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Joko Winterscheidt : Wie legen Sie Geld an, Herr Winterscheidt?

Ihre zumeist jungen Fans sind vermutlich nicht die größten Gin-Trinker.

Stimmt, aber das steht für mich im ersten Schritt nicht im Fokus. Es gibt erst einmal nichts Schöneres, als die Leidenschaft von Menschen zu unterstützen, die man mag.

Sie sind also nicht so wie der Schauspieler Ashton Kutcher, der sein Risikokapital überall reinpackt?

Der macht das in einer ganz anderen Dimension, er hat wohl ein Budget x pro Jahr, das er verplant. Für mich müssen immer erst die Perspektive und die Idee passen. Und die Leute dazu.

Sie machen also hauptsächlich Geschäfte mit Leuten, die Ihnen sympathisch sind. Vertrauen kann täuschen – schon mal auf die Nase gefallen?

Klar bin ich schon enttäuscht worden, habe Geld verliehen, das ich nie wiedergesehen habe. Aber man muss auch Sachen ausprobieren, und eine Herausforderung mit Leuten anzugehen, die man mag, macht viel mehr Spaß.

Sie sind gut befreundet mit dem Schauspieler Matthias Schweighöfer. Gemeinsam haben Sie vor bald sieben Jahren das Modelabel „German Garment“ gegründet, Ihr erstes Startup. Das lief nicht so gut, oder?

Das war zu einem Zeitpunkt, als keiner von uns wusste, was kommt. Matthias war noch nicht der erfolgreiche Schauspieler und Regisseur, der er heute ist. Und ich war bei MTV und hatte mal zwei Wochen gut zu tun und dann wieder vier Wochen gar nichts. Da dachten wir: Wir müssen etwas machen, um uns abzufedern. Allerdings hatten wir keine Ahnung von der Branche.

Haben Sie viel Geld verloren?

Sagen wir so: Heute würde ich das nicht mehr so machen, denn das hat wahnsinnig viel Geld gekostet, und wir haben bis heute nicht einen Cent damit verdient. Gerade holen wir zu einer Art finalem Paukenschlag aus, in der Hoffnung, dass es noch einmal was wird. Das war aber für uns extrem wichtig, dass wir da zusammengearbeitet haben.

Warum?

Ich weiß jetzt genau, wo ich Matthias packen muss. Und wir haben gelernt, zwischen Privatem und Beruflichem zu trennen. Wir haben auch die eine oder andere Krise durchlebt, weil es nicht immer funktioniert hat. Nur dadurch haben wir die Erfahrung gesammelt.

Freunde, Filmemacher und auch Geschäftspartner: Joko Winterscheidt und Matthias Schweighöfer

Warum ist das so wichtig?

Weil wir gerade eine neue Firma gegründet haben, Creative Cosmos 15. Das ist eine Produktionsfirma und eine Werbeagentur in einem. Als Gesellschafter sind kluge Köpfe aus Matthias’ Umfeld dabei, Dan Maag und Marco Beckmann, von seiner Firma Pantaleon. Außerdem noch mein langer Weggefährte und Vermarktungsprofi Peter Olsson, der schon über viele Jahre hinweg die Vision von solch einer Firma hatte.

Also kehren Sie zurück im bekannten Metier? Sie haben doch schon eine Produktionsfirma mit Ihrem Kollegen Klaas?

Unsere Sendungen produzieren wir seit Jahren selbst und machen das auch weiter. Aber Matthias und ich reden schon seit Jahren über das, was wir jetzt mit Creative Cosmos machen. Es hat uns nie losgelassen, das zeigt, wie ernst uns das ist. Wir produzieren jetzt nicht nur, sondern bauen Werbekonzepte drum herum.

In Ihrem letzten gemeinsamen Kinofilm „Der Nanny“ trinken Sie beide eigentlich ausschließlich Bier von einer einzigen Marke. Meinen Sie so was?

Wir haben Partnerschaften und bieten dann ein Komplettpaket an. Das muss nicht nur der Teil eines Films oder einer Serie sein. Vielleicht sind wir dann nicht nur das Werbegesicht, sondern führen gleichzeitig auch Regie und entwerfen eine Online-Kampagne. Limits setzen eigentlich nur die Kunden.

Teilen Sie sich die Geschäftsführung?

Nein, das übernimmt Nicolas Paalzow, der ehemalige Sat1-Geschäftsführer, der auch zum Gesellschafterkreis gehört.

Ein erfahrener Fernsehmann, der sich im Herbst zurückgezogen hat, weil Sat1 im Vorabendprogramm grandios gescheitert ist.

Des einen Leid, des anderen Freud. Nein, ernsthaft: Wir kannten und mochten uns schon vorher und haben dann festgestellt, dass Nico – ohne von unserem Plan zu wissen – genau an so einem Konzept arbeitete. So sind wir zusammengekommen.

Also wieder Freundschaftsbeziehungen. Ist Ihnen das nicht zu riskant?

Natürlich ist das schwer, dadurch hat man eine ganz andere Verantwortung füreinander. Und Geld kann Freundschaften kaputtmachen. Wir haben in den letzten Jahren dazulernen dürfen, und wenn sich das alles im Vorfeld schwierig angefühlt hätte, dann würden wir das gar nicht durchziehen. Die Zeit ist einfach reif dafür. Wenn wir die Chance jetzt nicht nutzen, dann würde ich mich in 20 Jahren darüber ärgern. Wenn ich es nicht versuche, weiß ich nicht, wie es läuft. Das gilt für alle meine Geschäfte.

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