https://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/immer-weniger-versicherungsvermittler-in-deutschland-15852952.html

Der Nachwuchs fehlt : Immer weniger Versicherungsvermittler in Deutschland

In Deutschland gibt es immer weniger Versicherungsmakler. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Zahl der Versicherungsvermittler in Deutschland ist drastisch gesunken. Das hat auch mit dem Ansehen der Berufsgruppe bei den Verbrauchernn zu tun.

          2 Min.

          Inmitten einer intensiven Diskussion über die Umgestaltung der privaten Altersvorsorge verändert sich fast unbemerkt die Vertriebsstruktur in Deutschland radikal. Noch vor sieben Jahren waren hierzulande 263.000 Versicherungsvermittler registriert. Im Oktober waren bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer nur noch 204.000 Vermittler eingetragen. Vor allem gebundene Vermittler, die sogenannten Vertreter, die im Auftrag eines Versicherers Policen verkaufen, werden weniger. Manche retten sich ins Lager der unabhängigen Makler, die aus der vollen Breite des Marktes beraten. Ihre Zahl ist heute mit rund 47.000 sogar um 3000 höher als vor sieben Jahren.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die unabhängigen Makler als Sieger der Umwälzungen zu beschreiben träfe aber nicht zu. Auf der Maklermesse DKM in Dortmund, die an diesem Mittwoch beginnt, wird es in vielen Diskussionen auch darum gehen, wie sie angesichts einer immer umfassenderen Regulierung und des Wettbewerbs von Maklerpools und Großmaklerunternehmen bestehen können. Das Durchschnittsalter von Maklern liegt über 50 Jahren. Die Unternehmensnachfolge ist kompliziert.

          Nachwuchs zu rekrutieren ist schwierig. Gerade erst Ende August veröffentlichte der Deutsche Beamtenbund sein jährliches Berufsgruppen-Ranking. Versicherungsvertreter stehen auf dem letzten Platz. Gerade 10 Prozent der Bürger bringen ihnen Vertrauen entgegen. Nur Mitarbeiter von Werbeagenturen und Telefongesellschaften schneiden ähnlich schlecht ab,

          Bis zu 600 Maklerhäuser stellen sich jährlich zum Verkauf

          Während Vertreter im Lager des Anbieters stehen, vertritt der Makler die Interessen des Kunden. Aber so differenziert sehen es die wenigsten Schulabgänger. „Versicherungsvertreter ist einfach nicht der Wunschberuf der jungen Leute“, sagt Holger Mardfeldt, Mitgeschäftsführer des Lübecker Maklerunternehmens Martens & Prahl. Drei Strategien, um damit umzugehen, beobachtet er: Abwarten bis zur Rente und dann auf einen Verkauf der Versichertenbestände hoffen, ein dynastisches Denken mit Förderung jüngerer Familienmitglieder oder den Anschluss an einen Dienstleister wie einen Maklerpool mit der Option, den Bestand zu übertragen.

          Rund 500 bis 600 Maklerhäuser stellen sich jährlich zum Verkauf. „Viele arbeiten noch mit Excel, die Bestandsführungssysteme sind veraltet. Das verbilligt den Wert“, sagt Simon Nörtershauser, Geschäftsführer des digitalen Frankfurter Maklerhauses Policen Direkt, das zuletzt zwei Maklerhäuser mit je 15 Mitarbeitern aufgekauft hat. „Am wichtigsten sind eine einheitliche Software, Vergleichsrechner, eine gute Telefonberatung mit qualifizierten Mitarbeitern“, sagt er. Makler mit weniger als 150 000 Euro Provisionserlös im Jahr fänden schwer Nachfolger. Mit einem digitalen Maklerkauf-Portal will Policen Direkt verkaufswilligen Maklern das Geschäft erleichtern.

          Auf vielen Ebenen gibt es Initiativen für qualitativ hochwertigen Maklernachwuchs. Die Betriebsberatungs GmbH aus Bayreuth, die jedes Jahr die Maklermesse ausrichtet, vergibt in diesem Jahr zum achten Mal einen Jungmakler-Award. 14 Nachwuchskräfte aus ganz Deutschland haben sich für das Finale qualifiziert. 10 000 Euro winken dem Sieger. „In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt: Es gewinnen spezialisierte Makler“, sagt Holger Mardfeldt, der auch im Vorstand des Maklerverbands BDVM sitzt. „Sie unterliegen weniger den Marktkräften und sind weniger austauschbar. Der Kunde ist bereit, für sie zu zahlen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Betrügerisch und böse: Leonardo DiCaprios Filmfigur in „The Wolf of Wall Street“ basiert auf dem echten Börsenmakler Jordan Belfort.

          Geschlechtergerechtigkeit : Männer kosten ein Vermögen

          Wie Männer sich verhalten, ist für die Gesellschaft irre teuer. Ein Männerberater beziffert die volkswirtschaftlichen Kosten typisch männlicher Verhaltensweisen auf über 63 Milliarden Euro im Jahr. Trotzdem sind Männer auch für etwas gut.

          Wertewandel in unsicherer Zeit : Was ist euch jetzt wichtig?

          Die großen Krisen hinterlassen Spuren und verändern Einstellungen. Wir haben Menschen aus unterschiedlichsten Lebensbereichen gefragt, worauf es ihnen heute ankommt – bei sich selbst und anderen.
          Der Schauspieler William Cohn

          William Cohn gestorben : Der Mann mit der unvergesslichen Stimme

          Er war die Stimme von Jan Böhmermanns Sendung „Neo Magazin Royal“ und im deutschen Fernsehen eine Kulturfigur. Jetzt ist der Schauspieler, Synchronsprecher und Autor William Cohn im Alter von 65 Jahren gestorben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.