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Lohnsteuerhilfevereine : Die Steuerberater des kleinen Mannes

Bitte hilf: Lohnsteuervereine versuchen, Arbeitnehmer durch das deutsche Steuerrecht zu lotsen Bild: Jung, Hannes

Lohnsteuerhilfevereine sind in der Regel deutlich günstiger als normale Steuerberater. Rund 1000 solcher Büros existieren in Deutschland. Jedes Jahr vor der Abgabefrist am 31. Mai haben sie Hochsaison.

          Am 31. Mai eines jeden Jahres endet die Abgabefrist für die Einkommensteuererklärung. Arbeitnehmer, die dazu verpflichtet sind, müssen bis dahin ihre Einkünfte aus dem vorangegangenen Kalenderjahr beim zuständigen Finanzamt erklären. Für freiwillige Einkommensteuer-Erklärer wiederum läuft die vierjährige Verjährungsfrist ab: Nur bis dahin können sie sich auch noch für ihr Einkommen, das sie vor vier Jahren bekommen haben, Geld vom Finanzamt zurückholen.

          Gerade in den Wochen bevor die Steuererklärung an das Finanzamt geschickt werden muss, haben die Büros des bundesweit tätigen „Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Rings Deutschland e.V.“ regen Zulauf. Sie sind Anlaufstelle für Menschen, die die im deutschen Steuerrecht vorgesehenen Ausnahmen für sich geltend machen wollen, die dazu aber selbst nicht in der Lage sind, die sich nicht mühevoll einarbeiten wollen oder sich einen Steuerberater nicht leisten können. Heute existieren rund 1000 solcher Büros in ganz Deutschland - von der Filiale eines der großen Lohnsteuerhilfevereine mit mehreren hunderttausend Mitgliedern bis zum Wohnzimmer eines pensionierten Steuerbeamten, der Nachbarn betreut.

          Mitgliedschaft im Verein ist Pflicht

          Anfang der sechziger Jahre gründeten Arbeitnehmer die ersten Lohnsteuerhilfevereine für ihresgleichen. 1964 schuf der Gesetzgeber in der Abgabenordnung eine erste rechtliche Grundlage. Inzwischen regelt das Steuerberatergesetz, wen die Vereine beraten dürfen: Bürger, die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit oder wiederkehrende Bezüge wie Renten beziehen, sofern sie nicht noch selbständig arbeiten und ihre Einnahmen aus anderen Einkunftsarten wie Miete oder Kapitalgewinne nicht über 13.000 Euro liegen; bei Zusammenveranlagung von Ehepartnern verdoppelt sich diese Summe.

          Zu viel: In Steuerfragen benötigen viele Deutsche Hilfe

          Um Hilfe zu bekommen, muss der Steuerzahler Mitglied in dem Verein werden. Dafür zahlt er einen am Einkommen orientierten Beitrag von durchschnittlich 120 Euro und maximal etwa 300 Euro. Dafür kann er das ganze Jahr über Beratung in Steuerfragen einholen. In der Regel kommen die Mitglieder in den Monaten vor Ablauf der Steuerfrist in die Büros der Lohnsteuerhilfe und bringen die notwendigen Unterlagen mit: die Lohnsteuerbescheinigung und Belege für Leistungen, die abgesetzt werden könnten. Je nach Fall dauert die Bearbeitung dann von einer Stunde bis zu einem ganzen Arbeitstag. Im Beratungsgespräch fragt der Betreuer die Mandanten möglichst genau über ihre Lebensverhältnisse aus, um zu erfahren, ob er etwa Kosten für die Kinderbetreuung oder haushaltsnahe Dienstleistungen ansetzen kann.

          Es gab Zeiten, in denen der Ruf von Lohnsteuerhilfevereine angekratzt war. In den späten sechziger und siebziger Jahren wucherten rund um die Hauptbahnhöfe der Großstädte kleine Büros, die vor allem Gastarbeitern ihre Lohnsteuerkarten gegen wenig Bargeld abkauften und sich eine Vollmacht ausstellen ließen, um die fällige Lohnsteuerrückzahlung einstreichen zu dürfen. Und vor zehn Jahren bewertete die Zeitschrift "Finanztest" einige Lohnsteuervereine negativ, weil sie falsch rechneten. Seitdem habe sich die Lage augenscheinlich gebessert, heißt es bei "Finanztest" heute. Es hätten sich zuletzt weniger Leser beschwert.

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