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Lebensversicherung : Altersvorsorge für Bequeme

Unaufgeregte Altersvorsorge Bild: dpa

Lebensversicherungen eignen sich für Kunden, die keine Aufregung wollen. Wer weiß, auf was er sich einlässt, kann durchaus auf seine Kosten kommen. Man sollte aber auf finanzielle Stabilität und Kapitalanlageerfolg des Versicherers achten.

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          Es gab Zeiten, da war alles klar: Wer alt genug war und keine großzügige Betriebspension in Aussicht hatte, schloss eine Lebensversicherung ab. Eine solide Geldanlage, steuerfrei, wenn sie eine gewisse Laufzeit überschritten hatte und deshalb für den Finanzberater ohne großen Aufwand zu vermitteln.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Als im Jahr 2005 das Steuerprivileg eingeschränkt wurde, hatte die Entwicklung ihren Höhepunkt erreicht und der Berater sein zugkräftiges Argument verloren: 94,2 Millionen Verträge bewahrten deutsche Haushalte damals in Aktenordnern, Tresoren und Schreibtischschubladen auf. Seither geht es bergab. Im vergangenen Jahr zählten die deutschen Versicherer rund 90 Millionen Verträge - Tendenz weiter fallend.

          Wenig Lust auf lange Bindungen

          Für das beliebteste Vorsorgeprodukt der Deutschen haben sich die Rahmenbedingungen verschlechtert. Die langjährige Niedrigzinsphase schmälert die Anlageergebnisse, erste Versicherer scheiden aus dem Markt aus und verwalten nur noch ihre Bestandsverträge. Zu allem Überfluss wurde der Garantiezins von der Bundesregierung von 2,25 auf 1,75 Prozent gesenkt.

          Die Verbraucher haben keine Lust mehr auf lange Bindungen. Gerade einmal etwa  5,7 Milliarden Euro wurden als laufende Beiträge in neue Policen im Jahr 201 eingezahlt  und damit fast 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Einmalbeiträge, die in Sofortrenten mit lebenslanger Garantie, aber eben auch in kurzfristige Geldanlagen ohne Risikoschutz gehen, machen inzwischen fast das Fünffache aus. Die Lebensversicherung droht von einer konventionellen Altersvorsorge mit monatlichen Einzahlungen zu einer Geldanlage von Vermögenden zu werden, die sich hohe Einmalzahlungen über 50.000 Euro oder mehr leisten können.

          Dabei musste man in der Finanzkrise lange mit der Lupe nach sicheren Anlagen suchen, die trotz all der Kursverluste am Aktienmarkt mehr als 4 Prozent Rendite auf den Sparanteil abwarfen. Den meisten Lebensversicherungen gelang dies, weil sich ihre Kapitalanlageergebnisse aus lang laufenden Anleihen mit hohen Kupons speisten.

          Lebensversicherung ist nicht gleich Lebensversicherung

          „Die Lebensversicherung ist unter vielen Alternativen das kleinste Übel“, sagt deshalb Manfred Poweleit, der mit seinem unabhängigen Branchendienst Map-Report die Leistungen der Anbieter kritisch begleitet. Die 730 Milliarden Euro, die deutsche Lebensversicherer verwalten, sind zum Großteil in festverzinslichen Anlagen investiert - die Auszahlungen sind so in guten Zeiten meist schwächer als bei riskanteren Investments, in schlechten Zeiten dagegen stabiler.

          Dabei ist Lebensversicherung nicht gleich Lebensversicherung. Und das in zweierlei Hinsicht: Zum einen ist sie der Sammelbegriff für eine Reihe sehr unterschiedlicher Produkte, zum anderen sind die Angebote am Markt so unterschiedlich, dass sich der Kunde vorab sehr genau informieren sollte, ob und wo er am besten abschließt.

          Einfache Risikoabsicherung

          Die einfachste Variante ist die Risikolebensversicherung. Sie ist das, was man im allgemeinen Sprachgebrauch unter Lebensversicherung versteht - eine Police, die an Angehörige ausgezahlt wird, sobald der Inhaber stirbt. Vor allem Mütter und Väter, die eine Familie versorgen müssen, kommen an diesem Schutz kaum vorbei. Die Todesfallsumme sollte sich nach dem Bedarf der Hinterbliebenen richten, den erforderlichen Aufwendungen für einen Hauskredit und den Kosten für die Ausbildung der Kinder.

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