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Joko Winterscheidt : Wie legen Sie Geld an, Herr Winterscheidt?

Herr Winterscheidt, wie haben Sie das gemacht? Der deutsche Moderator über seine Investitionen. Bild: Julia Zimmermann

TV-Moderator Joko Winterscheidt hat erst in Socken investiert und jetzt in Gin. Aber es gibt auch ein paar seriöse Projekte.

          5 Min.

          Herr Winterscheidt, wie sind Sie zum Unternehmer geworden?

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Das Unternehmerische ist schon immer in mir gewesen. Ich habe als Kind auf dem Flohmarkt meine Carrerabahn verkauft, weil ich neue Sachen haben wollte – und bin immer mit viel zu wenig Geld zurück nach Hause gekommen.

          Weil Sie schlecht verhandelt haben?

          Ich habe einfach immer den ersten Preis akzeptiert, der mir genannt wurde. Später habe ich versucht, meinen Vater davon zu überzeugen, dass ich eine Eisdiele aufmachen kann. Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen.

          Vielleicht besser so. Heute machen Sie als Teil des Duos Joko&Klaas vor allem ziemlich erfolgreich Quatsch auf dem Sender Pro Sieben. Hilft Ihnen das bei den Investments?

          Exakt. Viele mögen das Fernsehen verfluchen, aber für mich war es ein Segen. Irgendwann habe ich festgestellt, dass Leute auf mich zukommen, weil ich eine gewisse Aufmerksamkeit auf mich ziehe.

          Auf Twitter folgen Ihnen fast 1,5 Millionen Menschen, bei Facebook noch mehr.

          Ja, daraus entstand das erste Investment. Ein Freund, der bei dem Start-up GoButler mitgemacht hat, holte mich ins Boot. Ich habe gemerkt, wie viel Spaß das gemacht hat. Einfach in einem ganz anderen Feld als den Medien zu arbeiten. Das wollte ich öfter machen.

          Dieser SMS-Bestellservice GoButler hat 8 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt – sind Sie da auch richtig mit eingestiegen?

          Nein, da ist auch mir das Risiko zu hoch. Ich bin zu einer anderen Bewertung in das Unternehmen reingegangen, ich bekomme Anteile für Medien- und PR-Leistungen, „Media for Equity“ heißt das so schön in der Branche.

          Das bedeutet also Werbung gegen Firmenanteile. Sie haben auf allen Kanälen kräftig dafür geworben, ob in sozialen Medien oder im Fernsehen.

          Ja, aber ich finde es auch immer wichtig, dass man das nicht nur so macht, sondern sich zu einem niedrigen Prozentsatz auch finanziell beteiligt. Ich setze mich nicht einfach mal in eine Fernsehshow und das war es dann. Ich glaube an die Idee und verpflichte mich dann auch finanziell, um das zu untermauern. Aber man muss das, glaube ich, in einem Rahmen machen, in dem man nachts noch ruhig schlafen kann. Wenn im Fall von GoButler riesige Risikokapitalgeber aus Amerika kommen und da siebenstellige Beträge reinpumpen, bin ich leider raus. Ich würde jetzt nicht mein Erspartes zusammenkratzen, um zu sagen, ich hätte jetzt auch mal Bock, so eine richtig fette Runde mitzumachen, nur damit ich meine Position im Unternehmen verbessere. Das wäre genauso dumm, wie alles Geld von der Bank in Aktien zu stecken, und am nächsten Tag crasht die Börse.

          Das Risiko ist im Investment höher.

          Schon, das ist auf der anderen Seite aber auch eine wahnsinnige Chance. Und es macht total viel Spaß, selbst zu planen. Ich kann einer Bank sagen, wo ich mein Geld investieren will, aber ich kann nicht dafür sorgen, dass das gut läuft. Das machen andere. In dem Fall kann ich selbst mitgestalten. Auf der Bank werde ich auch nicht mehr bekommen. Und bei einer Krise kann das Geld da auch weg sein.

          Das kann GoButler auch passieren. Das Start-up hat sich komplett aus Deutschland zurückgezogen, ist nach Amerika gegangen und bietet nun eine Flugsuche an. Ist das Projekt gescheitert?

          Nein, wir fokussieren uns mit dem neuen Volltext-Service zunächst nur auf eine Sache, nämlich Flüge, und auf den englischsprachigen Markt, der viel größer ist als der deutsche. Wir schauen, ob das klappt. Aber es sieht gut aus und ist etwas Neues. Das ist spannend.

          Sie haben außerdem in ein Socken-Start-up investiert.

          Mit den beiden Gründern von „von Jungfeld“ habe ich mich an einem Nachmittag getroffen. Es gab viel Wein und ein sehr tolles Gespräch. Mit guten Leuten kann man gute Geschichten schreiben. Ich habe da eine Regel: Ich möchte nicht mit Arschlöchern zusammenarbeiten.

          Das kann in der Investmentwelt beizeiten schwierig werden. Kommt denn da noch etwas Neues?

          Die Auswahl ist klein, wenn man auf Arschlöcher verzichten will, aber ich habe zum Glück auch umtriebige Freunde. Mein Freund Pascal Hedrich hat vor einiger Zeit mit anderen Freunden einen Gin auf den Markt gebracht. Muscatel Gin. Unfassbar gutes Zeug. Da ich ein Riesen-Gin-Freund bin und Pascal einfach ein geiler Typ ist, bin ich da mit eingestiegen.

          Steckt da schon Ihr Geld drin?

          Jetzt wollen Sie Zahlen hören, richtig? Die sage ich aber nicht. Pascal und ich sind gute Freunde, und wir haben uns gerade deswegen lange Gedanken gemacht, wie ein Beteiligungsmodell aussehen könnte. Ich denke, wir haben ein Modell gefunden, das beide Seiten happy macht.

          Ihre zumeist jungen Fans sind vermutlich nicht die größten Gin-Trinker.

          Stimmt, aber das steht für mich im ersten Schritt nicht im Fokus. Es gibt erst einmal nichts Schöneres, als die Leidenschaft von Menschen zu unterstützen, die man mag.

          Sie sind also nicht so wie der Schauspieler Ashton Kutcher, der sein Risikokapital überall reinpackt?

          Der macht das in einer ganz anderen Dimension, er hat wohl ein Budget x pro Jahr, das er verplant. Für mich müssen immer erst die Perspektive und die Idee passen. Und die Leute dazu.

          Sie machen also hauptsächlich Geschäfte mit Leuten, die Ihnen sympathisch sind. Vertrauen kann täuschen – schon mal auf die Nase gefallen?

          Klar bin ich schon enttäuscht worden, habe Geld verliehen, das ich nie wiedergesehen habe. Aber man muss auch Sachen ausprobieren, und eine Herausforderung mit Leuten anzugehen, die man mag, macht viel mehr Spaß.

          Sie sind gut befreundet mit dem Schauspieler Matthias Schweighöfer. Gemeinsam haben Sie vor bald sieben Jahren das Modelabel „German Garment“ gegründet, Ihr erstes Startup. Das lief nicht so gut, oder?

          Das war zu einem Zeitpunkt, als keiner von uns wusste, was kommt. Matthias war noch nicht der erfolgreiche Schauspieler und Regisseur, der er heute ist. Und ich war bei MTV und hatte mal zwei Wochen gut zu tun und dann wieder vier Wochen gar nichts. Da dachten wir: Wir müssen etwas machen, um uns abzufedern. Allerdings hatten wir keine Ahnung von der Branche.

          Haben Sie viel Geld verloren?

          Sagen wir so: Heute würde ich das nicht mehr so machen, denn das hat wahnsinnig viel Geld gekostet, und wir haben bis heute nicht einen Cent damit verdient. Gerade holen wir zu einer Art finalem Paukenschlag aus, in der Hoffnung, dass es noch einmal was wird. Das war aber für uns extrem wichtig, dass wir da zusammengearbeitet haben.

          Warum?

          Ich weiß jetzt genau, wo ich Matthias packen muss. Und wir haben gelernt, zwischen Privatem und Beruflichem zu trennen. Wir haben auch die eine oder andere Krise durchlebt, weil es nicht immer funktioniert hat. Nur dadurch haben wir die Erfahrung gesammelt.

          Freunde, Filmemacher und auch Geschäftspartner: Joko Winterscheidt und Matthias Schweighöfer

          Warum ist das so wichtig?

          Weil wir gerade eine neue Firma gegründet haben, Creative Cosmos 15. Das ist eine Produktionsfirma und eine Werbeagentur in einem. Als Gesellschafter sind kluge Köpfe aus Matthias’ Umfeld dabei, Dan Maag und Marco Beckmann, von seiner Firma Pantaleon. Außerdem noch mein langer Weggefährte und Vermarktungsprofi Peter Olsson, der schon über viele Jahre hinweg die Vision von solch einer Firma hatte.

          Also kehren Sie zurück im bekannten Metier? Sie haben doch schon eine Produktionsfirma mit Ihrem Kollegen Klaas?

          Unsere Sendungen produzieren wir seit Jahren selbst und machen das auch weiter. Aber Matthias und ich reden schon seit Jahren über das, was wir jetzt mit Creative Cosmos machen. Es hat uns nie losgelassen, das zeigt, wie ernst uns das ist. Wir produzieren jetzt nicht nur, sondern bauen Werbekonzepte drum herum.

          In Ihrem letzten gemeinsamen Kinofilm „Der Nanny“ trinken Sie beide eigentlich ausschließlich Bier von einer einzigen Marke. Meinen Sie so was?

          Wir haben Partnerschaften und bieten dann ein Komplettpaket an. Das muss nicht nur der Teil eines Films oder einer Serie sein. Vielleicht sind wir dann nicht nur das Werbegesicht, sondern führen gleichzeitig auch Regie und entwerfen eine Online-Kampagne. Limits setzen eigentlich nur die Kunden.

          Teilen Sie sich die Geschäftsführung?

          Nein, das übernimmt Nicolas Paalzow, der ehemalige Sat1-Geschäftsführer, der auch zum Gesellschafterkreis gehört.

          Ein erfahrener Fernsehmann, der sich im Herbst zurückgezogen hat, weil Sat1 im Vorabendprogramm grandios gescheitert ist.

          Des einen Leid, des anderen Freud. Nein, ernsthaft: Wir kannten und mochten uns schon vorher und haben dann festgestellt, dass Nico – ohne von unserem Plan zu wissen – genau an so einem Konzept arbeitete. So sind wir zusammengekommen.

          Also wieder Freundschaftsbeziehungen. Ist Ihnen das nicht zu riskant?

          Natürlich ist das schwer, dadurch hat man eine ganz andere Verantwortung füreinander. Und Geld kann Freundschaften kaputtmachen. Wir haben in den letzten Jahren dazulernen dürfen, und wenn sich das alles im Vorfeld schwierig angefühlt hätte, dann würden wir das gar nicht durchziehen. Die Zeit ist einfach reif dafür. Wenn wir die Chance jetzt nicht nutzen, dann würde ich mich in 20 Jahren darüber ärgern. Wenn ich es nicht versuche, weiß ich nicht, wie es läuft. Das gilt für alle meine Geschäfte.

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