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Geldfragen in der Partnerschaft : Die Liebe und das liebe Geld

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Wer zahlt? Bild: Colourbox

Schon beim ersten Date geht es los: Wer zahlt? Die falsche Entscheidung kann die ganze Sache vermasseln.

          Manche Romanze ist bereits vorbei, bevor sie richtig angefangen hat, die von Annika und Bernd zum Beispiel. Beide lernten sich auf einer Party kennen und verabredeten sich Tage später in einer Cocktailbar. Sie unterhielten sich stundenlang, lachten viel, doch am Ende leistete sich Bernd das Ungeheuerliche, findet jedenfalls Yvonne. Als der Kellner mit der Rechnung kam, sagte Bernd: „Ich zahle.“ Er fragte nicht einmal, ob er sie einladen dürfe. Er legte einfach den Schein auf den Tisch und ging über ihren Einwand, sie wolle sich an der Rechnung beteiligen, gönnerhaft hinweg. Es gibt nur eines, was noch schlimmer gewesen wäre, sagt die Juristin über den Unternehmensberater: „Wenn er danach gefragt hätte: zu mir oder zu dir?“ Genau so jedenfalls fühlte Annika sich – käuflich und nicht ernst genommen.

          Wahrscheinlich würden viele Männer sagen, Annika solle sich nicht so anstellen. Da sei einer endlich mal Kavalier und sie zicke herum. Tatsächlich finden viele Männer es normal, eine Frau beim ersten Kneipen- oder Restaurantbesuch einzuladen. Fast jeder zweite Deutsche bekennt in Umfragen: Der Mann zahle, das sei doch klar. Aber nur jede dritte Frau mag das. Die Mehrheit des weiblichen Geschlechts antwortet, sie würde die Rechnung beim ersten Date lieber teilen oder selbst bezahlen. Zwar entlarvte eine amerikanische Studie: Ganz unsexy finden die Damen einen zahlenden Kavalier nicht. So böte die Hälfte der Frauen zwar an, sich an den Kosten des Abends zu beteiligen, doch 39 Prozent wünschten sich insgeheim, dass die Männer dies ablehnten. Aber: Es gibt kleine, aber feine Unterschiede zwischen dem Bezahlen beim Date und dem Einladen, wissen Soziologen und Psychologen, und den kennen allzu viele anscheinend nicht.

          Welchen Geldstil hat der andere?

          Im Grunde kommt es darauf an, ob ein Mann einer Frau signalisiert: Ich würde dich gern einladen, du kannst dich dafür ja später revanchieren – oder ob er wie selbstverständlich zahlt. Mit Letzteren nämlich entlarven sich Kandidaten umgehend „als sehr konservative Männer, die gar nicht erst zulassen, dass eine Frau ihr Essen selbst zahlt“, erklärt Paartherapeutin Karin Kutz: „Wenn die auf eine moderne Frau treffen und beide schon beim ersten Date über die Bezahlung streiten, kann man sagen: Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit nichts.“ Genau das ahnte auch Annika. Cleverer - zumindest für das Treffen mit selbständigen Frauen - ist daher die Taktik: Beide zahlen getrennt. „Damit geht keiner von beiden eine Verpflichtung ein“, sagt Kutz, „und eine Frau kann gleich gucken, wie der Mann damit umgeht.“

          Vielleicht vertagen beide damit aber nur das Problem. Denn beim ersten Treffen eine problemlose Bezahlmodalität zu finden heißt noch lange nicht, dass hier zwei zueinander passen – in Gelddingen. Dafür ist langfristig entscheidend, wer von beiden wie viel verdient, ob sie ein Gefälle beim Einkommen anderweitig ausgleichen können und wie jeder von ihnen den Umgang mit Geld in der Familie gelernt hat. Nichts prägt nämlich unsere Beziehung zum Geld so sehr wie das Elternhaus, haben Psychologen herausgefunden. Und wenn sich zwei zusammentun, dann sollten sie zumindest verstehen, welchen „Geldstil“ der andere hat, so nennt es Rolf Haubl, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Frankfurt. Der Geldstil verrät viel über unsere Persönlichkeit und erklärt, warum wir so und nicht anders mit Geld umgehen.

          So klischeebehaftet es klingt, vereinfacht gilt: Eine Frau, die in einem Elternhaus aufgewachsen ist, in dem ein Großverdiener seine Familie nach allen Regeln der Kunst verwöhnt hat, wird eher einen gönnerhaften Mann mögen und einen Rechnungsteiler eher als knauserigen Erbsenzähler sehen. Kommt sie dagegen aus einem sparsamen Haushalt mit einer Mutter, die selbständig die Familienfinanzen managte, und verdient sie ihr eigenes Geld, dann ist ein Gönnertyp ein Angriff auf ihre Souveränität. Grundsätzlich, sagt Haubl, verbinden beide Geschlechter ganz unterschiedliche Dinge mit dem Geld: Für Männer ist es ein Zeichen von Erfolg und Macht, das sie gern herzeigen. Für Frauen dagegen bedeutet es Sicherheit und Selbstständigkeit, die sie nicht gern abgeben.

          Beim Einkommen gibt es ein großes Gefälle

          Spätestens wenn man das weiß, wird klar: Wenn Männer und Frauen zu Paaren werden, streiten sie sich früher oder später übers Geld. Angeblich passiert das nicht so häufig, wie man denkt. Zumindest behauptete in einer Studie der Postbank nicht einmal jedes dritte Paar, Geld sei bei ihm ein Konfliktauslöser. Das aber wundert Psychologen nicht: Statistisch gesehen reden deutsche Paare am Tag nur eine Stunde miteinander, und da geht es dann nicht ausgerechnet ums Geld. „Alltagsfinanzen sind auch nicht unbedingt der Punkt, an dem sich ein Streit entzündet“, sagt Karin Kutz.

          Trotzdem erlebt die Therapeutin immer wieder Paare, für die Geldfragen ein Problem sind, und auch Bianca Lechner hat als Finanzcoach alle Hände voll mit der Paarberatung zu tun: „Die Ziele sind oft zu unterschiedlich: Wenn einer lieber das Haus abbezahlen will, der andere aber den teuren Urlaub bucht, dann wird es kritisch.“ Am häufigsten kracht es bei mittelgroßen Anschaffungen: Wenn sie sich die dritte Handtasche im Monat kauft oder er schon wieder einen neuen Fernseher anschleppt und dann kein Geld mehr für den Restaurantbesuch da ist. „Solche Fälle sind einfach zu lösen“, findet Therapeutin Kutz, „indem jeder von beiden monatlich einen Geldbetrag frei zur Verfügung hat, über den er keine Rechenschaft ablegen muss.“ Ob das nun 100 oder 300 Euro sind, hängt ganz vom Einkommen ab - doch genau da fängt das Problem bei vielen Paaren an.

          Denn bei aller Selbständigkeit und Erwerbstätigkeit: Gerade beim Einkommen gibt es in Partnerschaften ein großes Gefälle. Bundesdeutsche Wirklichkeit ist immer noch, dass knapp die Hälfte aller verpartnerten Frauen finanziell von ihren Männern abhängig ist. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung belegt: Bei jedem fünften Paar ist der Mann der Alleinverdiener, bei 44 Prozent verdient die Frau mit, aber wenig. Dass beide Partner gleich viel verdienen, kommt nur in jeder vierten Beziehung vor, und nur in jeder zehnten verdient sie mehr als er. Je größer der Unterschied zwischen beiden Gehältern und je höher das Gesamteinkommen, desto größer ist das Konfliktpotential.

          Über den Hauskauf entscheidet der Mann

          „Meist glaubt derjenige, der das meiste Geld verdient, er dürfe auch über die Verwendung entscheiden“, sagt Finanzcoach Bianca Lechner. Studien der Soziologin Yvonne Lott vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut WSI der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung bestätigen das: Geld ist eine Machtfrage, „wer mehr Geld mitbringt, hat die Finanzmacht in einer Beziehung“, stellt sie fest. Sie weiß aus Befragungen auch: Männer haben viel größere Probleme damit, Finanzmacht abzugeben.

          Bei alltäglichen Ausgaben fällt ihnen das nicht so schwer: Je fester das Paar gebunden und je größer das Einkommensgefälle ist, desto eher bündeln die Partner ihr Geld auf einem Konto. Das verwaltet meist die Frau und bestreitet davon die Ausgaben für Haushalt und Kinder. „Doch auch wenn Paare ihr Einkommen zusammen managen, haben Frauen Machtnachteile auf höherer Entscheidungsebene“, hat Lott herausgefunden, über den Hauskauf oder den teuren Urlaub entscheidet nach wie vor der Mann. Und: Je höher das Gesamteinkommen der Familie ist, desto seltener hat die Frau das Sagen. Ist dagegen sie die Hauptverdienerin, wird es oft problematisch, weil Männer am Einkommen stärker ihren Status festmachen und ihre finanzielle Unterlegenheit als Wertverlust sehen.

          Frauen dagegen reagieren stärker auf die Frage: Wie weit kooperiert der Partner in der Beziehung? Oft kommen sie gut damit klar, dass sie viel weniger verdienen. Doch wenn der Partner sein hohes Gehalt als Ausrede nutzt, auch bei Hausarbeit, Kinderbetreuung und Freizeitgestaltung weniger Kraft zu investieren, vermisst sie die nötige Wertschätzung. Bei Streits geht es dann vordergründig ums Geld, in Wahrheit aber um Arbeitsteilung und Anerkennung in der Beziehung, warnen Psychologen. Und davor sind auch Doppelverdiener nicht gefeit.

          Das Drei-Konten-Modell

          Der Knackpunkt ist oft die Frage, ob hier zwei gleichgeartete Menschen miteinander leben, oder ob sich ein Kollektivist mit einem Individualisten gepaart hat, so fasst es Soziologin Jutta Allmendinger zusammen, heute Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung: Kollektivisten geben Geld aus, um sich ein Nest zu bauen, gemeinsam wegzufahren oder sich mit Wellness und Dreigänge-Menü zu verwöhnen. Mit der Einstellung überbrücken sie auch große Einkommensunterschiede gut. Auch zwei Individualisten profitieren, indem sie sich von ihrem Geld eigene Freiräume erkaufen, Hobbys pflegen oder mit Freunden in den Urlaub fahren. Aber wehe, es trifft ein Individualist auf einen Kollektivisten, dann kracht’s.

          „Eine der konfliktträchtigsten Koordinationsaufgaben, die sich dem Paar stellen, betrifft die Verteilung des Haushaltseinkommens“, ist das Fazit von Rolf Haubl. Wie also sollte die aussehen? Das einfachste Modell ist das gemeinsame Konto, das aber nur wirklich funktioniert, wenn zwei Kollektivisten aufeinandertreffen, die alles teilen wollen. Individualisten geraten damit eher unter ständigen Rechtfertigungsdruck. Weshalb Finanzexpertin Helma Sick zum Drei-Konten-Modell rät: Beide schmeißen ihre Gehälter zuerst zusammen. Auf ein Konto zahlen sie ein, was monatlich für Miete, Auto, Kinder, Freizeit und Urlaub nötig ist. Vom Rest finanzieren sie getrennt ihre Altersvorsorge, und was danach übrig bleibt, landet auf den beiden persönlichen Konten, über die jeder frei verfügen kann. Wenn es dann noch Streit gibt, sagt Karin Kutz, „hilft reden, aber Paare sollten sich klarmachen: Beziehungen scheitern nicht am Geld - wohl aber daran, dass beide zu verschiedene Lebenseinstellungen haben.“

          Wie Paare am besten mit Geld umgehen

          1. Anfangs bei getrennten Kassen bleiben. Solange ein Paar nicht zusammengezogen oder verheiratet ist, behalten beide am besten ihr Konto. Davon bestreitet jeder seine Ausgaben. Im Restaurant lädt man sich wechselweise ein, der Urlaub wird gemeinsam bezahlt. Dabei sollte sich der Besserverdiener an den Wenigverdiener anpassen, so bleibt keiner dem anderen etwas schuldig. Wird ein Partner dauerhaft vom anderen „ausgehalten“, seilt er sich oft aus der Beziehung ab, weil er das Gefühl hat, weniger wert zu sein.

          2. Später ein gemeinsames Konto eröffnen. Ein Konto, auf das beide einen Teil ihres Gehalts überweisen, erleichtert das Bestreiten alltäglicher Ausgaben. Ein „Und-Konto“, über das beide nur gemeinsam verfügen können und bei dem sie jede Überweisung zu zweit autorisieren müssen, ist eher unpraktisch. Beim „Oder-Konto“ hat jeder getrennt Zugriff und eine EC-Karte. Problematisch wird es, wenn einer das Konto überzieht oder sich beide trennen.

          3. Das Alter nicht vergessen. Jeder sollte seine eigene Altersvorsorge haben. Ist der Einkommensunterschied groß, sollten beide ihr Gehalt zusammenwerfen und davon zu gleichen Teilen für die Rente sparen. Steigt die Frau für die Kinder aus dem Beruf aus, zahlt der Mann in ihren Vertrag ein.

          4. Versicherungen neu ordnen. Viele Versicherungen wie Haftpflicht und Hausrat bieten Partner- und Familientarife. Ein Partner sollte also seine Police kündigen.

          5. Vorsicht bei Krediten und Schulden. Jeder haftet für seine Schulden, aber bei Ehen gilt die gemeinsame Zahlungsverpflichtung: Kosten für Strom, Telefon oder Auto können Anbieter notfalls von beiden Eheleuten einfordern, auch wenn einer nichts verdient. Vorsicht auch bei selbstschuldnerischen Bürgschaften, die Frauen oft bei Autoleasing und Krediten ahnungslos mitunterzeichnen! Verweigert der Partner trotz Verdienst die Zahlung, belangen die Kreditgeber den Mitunterzeichner, unabhängig von dessen Einkommen. Bei einer Ausfallbürgschaft muss dagegen erst geprüft werden, wer von beiden überhaupt zahlungsfähig ist.

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