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Lebensversicherungen : Überschussbeteiligungen sinken

Ergo-Sitz in Düsseldorf Bild: dapd

Reihenweise senken die deutschen Lebensversicherer ihre Überschussbeteiligungen. Die Ergo macht den Anfang - und schreibt ihren Kunden nun gerade noch 3,55 Prozent gut.

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          Stärker als im Vorjahr schlägt der Niedrigzins am Kapitalmarkt auf die Lebensversicherungskunden durch. Als erster der zehn größten deutschen Lebensversicherer senkte am Dienstag die Ergo die laufende Verzinsung für das Jahr 2013 in erheblichem Ausmaß um 0,6 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Für Kunden, deren Vertrag im kommenden Jahr ausläuft, kommt noch ein Schlussüberschuss und ein Sockelbeitrag an den Bewertungsreserven des Versicherers hinzu. Somit beträgt die Gesamtverzinsung eines regulär endenden Vertrags 3,55 Prozent. Für die Kunden der ebenfalls zum Konzern gehörenden Victoria Leben sinkt dieser Wert um 0,5 Prozentpunkte auf 3,35 Prozent.

          Beitragsrendite von nur 3,12 Prozent

          Mit der starken Senkung folgt die Ergo, die mit Beitragseinnahmen von 3,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr der sechstgrößte deutsche Lebensversicherer war, dem Beispiel der Alten Leipziger. Sie hatte als erste Gesellschaft Ende November ihre Überschussbeteiligungen veröffentlicht. Ihre Gesamtverzinsung fiel um 0,5 Prozentpunkte auf 4,05 Prozent (darin ist die laufende Verzinsung von 3,35 Prozent enthalten). Anders hat sich die kleinere DEVK entschieden: Sie senkte die laufende Verzinsung nur um 0,1 Prozentpunkte auf 4 Prozent und kommt in der Gesamtverzinsung auf Werte zwischen 4,2 und 4,5 Prozent (F.A.Z. vom 1. Dezember).

          Die Überschussbeteiligungen sind ein wichtiges Argument der Vertriebe im Verkauf. Sie hängen von den Ergebnissen der Versicherer aus der Kapitalanlage, der Risiko- und der Kostenkalkulation ab. Dabei haben die Unternehmen aber reichlich Spielraum. Besonders vorsichtige Gesellschaften weisen geringere Verzinsungen auf, um ihre Reserven zu stärken.

          Bild: F.A.Z.

          Zudem sind die Prozentwerte nur bedingt miteinander vergleichbar, da sie auf die Sparanteile der Police angerechnet werden. Das ist der Teil des Beitrags, der nicht für den Todesfallschutz, die Abschluss- und die Verwaltungskosten aufgewendet wird. Somit weichen die Beitragsrenditen deutlich von den Überschussbeteiligungen ab.

          Die Ergo beispielsweise verkauft ihre Produkte über verschiedene Vertriebskanäle und liegt so mit einem Abschlusskostensatz von 6 Prozent und einem Verwaltungskostensatz von 2,7 Prozent oberhalb des Branchendurchschnitts. Schon im vergangenen Jahr wies sie deshalb unter der Annahme konstanter Überschussbeteiligungen bei einem 25 Jahre laufenden Vertrag nur eine Beitragsrendite von 3,12 Prozent aus. Das war der sechstniedrigste Wert aller von der Ratingagentur Assekurata befragten Unternehmen.

          Zinszusatzreserve schränkt Unternehmen ein

          Deutsche Lebensversicherer haben rund 89 Prozent ihrer Kapitalanlagen in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Direkt gehaltene Staatsanleihen machen 4,2 Prozent aus. Allerdings verleihen die Unternehmen auch Geld an den Staat über Kreditverträge und halten Rentenpapiere über Fondsanteile. Die Gesamtquote von Staatspapieren beträgt 21,4 Prozent. Zudem sind 24,4 Prozent der Kapitalanlagen in Pfandbriefen investiert. Versicherer sind deshalb in besonderem Ausmaß von der Niedrigzinsphase betroffen.

          Der Niedrigzins hat zwei Effekte: Zum einen erzielen die Versicherer niedrigere Kapitalanlageergebnisse als früher. Zum anderen zwingt das Bundesfinanzministerium sie, eine Zinszusatzreserve zu bilden, um sicherstellen zu können, dass sie Verträge mit einem Garantieversprechen von 4 Prozent auch künftig noch nachhaltig bedienen können. Im Jahr 2011 betrug der Überschuss der Branche aus der Kapitalanlage 4,5 Milliarden Euro - nach 6,6 Milliarden Euro im Vorjahr.

          Der Rohüberschuss setzt sich zudem aus Gewinnen zusammen, die entstehen, wenn weniger Todesfall- oder Rentenleistungen ausgezahlt werden mussten als zuvor kalkuliert. Dieser Überschussanteil war im Vorjahr mit 6,5 Milliarden Euro sogar höher als der üblicherweise dominante Anteil aus der Kapitalanlage. Eine dritte Gewinnkomponente sind Kostengewinne, die entstehen, wenn die Versicherer weniger für Verwaltung und Abschlüsse ausgegeben als zuvor kalkuliert.

          Die Zinszusatzreserve schränkt in wachsendem Maß den Spielraum der Unternehmen für großzügige Überschussbeteiligungen ein. Im vergangenen Jahr schmälerte sie die dafür verfügbaren Mittel um 1,5 Milliarden. Für dieses Jahr beziffert sie die Finanzaufsicht Bafin auf mehr als 5 Milliarden Euro. Auch im kommenden Jahr rechnet sie mit einem substantiellen Betrag. Die Ergo hat für ihre drei Versicherer Ergo Leben, Victoria und Ergo direkt im vergangenen Jahr 100 Millionen und in diesem Jahr 325 Millionen Euro in diese Reserve eingestellt. Die Alte Leipziger kommt in der Summe auf knapp 135 Millionen Euro.

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