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Lebensversicherung : Renditen sinken auch 2012

Marktführer Allianz liegt noch über dem Schnitt von 5 Prozent. Insgesamt müssen die Kunden aber in diesem Jahr mit geringerer Rendite rechnen. Bild: dpa

Kunden von deutschen Lebensversicherern müssen auch 2012 mit einer geringeren Rendite rechnen. Wer 30 Jahre lang Beiträge eingezahlt hat, erhält im Schnitt 5 Prozent.

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          Die deutschen Versicherer werden ihren Kunden im Jahr 2012 abermals weniger auszahlen als im Jahr 2011. Wer als dreißig Jahre alter Mann jedes Jahr 1200 Euro, also insgesamt 36.000 Euro in seine Kapitallebensversicherung einzahlte, bekommt derzeit nach 30 Jahren im Durchschnitt 83.935 Euro ausgezahlt. Damit ging die Dreißig-Jahre-Rendite nach der Untersuchung des Branchendienstes Map-Reports von 5,15 Prozent im Jahr 2011 auf nun 5,01 Prozent zurück.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei ist die Spannweite zwischen den einzelnen Versicherern groß. Im Durchschnitt läuft eine Kapitallebensversicherung 27 Jahre. Wer beim Renditespitzenreiter Debeka seine Police hat, in die er 30 Jahre lang eingezahlt hat und die in diesem Jahr fällig wird, kann sich auf eine Rendite von genau 6 Prozent freuen. Hat der Versicherte für zwölf Jahre Beiträge an die Debeka geleistet, hat er mit dieser Police immerhin eine Rendite von 4,5 Prozent erzielt. Der Durchschnitt der Versicherer bringt es für den Zeitraum von zwölf Jahren auf 3,12 Prozent Rendite. Das ist noch mehr, als mit dem Dax zu erzielen war, der derzeit eine-Zwölf-Jahresrendite von minus 8 Prozent hat.

          Ob Versicherer auf Dauer nach Inflation den Geldwert erhalten können, ist fraglich

          Allerdings ist die Durchschnittsrendite der Kapitallebensversicherung durch wenige gut wirtschaftende Versicherer nach oben verzerrt. Marktführer Allianz schafft es zwar unter die besten zehn (siehe Tabelle). Andere große Versicherer aber wie die Alte Leipziger, DBV, Ergo, Iduna, Generali oder die Württembergische liegen aber unter dem Durchschnitt. Zurich Deutscher Herold, der Partner der Deutschen Bank, und Aachen-Münchener übermittelten dem Map-Report nicht rechtzeitig ihre Daten. Eine Iduna-Police zum Beispiel brachte über 30 Jahre hinweg lediglich 4,5 Prozent und über 12 Jahre 2,6 Prozent. Noch schlechter geht es Kunden, die bei der Gothaer versichert sind. Ihre Policen werfen über 30 Jahre hinweg 4,3 und über zwölf Jahre 2,4 Prozent ab. Bleibt es dabei, ist fraglich, ob Versicherer auf Dauer nach Inflation den Geldwert erhalten können. Die Europäische Zentralbank zumindest hat sich mit Inflationsraten für die kommende Monate von deutlich mehr als 2 Prozent abgefunden.

          Bild: F.A.Z.

          Nach Ansicht des Map-Reports haben sich die Versicherer aber bisher insgesamt wacker geschlagen. Tatsächlich sinkt die Ablaufleistung weniger stark, als angesichts derzeit sehr niedriger Zinsen für Bundesanleihen zu befürchten war. Versicherer müssen einen Großteil der Kundengelder in „AAA-Anleihen“ anlegen. Immer weniger Staaten haben diese beste Bonität. Umso gefragter sind „AAA-Anleihen“. Durch die hohe Nachfrage sinken die Renditen. Um sich Geld zu leihen, muss etwa Deutschland derzeit für zwei Jahre nur 0,2 Prozent, für fünf Jahre 0,7, für zehn Jahre 1,7 und für dreißig Jahre 2,4 Prozent bieten. Das ist so wenig wie noch nie. Deshalb hat das Bundesfinanzministerium schon im vergangenen Jahr den Garantiezins der Versicherer von 2,25 auf 1,75 Prozent gesenkt.

          Seit 2001 geht es mit den Ablaufleistungen bergab

          Für das, was die Versicherer tatsächlich auszahlen, die Rendite der sogenannten Ablaufleistung, ist der Garantiezins die Untergrenze. Hinzu kommt aus der laufenden Verzinsung die Überschussbeteiligung. Sie wird auf den Sparanteil der Policen angerechnet, also den Teil der Beiträge, der abzüglich der Kosten für Abschluss und Verwaltung sowie den Risikoschutz am Kapitalmarkt angelegt wird. In der Vergangenheit konnten die Anleger von ihrer Versicherung wegen der höheren Zinsen mehr Rendite erwarten.

          Im Zuge der Wiedervereinigung stieg die Umlaufrendite, die durchschnittliche Verzinsung aller Bundeswertpapiere über das gesamte Spektrum der Laufzeiten, in der Spitze auf 8,9 Prozent. Viele Versicherer deckten sich mit Anleihen ein und konnten daher im Jahr 2001 im Durchschnitt eine Ablaufleistung auf 30 Jahre geleistete Beiträge bieten, die einer Rendite von 6,2 Prozent entspricht. Seither aber geht es mit den Ablaufleistungen bergab. Nach der Untersuchung im Map-Report sind die Ablaufleistungen der Versicherten bei der Gothaer, der Continentale, der Volkswohl Bund und der SV Sparkassenversicherung in den vergangenen fünf Jahren am stärksten zurückgegangen. Den besten Trend bei ihrer Verzinsung weisen Policen hingegen von der Cosmos, der Allianz, HUK-Coburg und LVM auf.

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