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Interview : Was hat die Deutsche Bank mit den Privatkunden vor?

  • -Aktualisiert am

„Zusammen werden wir die Nummer ein“: Die Deutsche-Bank-Vorstände Christian Sewing (links) und Frank Strauß Bild: Rainer Wohlfahrt

Deutsche Bank und Postbank – das ist eine Geschichte der Irrungen und Wirrungen. Jetzt wird alles eins. Und die Chefs Christian Sewing und Frank Strauß reden erstmals gemeinsam.

          6 Min.

          Herr Sewing, Herr Strauß, wer von Ihnen ist künftig der Mann für die Privatkunden in der Deutschen Bank?

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sewing: Wir beide. Wir arbeiten in den sechs Monaten, die wir nun die Integration der Postbank vorantreiben, absolut partnerschaftlich zusammen.

          Strauß: Wäre es anders gewesen, könnten wir heute wahrscheinlich nicht mit Ihnen sprechen.

          Schöner wäre es gewesen, die Postbank an die Börse zu bringen wie ursprünglich geplant, dann genössen Sie jetzt alle Freiheiten, Herr Strauß.

          Strauß: Die Deutsche Bank, der Eigentümer, hat im März entschieden, die Postbank zu behalten. Und das aus guten Gründen. Mit dem jetzt gemeinsam entwickelten Konzept kann die Postbank ihre Stärken voll einbringen.

          Der Schlachtruf heißt jetzt: „Eine Bank, zwei Marken“. Warum braucht es zwei Marken?

          Strauß: Weil die Kunden sich bewusst für diese zwei komplementären Marken entschieden haben, 7 Millionen für die Deutsche Bank, 13 Millionen für die Postbank. Außerdem sprechen wir zwei sehr unterschiedliche Kundenbedürfnisse an. Die Deutsche Bank konzentriert sich auf das beratungsintensive Geschäft, hier wollen wir der Risikomanager unserer Kunden sein. Die Postbank ist die Bank für das tägliche Geschäft, gut erreichbar, mit einem hohen Anteil an Online-Konten.

          Sewing: Und zusammen haben wir den Anspruch, die führende Bank in Deutschland zu sein. Und das schaffen wir auch! Für die Deutsche Bank ist – bei aller Internationalität – eines klar: Wir müssen die Nummer eins auf dem Heimatmarkt sein.

          Haargenau so klang es schon vor Jahren, beim ersten Anlauf mit der Postbank, der krachend gescheitert ist.

          Sewing: Das mag so sein.

          Was macht Sie dann so zuversichtlich, dass es jetzt besser klappt?

          Sewing: Nicht alles, was beim letzten Mal gelaufen ist, war schlecht. Punkt eins. Punkt zwei: Beide Banken haben in der Zwischenzeit Gewaltiges geleistet, das macht einen Unterschied. Und das Wichtigste: Die Banken werden nicht mehr nebeneinander her laufen, wir werden eine Bank: ein Management, eine Verantwortung – zwei Marken.

          Wobei die Postbank die Kunden zweiter Klasse bedient?

          Strauß: Absolut nicht. Wir haben 13 Millionen erstklassige Kunden! Beide Marken haben in den beiden vergangenen Jahren nochmals ihr Profil geschärft.

          Wie viele Arbeitsplätze wird der Zusammenschluss kosten? Jede dritte Stelle sei gefährdet, sagen die düstersten Prognosen.

          Sewing: Glauben Sie nicht allen Zahlen. Richtig ist: Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass es einen Stellenabbau gibt, das haben wir von Anfang an so gesagt. Es wäre aber der falsche Zeitpunkt, jetzt schon über konkrete Zahlen zu reden.

          Warum? Sie wissen doch, wie viel Sie sparen müssen, damit die Sache profitabel ausgeht.

          Sewing: Dazu haben wir einen detaillierten Plan, richtig, wir werden ab 2022 jährlich 900 Millionen Euro Kosten einsparen. Was das konkret für die Beschäftigung bedeutet, werden wir aber zunächst mit dem Betriebsrat besprechen.

          Strauß: Unser Eckpunktepapier mit den Gewerkschaften sieht jedenfalls auch unser Bekenntnis zum sozialverträglichen Stellenabbau und die Möglichkeit für die zügige Umsetzung der von uns geplanten Veränderung vor.

          Wie teuer wird das Abfindungsprogramm?

          Sewing: Alles in allem wollen wir für die Integration 1,9 Milliarden Euro ausgeben. Darin sind Abfindungen, aber insbesondere Investitionen für die zukünftige Aufstellung enthalten.

          Werden Sie den Standort Bonn, bisher Postbank-Zentrale, erhalten?

          Strauß: Ja. Es gilt das Prinzip: eine Bank, eine Zentrale, aber zwei Standorte, Frankfurt und Bonn. Das ist konzeptionell richtig und auch ökonomisch viel sinnvoller, als den Mitarbeitern Umzüge zuzumuten oder Mitarbeiter an einem anderen Ort neu einzustellen.

          Wie passt es zu Ihrem Wachstumsziel, dass die Deutsche Bank gerade fast ein Drittel der Filialen geschlossen hat?

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