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Digitale Verwaltung : Warburg lockt kleine Vermögen

Der Hauptsitz des Bankhauses M.M.Warburg in Hamburg. Die Bank öffnet ihre Pforten nun auch für kleinere Vermögen. Bild: obs

Die Privatbank Warburg steigt mit dem „Warburg Navigator“ in die digitale Vermögensverwaltung ein. Das Produkt entstand in Zusammenarbeit mit einem Fintech. Davon profitieren beide Seiten.

          Für Privatbanken sind Angebote für den durchschnittlichen Sparer selten interessant. Sie widmen sich der wohlhabenden Klientel. Doch nun zielt das Bankhaus M.M. Warburg auch auf kleinere Vermögen. Das ist für die Hamburger ein Betrag von 20.000 Euro an aufwärts. Ab dieser Schwelle können künftig Anleger auf die Kapitalmarktexpertise der Privatbank zurückgreifen. Denn Warburg steigt mit seinem neuen Angebot „Warburg Navigator“ in die digitale Vermögensverwaltung ein.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei will sich die Bank von der Konkurrenz abheben, indem die auf Algorithmen und der individuellen Risikoneigung basierenden Grundmodelle mit der Marktmeinung der Vermögensverwalter kombiniert werden. „Unsere Marktmeinung und unser Anlagewissen wird auch unsere digitale Vermögensverwaltung beeinflussen“, sagte Christian Jasperneite, Chef-Anlagestratege von M.M. Warburg, im Gespräch mit dieser Zeitung. Die meisten digitalen Produkte funktionieren nach seinen Worten bislang prognosefrei. „Das wollen wir ändern und beide Welten zusammenbringen.“

          Zusammenarbeit mit Elinvar

          Dahinter steht auch die Ansicht, nicht alles den Computern überlassen zu wollen. Denn die Algorithmen schreiben die Gegenwart für die Zukunft fort, aber an der Börse werden Erwartungen gehandelt. Deshalb kommt es darauf an, sich mit eigenen Prognosen zu positionieren. Der Chef der Bank, Joachim Olearius, will mit dem digitalen Navigator dem Wunsch der Kunden nach einem einfachen und bequemen Zugang zu ihrem Vermögensverwalter entsprechen. Nun könnten auch Volumengrößen einbezogen werden, die bislang nicht sinnvoll hätten abgebildet werden können. Gleichzeitig legten die Kunden Wert auf einen Partner, der über unterschiedliche Marktzyklen hinweg bewiesen habe, dass er Vermögen erhalten und mehren könne, so Olearius.

          Das Produkt hat Warburg zusammen mit dem Berliner Finanztechnologieunternehmen Elinvar entwickelt. Dessen Vorstandschef Chris Bartz hält es für wichtig, dass die Kunden nun die Anlageexpertise von Warburg direkt kaufen könnten. Der Begriff „Robo Adviser“, der sich für Konkurrenten in Anlehnung an die englischen Wörter für Roboter und Beratung durchgesetzt hat, greift nach den Worten von Jasperneite für den Warburg Navigator zu kurz: „Wir verlassen uns nicht nur auf die Algorithmen, sondern bringen auch unsere Expertise in die Portfoliosteuerung ein.“

          Etablierte Anbieter in besserer Position

          Die Gebühr, die alles beinhaltet, beträgt 1,2 Prozent. „Wir verstehen unser Angebot als qualitativ führend auf dem Gebiet der digitalen Vermögensverwaltung. Deshalb halten wir einen höheren Preis im Vergleich zu den bisherigen rein regelbasierten Robo-Advice-Angeboten für gerechtfertigt“, sagt Jan Kühne, der die Digitalisierungsstrategie bei Warburg verantwortet. Der digitale Vermögensverwalter Scalable Capital verlangt 0,75 Prozent. Hinzu kommen im Durchschnitt 0,25 Prozent Verwaltungsgebühren, die von den Anbietern der börsennotierten Indexfonds (Exchange Traded Funds; ETF) erhoben werden. Kühne verweist darauf, dass fondsbasierte Vermögensverwaltungen teilweise deutlich teurer sind.

          Auf ETF-Produkte, die gegenüber klassischen, aktiv gesteuerten Fonds deutlich günstiger sind, wird auch der Warburg Navigator zurückgreifen. Sie bilden Indizes wie zum Beispiel den Dax ab und gelten deshalb als passive Produkte. „Wir mögen im Prinzip ETFs, da sie eine transparente und kostengünstige Möglichkeit bieten, Märkte abzubilden“, sagt Jasperneite. Es gebe aber Märkte, die vergleichsweise ineffizient seien, weshalb ein aktives Management und damit die Auswahl aktiver Fonds sinnvoll sein könnten. So bestehe eine gute Chance auf eine Outperformance, sagt Jasperneite. Dazu können zum Beispiel Schwellenländer oder Anleihen zählen. Für große Aktienindizes können ETF-Produkte vorteilhaft sein, weil kein Fondsmanager dauerhaft den Markt schlagen dürfte.

          Bartz, der aus der Fintech-Szene stammt, hält die Zusammenarbeit mit einem Traditionshaus wie M.M. Warburg für entscheidend: „Im amerikanischen Markt hat sich gezeigt, dass die etablierten Anbieter aus dem Bereich Banken und Vermögensverwaltung im Vergleich zu den neuen Wettbewerbern aus der Fintech-Szene in einer besseren Position sind.“ Der Kunde schätze dies, weil er so die Fähigkeiten des etablierten Anbieters mit neuen Technologien verknüpfen kann. Ein Beispiel für seine These ist der Vergleich zwischen dem amerikanischen Fintech Betterment und der Fondsgesellschaft Vanguard. Beide bieten Anlageroboter an. Vanguard hat darüber seit dem Jahr 2015 Vermögen von mehr als 80 Milliarden Dollar angelockt, während Betterment 10 Milliarden Dollar verwaltet.

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