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: Krank im Ausland - wer zahlt den Arzt?

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Es kann ein Seeigel am Strand sein oder ein Herzinfarkt im Pool - und plötzlich braucht ein Urlauber dringend einen Arzt oder muss ins Krankenhaus. Passiert der Zwischenfall im Ausland, wird das richtig teuer.

          Von Marion Trimborn

          Es kann ein Seeigel am Strand sein oder ein Herzinfarkt im Pool - und plötzlich braucht ein Urlauber dringend einen Arzt oder muss ins Krankenhaus. Passiert der Zwischenfall im Ausland, wird das richtig teuer. Wer dort zum Arzt geht, muss das zunächst einmal aus eigener Tasche bezahlen.

          Zwar erstatten die deutschen Krankenkassen die Kosten bei Behandlungen innerhalb Europas und in Ländern, mit denen Sozialversicherungsabkommen bestehen. Allerdings kassieren Ärzte im Ausland oft Gebühren, die deutsche Versicherungen nur zum Teil übernehmen. Auf der Differenz bleibt der Tourist dann sitzen.

          Wer gar so schwer verletzt ist, dass er mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden muss, bekommt von der Kasse keinen Cent. Weder die gesetzlichen noch die privaten Krankenkassen zahlen die meist fünfstelligen Summen. Ein Krankentransport von den Azoren zurück kostet zum Beispiel 25 000 Euro. Für beliebte, aber weiter entfernte Reiseziele wie Ägypten, Thailand oder Amerika übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen gar keine Behandlungskosten. Private Krankenkassen bieten zwar manchmal einen weltweiten Versicherungsschutz, aber der gilt oft nur für wenige Wochen.

          "Die Auslandsreise-Krankenversicherung ist eine ausgesprochen wichtige Versicherung, die jeder haben sollte, der außerhalb Deutschlands Urlaub macht", sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Zumal sie nur ein paar Euro kostet. Als Einzelperson bekommt man einen Jahresvertrag schon für knapp fünf Euro, und Familien können sich ab einem Betrag von 15 Euro versichern. Sinnvoll sind dabei Jahresverträge, bei denen der Kunde ein Jahr lang auf allen Reisen versichert ist. Allerdings darf dann keine Tour länger als sechs oder acht Wochen dauern. Wer also als Student ein Semester im Ausland verbringt oder als Rentner auf Mallorca überwintert, braucht eine andere Police mit Langzeitschutz. Geschäftsreisen sind ebenfalls nicht immer mitversichert.

          Jetzt vor dem Sommerurlaub sollte man eine Auslandsreise-Krankenversicherung abschließen. Das können Kurzentschlossene bis zu einer Woche vor der Abreise machen. Aber wie findet man nun die beste Police? Der Preis allein ist nicht entscheidend, sondern die Leistungen. Sehr gute Bedingungen zum günstigen Preis bieten zum Beispiel die Debeka und die Huk24 (siehe Tabelle). Wer ADAC-Mitglied ist, kann bei den gelben Engeln direkt eine Versicherung abschließen.

          Auf folgende Punkte sollte der Kunde dabei achten: Ganz wichtig ist die Frage, ob die Versicherung zahlt, wenn ein Patient mit dem Hubschrauber zurückgeflogen werden muss. Das sollte sie nicht nur dann tun, wenn es medizinisch notwendig ist, sondern auch, wenn es für den Kranken besser ist. Zum Beispiel weil er länger als zwei Wochen in einer Klinik im Ausland liegen müsste, wo er die Ärzte nicht versteht.

          Stirbt ein Urlauber gar, sollte die Versicherung die Kosten für den Transport des Sarges oder die Beerdigung im Ausland bis üblicherweise 10 000 Euro übernehmen.

          Aufpassen sollten chronisch Kranke oder Schwangere. Einige Anbieter weigern sich zu zahlen, wenn ein Krebskranker oder ein Diabetiker Urlaub macht und die Erkrankung "absehbar" war. Das Gleiche gilt bei Frühgeburten. Auf solche Klauseln sollte sich kein Kunde einlassen. Die Versicherung darf sich nur dann weigern, für Arztbehandlungen zu zahlen, wenn der Urlauber extra ins Ausland gefahren ist, um dort Hilfe in Anspruch zu nehmen. Für Goldzähne aus Osteuropa oder die künstliche Befruchtung in den Niederlanden muss der Versicherer nicht aufkommen. Das gilt auch für Brillen und Hörgeräte.

          Häufig streiten Kranke mit ihrer Versicherung um die Frage, wie lange ein Anbieter zahlt. Wird ein Urlauber am Ende einer sechswöchigen Neuseeland-Reise krank und muss dort in der Klinik bleiben, sollte die Versicherung auch über die Sechs-Wochen-Frist hinaus die Kosten übernehmen. Der Vertrag darf also keine vereinbarte Leistungsfrist enthalten.

          Gerade in unruhigen Zeiten ist auch die Klausel "Kriege und innere Unruhen" wichtig. Gerät ein Urlauber in einen Aufstand und wird verletzt, kann die Versicherung sich weigern zu zahlen. Das gilt vor allem dann, wenn das Auswärtige Amt vorher eine Reisewarnung für dieses Urlaubsland ausgesprochen hat. Auch wer jetzt nach Mexiko fliegt, wo die Schweinegrippe grassiert, vor der gewarnt wird, verliert den Versicherungsschutz.

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