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Internet als Informationsquelle : Die Deutschen buchen am liebsten im Reisebüro

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Wenn es um den Urlaub geht, buchen die meisten Deutschen klassisch im Reisebüro Bild: dpa

Im Internet recherchieren, aber im Reisebüro buchen: Entgegen aller Unkenrufe bleiben die Planer im Büro um die Ecke für viele Urlauber ein wichtiger Ansprechpartner. Viele überfordert das Internet.

          Die Deutschen informieren sich im Netz, shoppen im Netz, doch wenn es um die schönsten Wochen des Jahres geht, setzen viele auf das klassische Reisebüro. Etwa 92 Prozent der Pauschalreisen werden nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes DRV immer noch in Reisebüros und auf deren Onlineseiten gebucht. „Je komplizierter die Wünsche sind, desto häufiger ist das Reisebüro gefragt“, sagt Martin Lohmann vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Kiel.

          Der Kunde kann schließlich ein direktes Gegenüber fragen und hat einen festen Ansprechpartner beispielsweise bei Reklamationen. „Manche recherchieren neun Stunden im Netz und buchen dann im Reisebüro“, ergänzt Tourismusforscher Edgar Kreilkamp von der Leuphana Universität Lüneburg. Viele seien durch die Fülle der Angebote im Internet überfordert. „Man bekommt alle Informationen, die man braucht, aber wenn ein Mitarbeiter aus dem Reisebüro zu einem bestimmten Hotel rät, gibt das vielen Urlaubern Sicherheit“.

          Eine Bahnfahrkarte, ein Flugticket oder einfach nur ein Hotel werden dagegen immer häufiger im Internet gebucht. Auch bei anderem Konsum geht es immer mehr nach dem Motto „Beratung im Laden, Kauf im Internet“. Mehr als 50 Prozent der Urlaube hierzulande sind Individualreisen. „Hier ist der Online-Anteil deutlich höher“, sagt Lohmann. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr nach Daten der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) 34 Prozent aller Urlaube von fünf Tagen und mehr im Reisebüro gebucht, 2005 waren es noch 44 Prozent, Internet-Portale kamen bereits auf 15 Prozent (2005:7 Prozent).

          Allerdings sind die Grenzen inzwischen und fließend. Die klassischen Reisebüros haben einen eigenen Online-Auftritt. Portale wie Expedia.de, die alles im Angebot haben, kooperieren mit den klassischen Reisebüros, bei Tui und Co können Sonnenhungrige online buchen. Deutschland zählt weiterhin zu den Ländern mit der höchsten Dichte an Reisebüros, auch wenn ihre Zahl deutlich gesunken ist. Rund 16.000 stationäre Vertriebsstellen gab es hierzulande einst, im vergangenen Jahr waren es noch 9986. „Das hat allerdings weniger etwas mit dem Buchungsverhalten der Urlauber zu tun. Grund ist vor allem der Konzentrationsprozess im Handel allgemein“, sagt Lohmann.

          „Deutschland hinkt noch hinterher“

          Der Umsatz der verbliebenen Reisebüros stieg im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 22,5 Milliarden Euro. „Bei erheblichen Preisvorteilen im Internet würden es vermutlich mehr Online-Buchungen“, sagt Lohmann. Pauschalreisen dürfen nach geltender Rechtslage jedoch nicht günstiger sein als im Reisebüro. Nach Angaben der Konsumforscher von der GfK wächst die Zahl der Online gebuchten Pauschalreisen dennoch stärker als der Markt insgesamt.

          „Im Vergleich zu Großbritannien oder Skandinavien hinkt Deutschland allerdings immer noch hinterher“, sagt Tourismusforscher Kreilkamp. Das liegt auch daran, dass es in Skandinavien nicht an jeder Ecke ein Reisebüro gibt. „In Großbritannien wiederum sind Urlaube von der „Stange“ sehr beliebt, die bequem im Netz gebucht werden können“. Hierzulande jedenfalls scheinen viele Urlauber immer noch die Unterstützung der Urlaubsplaner zu bevorzugen. „Ich gehe davon aus, dass das Reisebüro auch in Zukunft seine herausragende Stellung behalten wird“, sagt Lohmann.

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