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Krankenversicherer : Der „Pflege-Bahr“ wird zögerlich aufgenommen

Daniel Bahr: „Wir gehen davon aus, dass bald weitere Anbieter die geförderte Pflegevorsorge anbieten werden“ Bild: dpa

Wenige Krankenversicherer drängen auf den Markt, nur rund ein Drittel der Versicherungen stehe dem Produkt offen gegenüber, heißt es in der Branche. Minister Bahr bleibt zuversichtlich.

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          Die Versicherungswirtschaft hält sich mit Angeboten für die neuen staatlich geförderten Pflegeversicherungen noch zurück. Ende vergangener Woche trat die Verordnung in Kraft, mit der die Bundesregierung die Förderung regelt - doch erst eine Handvoll privater Krankenversicherer bietet entsprechende Policen an oder steht unmittelbar davor. Das Ministerium gibt sich gleichwohl zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass bald weitere Anbieter die geförderte Pflegevorsorge anbieten werden“, sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) dieser Zeitung.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die Zurückhaltung hat verschiedene Gründe. Zum einen ließ die Endfassung der Verordnung bis Ende vergangenen Jahres auf sich warten. Zudem gab es noch Auseinandersetzungen unter den Versicherern über Details der Musterbedingungen, die vom Branchenverband erstellt und vom Gesundheitsministerium abgesegnet werden mussten. Auch die Einführung der neuen Unisex-Tarife für alle Versicherungsprodukte hat einige Unternehmen davon abgehalten, sich um den Pflege-Bahr zu kümmern. Zum anderen gibt es in der Branche grundsätzliche Vorbehalte gegen das Produkt, bei dem die Anbieter jeden Antragsteller ungeachtet seines Gesundheitszustands aufnehmen müssen (Kontrahierungszwang). Nur rund ein Drittel der 47 Verbandsmitglieder stehe dem Produkt daher offen gegenüber, heißt es in der Branche.

          Angebote weichen stark voneinander ab

          Verbindliche Produktangebote haben bislang die Barmenia, der Deutsche Ring, Signal, Central und Huk Coburg vorgelegt. Die beiden größten Krankenversicherer Debeka und DKV wollen bald nachziehen. Die Debeka hat ihren Verkaufsstart für den 15. Februar anvisiert. Noch davor will die Deutsche Familienversicherung ihre Vertriebspartner auf das schon fertige eigene Produkt vorbereitet haben.

          Selbst die wenigen bisherigen Angebote weichen stark voneinander ab: Vorgegeben ist ein Mindestbeitrag von monatlich 15 Euro, von dem der Bund 5 Euro übernimmt, und ein Pflegetagegeld, das sich monatlich auf mindestens 600 Euro für die schwerste Pflegestufe III summiert. Da der Mindestbeitrag nicht unterschritten werden kann, erhalten jüngere Versicherte ein höheres Pflegetagegeld. Ältere Versicherte müssen dagegen für ihre Absicherung von 600 Euro mehr als die 15 Euro Mindestbeitrag zahlen.

          Stiftung Warentest hält Abschluss für sinnvoll

          Das Alter, in dem Versicherte gerade den Mindestbeitrag zahlen und die Mindestsumme erhalten, weicht bei allen Anbietern ab: Die Debeka etwa will es auf 35 Jahre setzen, die Deutsche Familienversicherung auf 45 Jahre. Verbraucherschützer und Marktanalysehäuser warnen aber davor, nur auf die Leistungen bei Pflegestufe III zu achten. „Hier ist die Lebenserwartung so gering, dass die Kosten meist nicht allzu hoch sind“, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Als Mindeststandard hat der Gesetzgeber definiert, dass das Pflegetagegeld für Pflegestufe II 30 Prozent (20 Prozent für Stufe I, 10 Prozent bei Demenz) des Betrags in Pflegestufe III ausmachen muss. Diese Vorgabe haben die meisten Anbieter übertroffen. Die Stiftung Warentest hält einen Abschluss für sinnvoll.

          Weniger Abweichung gibt es in einem anderen Punkt: Die meisten Versicherer bieten ihren Kunden an, das geförderte Produkt, das laut Verordnung spätestens nach fünf Jahren Laufzeit Versicherungsschutz bieten muss, an einen Ergänzungstarif zu koppeln. Für diesen gilt dann häufig eine kürzere Wartezeit. Im Gegenzug verlangen die Unternehmen dann aber eine Gesundheitsprüfung. In der Branche wird befürchtet, dass die Anbieter, die zuerst an den Markt gehen, viele Kunden an sich binden, die bislang wegen Vorerkrankungen keinen Versicherungsschutz erhalten konnten. „Unser Ziel ist es, möglichst viele Versicherte zu bekommen, damit es nicht so ins Gewicht fällt, ob wir auch Kranke haben“, sagt Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender der Debeka.

          Dass dies auch tatsächlich geschieht, erwartet Gesundheitsminister Bahr: „Eine zusätzliche Absicherung für den Pflegefall hilft, die Kosten, die die gesetzliche Pflegeversicherung nicht übernimmt, weiter zu mindern.“ Da viele Bürger keine private Zusatzversorgung haben, wurde die Lücke bislang häufig von den Sozialkassen geschlossen. Die Hoffnung besteht, dass die staatliche Förderung deshalb für den Bund günstiger ausfällt.

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