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Kontowechsel : Tschüss, Deutsche Bank!

  • Aktualisiert am

Die Dispozinsen bei der Deutschen Bank sind im Vergleich zu anderen Banken recht hoch. Bild: dpa

Die Banken werben mit ihren günstigen Girokonten. Unsere Redakteurin Corinna Budras hat den Wechsel gewagt. Spaßig war das nicht.

          4 Min.

          Diese Trennung war überfällig. Schon mehr als 11 Jahre habe ich mein Girokonto bei der Deutschen Bank, und es sind nicht nur gute Jahre gewesen. Die Gebühren hoch, der Service nicht überragend. Und dann noch unsere große Krise vor drei Jahren, als mir mein Portemonnaie samt EC-Karte geklaut wurde. 2000 Euro gingen damals drauf, die Bank erstattete keinen Cent - mit Hinweis auf die geltende Rechtslage.

          Schon lange wollte ich wechseln, doch das Verfahren schien unendlich komplex: Wer zum Teufel lädt sich ohne Not so viel Aufwand auf, nur um sein Konto zu wechseln? Wenn etwas schiefgeht, kann das Ärger geben: Lastschriftaufträge, die nicht umgestellt werden, Mahnschreiben, Verzugszinsen, der ganze Schriftverkehr. Oder umgekehrt: Daueraufträge, die doppelt ausgeführt wurden. Auf das ganze Programm hatte ich eigentlich keine Lust, doch seitdem sich die anderen Banken mit ihren Angeboten überschlagen, gibt es keine guten Argumente mehr für meine Treue.

          Denn bisher musste ich 15 Euro im Quartal zahlen - eine Zumutung in Zeiten, wo Gebühren woanders oft gar nicht vorhanden sind. Auch die Visa-Karte kostet sage und schreibe 39 Euro im Jahr. Anderswo funktioniert es genau umgekehrt: Da gibt es 50 Euro Startguthaben.

          Kein eigener Kundenbetreuer bei Comdirect

          An einem breiten Netz mit kostenlos nutzbaren Bankautomaten wollte ich nicht rütteln, da hatte die Deutsche Bank als Mitglied der Cash Group einst Standards gesetzt, heute bieten das viele Institute. Auch kostenloses Abheben im Ausland - der Grund, der mich damals in die Arme der Deutschen Bank trieb - bieten inzwischen viele an. Ein bisschen niedrigere Dispozinsen als die 12 Prozent der Deutschen Bank wären auch schön. Den entscheidenden Ausschlag gab dann der Umzugsservice. Kaum einer bietet diesen so umfassend an wie die Comdirect, eine Tochtergesellschaft der Commerzbank. Diese versprochene Arbeitserleichterung ist ein echter Pluspunkt.

          Als Direktbank hat die Comdirect kein eigenes Filialnetz. In Kontakt kommt man mit ihr nur über Telefon, online oder die Post. Deshalb ist schon der Anfang meiner Beziehung zur Comdirect nüchterner als mit der Deutschen Bank. Damals wurde ich noch persönlich in der Filiale vorstellig und bekam gleich eine eigene Kundenbetreuerin, die zumindest in den ersten Jahren unserer Geschäftsbeziehung auch noch treu an meiner Seite stand. Nur in unserer größten Krise habe ich nie etwas von ihr gehört. Im Kontakt mit Comdirect ist dagegen das Internet mein erster Kundenberater. Das Formular auszufüllen dauert fünf Minuten.

          Damit gehe ich auch in eine Filiale - allerdings in die der Deutschen Post. Dort durchlaufe ich das Postident-Verfahren: Der Angestellte überprüft anhand meines Ausweises meine Identität, damit auch zweifelsfrei feststeht, wer das Konto eröffnet. Dann stürmt eine Briefwelle auf mich zu: Kundenkarte, Girokarte, Visa-Karte. Andere Schreiben enthalten die dazugehörigen Geheimnummern und Zugangsdaten für meinen Online-Zugang. So geht das ohne Unterlass.

          Kostenloser Komfort-Kontowechsel schont die Nerven

          Dann kommt endlich der Umzugsservice, der mich ja erst zu Comdirect getrieben hat. Man kann sich diesen Aufwand mit Hilfe von „Komfort-Kontowechsel“ noch so schönreden - am Ende muss jeder Posten einzeln geprüft werden. Im Laufe der Jahre habe ich ein halbes Dutzend Daueraufträge und immerhin knapp zwei Dutzend Lastschriftverfahren angehäuft. Mal wird monatlich abgebucht, dann vierteljährlich wie die Fernsehgebühren, der ADAC will nur einmal im Jahr Geld. Undenkbar, dass diese ganze Prozedur ohne Zwischenfälle abläuft.

          Erst versuche ich den Umzug auf eigene Faust. Immerhin bietet Comdirect auch hier mit dem Kontowechsel-Service Unterstützung an. Von vielen Institutionen hat sie die Adressen gespeichert, man muss „nur noch“ seine Kunden-, Referenz- oder Vertragsnummer heraussuchen, und schon ist der Brief zur Benachrichtigung automatisch hergestellt. Diese Prozedur kostet mich bei acht Posten eine halbe Stunde, bevor sich sang- und klanglos das Programm verabschiedet. Also alles auf Anfang.

          Entnervt entschließe ich mich nun doch dazu, den umfassenderen Service zu nutzen: den kostenlosen Komfort-Kontowechsel. Bisher konnte ich mich dazu nicht durchringen, weil man dazu die gesammelten Kontoauszüge der vergangenen zwölf Monate herausrücken muss. Darin soll ich anstreichen, welche Dauertransaktionen mit umgezogen werden sollen. Das ist nicht nur eine anstrengende, sondern auch delikate Prozedur. Schließlich lege ich mein ganzes Leben offen. Und was passiert mit den Daten? Alles sicher, behauptet der Herr vom Service kühn. Solange die Post nichts damit anstelle.

          Daueraufträge werden zweimal abgebucht

          Ich setze alle meine Hoffnungen auf das Post- und das Bankgeheimnis, streiche umständlich alle relevanten Transaktionen an und schicke das ganze Paket in Richtung Comdirect. Nur wenige Tage später kommt die Vollzugsmeldung: Alle Kontoauszüge sind wieder da, ergänzt durch eine stolze „Auflistung über erfolgte Änderungsmitteilungen bzgl. Ihrer Bankverbindung“: Eine ganze Latte von 18 Unternehmen wurde über den Kontowechsel informiert, die Daueraufträge neu eingerichtet. Fast zeitgleich trudeln die Erfolgsmeldungen von anderer Seite ein: Mein Handyanbieter und eine Reihe anderer Unternehmen versichern in ordentlichen Briefen, die Informationen erhalten zu haben und künftig zu berücksichtigen. Der Rhein-Main-Verbund legt dagegen Wert auf Individualität: Meine Kontoverbindung muss ich bitte schön schon selbst auf seiner Internetseite ändern. Die Stadt Frankfurt ruft irritiert an, weil der Brief der Comdirect in einer falschen Abteilung gelandet ist. Was solle man nun damit tun? Nur von der Deutschen Bank höre ich nichts: keine Bestätigung der Kündigung, kein Bedauern.

          Noch ernüchternder allerdings ist die Bilanz am Anfang des neuen Monats: Das Gehalt hat tatsächlich das neue Konto erreicht, dafür wurden alle Daueraufträge zweimal abgebucht, von der neuen und der alten Bank. Mein altes Konto rutscht durch all die Fehlbuchungen munter in die Miesen.

          Die Dame beim Konto-Umzugsservice ist freundlich-konsterniert ob dieser Doppelbuchungen und hält erst einmal Absprache mit der Fachabteilung. Am nächsten Tag kommt der entscheidende Rückruf. In der ganzen Flut von Formularen habe ich das entscheidende vergessen: dass mein gesamtes Konto auf die Comdirect übertragen werden soll. Nichts ist schneller ausgefüllt als das, so langsam wächst die Hoffnung, dass es zwischen uns beiden tatsächlich klappen könnte. Alles in allem war der Wechsel erwartet arbeitsaufwendig, das geht wohl nicht anders. Immerhin war der Service einwandfrei und das Verfahren erstaunlich schnell: Nach etwa zehn Tagen war das Konto eröffnet, nach weiteren knapp zwei Wochen die Daueraufträge umgestellt. Nun hoffe ich inständig, dass Comdirect nicht die Dispozinsen verdoppelt und eine monatliche Zwangsgebühr einführt. Denn so bald werde ich nicht noch einmal wechseln.

          Bild: F.A.Z.

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