos flexible und spontane Buchungen. Und mögliche Mehrkosten für Verspätungen fallen weg.

Modell rechnet sich nicht für alle

Kann Carsharing also das eigene Auto ersetzen? Im Alltag der Großstadt wohl schon. Kurze Strecken lassen sich gut und günstig bewältigen, auch die Parkplatzsuche ist einfacher. Bei langen Fahrten muss man aber fragen, ob sich das Modell wirklich rechnet. Hier kommen auch klassische Autovermieter ins Spiel. Wer viel und weit reist, ist vielleicht bei der Bahn oder doch beim eigenen Pkw besser aufgehoben.

Es lohnt sich allemal, es einfach einmal zu testen. Die Einstiegskosten sind überschaubar, laufende Kosten bei Nichtnutzung gibt es fast keine. Und eine Kombination der Anbieter wäre clever.

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