https://www.faz.net/-gv6-7upam

Kontowechsel : Tschüss, Deutsche Bank!

  • Aktualisiert am

Die Dispozinsen bei der Deutschen Bank sind im Vergleich zu anderen Banken recht hoch. Bild: dpa

Die Banken werben mit ihren günstigen Girokonten. Unsere Redakteurin Corinna Budras hat den Wechsel gewagt. Spaßig war das nicht.

          4 Min.

          Diese Trennung war überfällig. Schon mehr als 11 Jahre habe ich mein Girokonto bei der Deutschen Bank, und es sind nicht nur gute Jahre gewesen. Die Gebühren hoch, der Service nicht überragend. Und dann noch unsere große Krise vor drei Jahren, als mir mein Portemonnaie samt EC-Karte geklaut wurde. 2000 Euro gingen damals drauf, die Bank erstattete keinen Cent - mit Hinweis auf die geltende Rechtslage.

          Schon lange wollte ich wechseln, doch das Verfahren schien unendlich komplex: Wer zum Teufel lädt sich ohne Not so viel Aufwand auf, nur um sein Konto zu wechseln? Wenn etwas schiefgeht, kann das Ärger geben: Lastschriftaufträge, die nicht umgestellt werden, Mahnschreiben, Verzugszinsen, der ganze Schriftverkehr. Oder umgekehrt: Daueraufträge, die doppelt ausgeführt wurden. Auf das ganze Programm hatte ich eigentlich keine Lust, doch seitdem sich die anderen Banken mit ihren Angeboten überschlagen, gibt es keine guten Argumente mehr für meine Treue.

          Denn bisher musste ich 15 Euro im Quartal zahlen - eine Zumutung in Zeiten, wo Gebühren woanders oft gar nicht vorhanden sind. Auch die Visa-Karte kostet sage und schreibe 39 Euro im Jahr. Anderswo funktioniert es genau umgekehrt: Da gibt es 50 Euro Startguthaben.

          Kein eigener Kundenbetreuer bei Comdirect

          An einem breiten Netz mit kostenlos nutzbaren Bankautomaten wollte ich nicht rütteln, da hatte die Deutsche Bank als Mitglied der Cash Group einst Standards gesetzt, heute bieten das viele Institute. Auch kostenloses Abheben im Ausland - der Grund, der mich damals in die Arme der Deutschen Bank trieb - bieten inzwischen viele an. Ein bisschen niedrigere Dispozinsen als die 12 Prozent der Deutschen Bank wären auch schön. Den entscheidenden Ausschlag gab dann der Umzugsservice. Kaum einer bietet diesen so umfassend an wie die Comdirect, eine Tochtergesellschaft der Commerzbank. Diese versprochene Arbeitserleichterung ist ein echter Pluspunkt.

          Als Direktbank hat die Comdirect kein eigenes Filialnetz. In Kontakt kommt man mit ihr nur über Telefon, online oder die Post. Deshalb ist schon der Anfang meiner Beziehung zur Comdirect nüchterner als mit der Deutschen Bank. Damals wurde ich noch persönlich in der Filiale vorstellig und bekam gleich eine eigene Kundenbetreuerin, die zumindest in den ersten Jahren unserer Geschäftsbeziehung auch noch treu an meiner Seite stand. Nur in unserer größten Krise habe ich nie etwas von ihr gehört. Im Kontakt mit Comdirect ist dagegen das Internet mein erster Kundenberater. Das Formular auszufüllen dauert fünf Minuten.

          Damit gehe ich auch in eine Filiale - allerdings in die der Deutschen Post. Dort durchlaufe ich das Postident-Verfahren: Der Angestellte überprüft anhand meines Ausweises meine Identität, damit auch zweifelsfrei feststeht, wer das Konto eröffnet. Dann stürmt eine Briefwelle auf mich zu: Kundenkarte, Girokarte, Visa-Karte. Andere Schreiben enthalten die dazugehörigen Geheimnummern und Zugangsdaten für meinen Online-Zugang. So geht das ohne Unterlass.

          Kostenloser Komfort-Kontowechsel schont die Nerven

          Dann kommt endlich der Umzugsservice, der mich ja erst zu Comdirect getrieben hat. Man kann sich diesen Aufwand mit Hilfe von „Komfort-Kontowechsel“ noch so schönreden - am Ende muss jeder Posten einzeln geprüft werden. Im Laufe der Jahre habe ich ein halbes Dutzend Daueraufträge und immerhin knapp zwei Dutzend Lastschriftverfahren angehäuft. Mal wird monatlich abgebucht, dann vierteljährlich wie die Fernsehgebühren, der ADAC will nur einmal im Jahr Geld. Undenkbar, dass diese ganze Prozedur ohne Zwischenfälle abläuft.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Abgeordnete Doktor Angela Merkel am 22. November 2005 in Berlin nach ihrer ersten Wahl zur Kanzlerin

          Feminismus im Kanzleramt : Angela Merkel und die Frauen

          Angela Merkel hat sich nie zur Feministin erklärt. Was sagt das über sie? Und was hat sich in den sechzehn Jahren ihrer Amtszeit für Frauen in Deutschland verändert?
          Der Sendekomplex des ZDF auf dem Mainzer Lerchenberg.

          Karlsruhe lässt Erhöhung zu : Rundfunk ohne Freiheit

          Föderalismus als Zwang zur Zustimmung: Die Länder können gar nicht anders, als immer weitere Erhöhungen des Rundfunkbeitrags zu bewilligen. Die meisten Abgeordneten und Regierungen sind damit zufrieden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.