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Geldanlage in Norwegen : Zuflucht im Land der Fjorde

In Norwegen gibt es nicht nur schöne Fjorde, sondern auch reiche Gas- und Ölquellen. Bild: Fotos Andrea Freund

Die Euro-Krise treibt vermögende Sparer nach Skandinavien. Eine norwegische Bank will davon profitieren.

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          Die Mitternachtssonne steht tief über dem abendlichen Meer, steil ragen die zerklüfteten Berge aus dem Wasser - das Motiv könnte ein Reiseveranstalter ausgesucht haben. Geschaltet aber hat die ganzseitige Anzeige in dieser Zeitung die norwegische Bank DNB.

          Sebastian Balzter
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit der idyllischen Urlaubsstimmung wollen die Nordlichter all jene wohlhabenden Deutschen locken, die sich wegen der Turbulenzen im Süden Europas um ihr Vermögen sorgen. Die Nachfrage nach Finanzprodukten, die statt in Euro in norwegischen, dänischen oder schwedischen Kronen gehandelt werden, hat sich schon im vergangenen Jahr vervielfacht.

          Hauptaktionär der norwegischen DNB-Bank ist der Staat

          Bislang ist die DNB in Deutschland nur in der Schifffahrts- und Fischereibranche ein Begriff. In ihrer Heimat dagegen ist die DNB mit 220 Filialen und rund 14.000 Angestellten mit Abstand das größte Kreditinstitut. Als besonderer Pluspunkt wird nun ausgerechnet eine Besonderheit vermarktet, über die manche Investoren in ruhigeren Zeiten die Nase rümpfen würden: Wichtigster Einzelaktionär ist mit 34 Prozent der Anteile der norwegische Staat. „Das macht uns zu einer der sichersten Banken der Welt“, sagt Håkon Hansen, der Geschäftsführer der DNB-Niederlassung in Luxemburg.

          Mit den Finanzwikingern der Kaupthing-Bank aus Island, die vor vier Jahren händeringend und mit hohen Zinsen auch in Deutschland um Privatkunden warben, will er jedenfalls nichts zu tun haben - wenige Monate später brach damals die gesamte Bankenbranche der Vulkaninsel zusammen.

          Öl- und Gasvorkommen haben die Norweger reich gemacht

          Tatsächlich ist Norwegens wirtschaftliche Situation das genaue Gegenteil davon. Das Königreich hat den Rest Europas in den vergangenen Jahrzehnten wirtschaftlich abgehängt. Die Öl- und Gasvorkommen vor der Küste haben einen märchenhaften Reichtum angespült. Die Staatsverschuldung ist da eine reine Formalie: Ihr steht ein deutlich größeres Vermögen gegenüber. Es wird über einen aus den Öl- und Gaseinnahmen gespeisten Staatsfonds in Aktien, Immobilien und Zinspapieren angelegt. Umgerechnet befinden sich rund 80.000 Euro je Norweger in diesem Sparschwein der Nation.

          Mehr Vermögen als Schulden
          Mehr Vermögen als Schulden : Bild: F.A.Z.

          Sogar noch mehr Geld muss mitbringen, wer nun eines der von der DNB beworbenen Festgeldkonten mit Laufzeiten zwischen einem Monat und einem Jahr und deutschsprachiger Beratung aus der Luxemburger Niederlassung einrichten will: Die Mindesteinlagensumme ist auf 500.000 Euro festgeschrieben. Über den Umweg eines in Norwegen registrierten Internetkontos ist das Angebot ab 100.000 Euro verfügbar. Die jeweiligen Einlagensicherungen decken in Luxemburg 100.000 Euro, in Norwegen rund 250.000 Euro.

          Die Krone hat beständig aufgewertet

          Die Bank zahlt, je nach der individuell wählbaren Währungsmischung, zwischen 0,4 und 2,4 Prozent Zinsen - am wenigsten für Euro, am meisten für norwegische Kronen. Mit Glück könnten noch Währungsgewinne beim Rückumtausch in Euro dazukommen. Die Krone hat in den vergangenen Jahren stetig aufgewertet.

          Die Währung wird immer stärker
          Die Währung wird immer stärker : Bild: F.A.Z.

          Ähnliche Zinsen bei allerdings auch ebenfalls hohen Mindestanlagesummen bieten übrigens auch andere skandinavische Großbanken. Und Kleinanleger können in viele Publikumsfonds und in den skandinavischen Pfandbriefmarkt investieren.

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