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Inkassounternehmen : Geldeintreiber mit Gefühl

Geld her, bitte: Das Gemälde „Die Geldverleiher“ des flämischen Künstlers Marinus van Reymerswaele (1490–1567). Bild: Bridgeman

Inkassounternehmen geben sich neuerdings nett und hilfsbereit. Der Geldeintreiber als eine Art Freund und Finanzhelfer in der Not? Davon sollte sich niemand täuschen lassen.

          5 Min.

          Erst fegt die Flut Hab und Gut hinweg, und danach meldet sich auch noch ein Inkassovertreter, um fällige Schulden einzutreiben: Das wäre der Albtraum all jener, die seit Wochen unter den Folgen der Hochwasserkatastrophe in Teilen Deutschlands leiden. Aber keine Bange, so hartherzig sind die Geldeintreiber nicht. Im Gegenteil: Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) hat im Juli flugs 5000 Euro für die Flutopfer gespendet und seine Mitglieder aufgerufen, sich darüber hinaus hilfsbereit zu zeigen. Einige haben den Ruf erhört und ihre Mahnprozesse ausgesetzt, damit sich Menschen aus Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Sachsen, die vom Hochwasser geschädigt wurden und nebenbei säumige Zahler sind, nicht schlimmere existenzielle Sorgen machen müssen. Einige Inkassounternehmen dienen sich sogar Schuldnern an, sie mit zugeschnittenen Angeboten zu unterstützen. Der Geldeintreiber als eine Art Freund und Finanzhelfer in der Not? Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Passt aber genau in das Bild, das die deutsche Inkassobranche neuerdings von sich zeichnet.

          Unternehmen spielen mit ihrem schlechten Image

          Thomas Klemm
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Geldeintreiber, die im Auftrag von Unternehmen ausstehende Zahlungen kassieren sollen, wissen genau, welche Vorstellungen viele Menschen von ihnen haben. Wenn nicht aus eigener Erfahrung, dann aus Film und Fernsehen, wo finstere Gestalten unter Gewaltandrohung das geschuldete Geld samt horrender Zinsen verlangen. Mit dem Klischee des oft so genannten „Moskau-Inkasso“ spielen Verband und Unternehmen inzwischen. „Lederjacke? Baseballschläger?“, fragt beispielsweise der BDIU in seinem Verbraucherportal und gibt die erwartete Antwort: „Natürlich nicht!“

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