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Geldfragen in der Partnerschaft : Die Liebe und das liebe Geld

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So klischeebehaftet es klingt, vereinfacht gilt: Eine Frau, die in einem Elternhaus aufgewachsen ist, in dem ein Großverdiener seine Familie nach allen Regeln der Kunst verwöhnt hat, wird eher einen gönnerhaften Mann mögen und einen Rechnungsteiler eher als knauserigen Erbsenzähler sehen. Kommt sie dagegen aus einem sparsamen Haushalt mit einer Mutter, die selbständig die Familienfinanzen managte, und verdient sie ihr eigenes Geld, dann ist ein Gönnertyp ein Angriff auf ihre Souveränität. Grundsätzlich, sagt Haubl, verbinden beide Geschlechter ganz unterschiedliche Dinge mit dem Geld: Für Männer ist es ein Zeichen von Erfolg und Macht, das sie gern herzeigen. Für Frauen dagegen bedeutet es Sicherheit und Selbstständigkeit, die sie nicht gern abgeben.

Beim Einkommen gibt es ein großes Gefälle

Spätestens wenn man das weiß, wird klar: Wenn Männer und Frauen zu Paaren werden, streiten sie sich früher oder später übers Geld. Angeblich passiert das nicht so häufig, wie man denkt. Zumindest behauptete in einer Studie der Postbank nicht einmal jedes dritte Paar, Geld sei bei ihm ein Konfliktauslöser. Das aber wundert Psychologen nicht: Statistisch gesehen reden deutsche Paare am Tag nur eine Stunde miteinander, und da geht es dann nicht ausgerechnet ums Geld. „Alltagsfinanzen sind auch nicht unbedingt der Punkt, an dem sich ein Streit entzündet“, sagt Karin Kutz.

Trotzdem erlebt die Therapeutin immer wieder Paare, für die Geldfragen ein Problem sind, und auch Bianca Lechner hat als Finanzcoach alle Hände voll mit der Paarberatung zu tun: „Die Ziele sind oft zu unterschiedlich: Wenn einer lieber das Haus abbezahlen will, der andere aber den teuren Urlaub bucht, dann wird es kritisch.“ Am häufigsten kracht es bei mittelgroßen Anschaffungen: Wenn sie sich die dritte Handtasche im Monat kauft oder er schon wieder einen neuen Fernseher anschleppt und dann kein Geld mehr für den Restaurantbesuch da ist. „Solche Fälle sind einfach zu lösen“, findet Therapeutin Kutz, „indem jeder von beiden monatlich einen Geldbetrag frei zur Verfügung hat, über den er keine Rechenschaft ablegen muss.“ Ob das nun 100 oder 300 Euro sind, hängt ganz vom Einkommen ab - doch genau da fängt das Problem bei vielen Paaren an.

Denn bei aller Selbständigkeit und Erwerbstätigkeit: Gerade beim Einkommen gibt es in Partnerschaften ein großes Gefälle. Bundesdeutsche Wirklichkeit ist immer noch, dass knapp die Hälfte aller verpartnerten Frauen finanziell von ihren Männern abhängig ist. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung belegt: Bei jedem fünften Paar ist der Mann der Alleinverdiener, bei 44 Prozent verdient die Frau mit, aber wenig. Dass beide Partner gleich viel verdienen, kommt nur in jeder vierten Beziehung vor, und nur in jeder zehnten verdient sie mehr als er. Je größer der Unterschied zwischen beiden Gehältern und je höher das Gesamteinkommen, desto größer ist das Konfliktpotential.

Über den Hauskauf entscheidet der Mann

„Meist glaubt derjenige, der das meiste Geld verdient, er dürfe auch über die Verwendung entscheiden“, sagt Finanzcoach Bianca Lechner. Studien der Soziologin Yvonne Lott vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut WSI der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung bestätigen das: Geld ist eine Machtfrage, „wer mehr Geld mitbringt, hat die Finanzmacht in einer Beziehung“, stellt sie fest. Sie weiß aus Befragungen auch: Männer haben viel größere Probleme damit, Finanzmacht abzugeben.

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