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Geldfragen in der Partnerschaft : Die Liebe und das liebe Geld

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Bei alltäglichen Ausgaben fällt ihnen das nicht so schwer: Je fester das Paar gebunden und je größer das Einkommensgefälle ist, desto eher bündeln die Partner ihr Geld auf einem Konto. Das verwaltet meist die Frau und bestreitet davon die Ausgaben für Haushalt und Kinder. „Doch auch wenn Paare ihr Einkommen zusammen managen, haben Frauen Machtnachteile auf höherer Entscheidungsebene“, hat Lott herausgefunden, über den Hauskauf oder den teuren Urlaub entscheidet nach wie vor der Mann. Und: Je höher das Gesamteinkommen der Familie ist, desto seltener hat die Frau das Sagen. Ist dagegen sie die Hauptverdienerin, wird es oft problematisch, weil Männer am Einkommen stärker ihren Status festmachen und ihre finanzielle Unterlegenheit als Wertverlust sehen.

Frauen dagegen reagieren stärker auf die Frage: Wie weit kooperiert der Partner in der Beziehung? Oft kommen sie gut damit klar, dass sie viel weniger verdienen. Doch wenn der Partner sein hohes Gehalt als Ausrede nutzt, auch bei Hausarbeit, Kinderbetreuung und Freizeitgestaltung weniger Kraft zu investieren, vermisst sie die nötige Wertschätzung. Bei Streits geht es dann vordergründig ums Geld, in Wahrheit aber um Arbeitsteilung und Anerkennung in der Beziehung, warnen Psychologen. Und davor sind auch Doppelverdiener nicht gefeit.

Das Drei-Konten-Modell

Der Knackpunkt ist oft die Frage, ob hier zwei gleichgeartete Menschen miteinander leben, oder ob sich ein Kollektivist mit einem Individualisten gepaart hat, so fasst es Soziologin Jutta Allmendinger zusammen, heute Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung: Kollektivisten geben Geld aus, um sich ein Nest zu bauen, gemeinsam wegzufahren oder sich mit Wellness und Dreigänge-Menü zu verwöhnen. Mit der Einstellung überbrücken sie auch große Einkommensunterschiede gut. Auch zwei Individualisten profitieren, indem sie sich von ihrem Geld eigene Freiräume erkaufen, Hobbys pflegen oder mit Freunden in den Urlaub fahren. Aber wehe, es trifft ein Individualist auf einen Kollektivisten, dann kracht’s.

„Eine der konfliktträchtigsten Koordinationsaufgaben, die sich dem Paar stellen, betrifft die Verteilung des Haushaltseinkommens“, ist das Fazit von Rolf Haubl. Wie also sollte die aussehen? Das einfachste Modell ist das gemeinsame Konto, das aber nur wirklich funktioniert, wenn zwei Kollektivisten aufeinandertreffen, die alles teilen wollen. Individualisten geraten damit eher unter ständigen Rechtfertigungsdruck. Weshalb Finanzexpertin Helma Sick zum Drei-Konten-Modell rät: Beide schmeißen ihre Gehälter zuerst zusammen. Auf ein Konto zahlen sie ein, was monatlich für Miete, Auto, Kinder, Freizeit und Urlaub nötig ist. Vom Rest finanzieren sie getrennt ihre Altersvorsorge, und was danach übrig bleibt, landet auf den beiden persönlichen Konten, über die jeder frei verfügen kann. Wenn es dann noch Streit gibt, sagt Karin Kutz, „hilft reden, aber Paare sollten sich klarmachen: Beziehungen scheitern nicht am Geld - wohl aber daran, dass beide zu verschiedene Lebenseinstellungen haben.“

Wie Paare am besten mit Geld umgehen

1. Anfangs bei getrennten Kassen bleiben. Solange ein Paar nicht zusammengezogen oder verheiratet ist, behalten beide am besten ihr Konto. Davon bestreitet jeder seine Ausgaben. Im Restaurant lädt man sich wechselweise ein, der Urlaub wird gemeinsam bezahlt. Dabei sollte sich der Besserverdiener an den Wenigverdiener anpassen, so bleibt keiner dem anderen etwas schuldig. Wird ein Partner dauerhaft vom anderen „ausgehalten“, seilt er sich oft aus der Beziehung ab, weil er das Gefühl hat, weniger wert zu sein.

2. Später ein gemeinsames Konto eröffnen. Ein Konto, auf das beide einen Teil ihres Gehalts überweisen, erleichtert das Bestreiten alltäglicher Ausgaben. Ein „Und-Konto“, über das beide nur gemeinsam verfügen können und bei dem sie jede Überweisung zu zweit autorisieren müssen, ist eher unpraktisch. Beim „Oder-Konto“ hat jeder getrennt Zugriff und eine EC-Karte. Problematisch wird es, wenn einer das Konto überzieht oder sich beide trennen.

3. Das Alter nicht vergessen. Jeder sollte seine eigene Altersvorsorge haben. Ist der Einkommensunterschied groß, sollten beide ihr Gehalt zusammenwerfen und davon zu gleichen Teilen für die Rente sparen. Steigt die Frau für die Kinder aus dem Beruf aus, zahlt der Mann in ihren Vertrag ein.

4. Versicherungen neu ordnen. Viele Versicherungen wie Haftpflicht und Hausrat bieten Partner- und Familientarife. Ein Partner sollte also seine Police kündigen.

5. Vorsicht bei Krediten und Schulden. Jeder haftet für seine Schulden, aber bei Ehen gilt die gemeinsame Zahlungsverpflichtung: Kosten für Strom, Telefon oder Auto können Anbieter notfalls von beiden Eheleuten einfordern, auch wenn einer nichts verdient. Vorsicht auch bei selbstschuldnerischen Bürgschaften, die Frauen oft bei Autoleasing und Krediten ahnungslos mitunterzeichnen! Verweigert der Partner trotz Verdienst die Zahlung, belangen die Kreditgeber den Mitunterzeichner, unabhängig von dessen Einkommen. Bei einer Ausfallbürgschaft muss dagegen erst geprüft werden, wer von beiden überhaupt zahlungsfähig ist.

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