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Zahlungsverkehr : Die Deutschen stehen zum Bargeld

Die Barrieren für das bargeldlose Zahlen sind in Deutschland oft noch hoch. Das sorgt für Hemmschwellen bei den Verbrauchern. Bild: dpa

Beim bargeldlosen Bezahlen sind die Deutschen wahrlich keine Vorreiter. Dennoch nehmen diese Transaktionen zu – und lassen Bargeld-Kritiker hoffen.

          Die Deutschen halten am Bargeld fest. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG). Zwischen den Jahren 2010 und 2016 wuchsen die bargeldlosen Zahlungen in Deutschland jedes Jahr um 7 Prozent der Transaktionen pro Kopf. Selbst in Ländern, die ebenfalls zu den Nachzüglern in modernen Zahlungsmethoden zählen, war es mehr: In Portugal wurde für diesen Zeitraum ein Wachstum von 9,8 Prozent gemessen und in Österreich von 8,2 Prozent.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nur Italien und Spanien liegen mit 4,5 Prozent und 2,1 Prozent hinter Deutschland. Spitzenreiter beim bargeldlosen Bezahlen sind die Vereinigten Staaten, Australien, Großbritannien und Skandinavien. Bargeldlose Zahlungen gehörten in diesen Ländern zum Alltag, sagte der leitende BCG-Partner Niclas Storz. „Unabhängig von der Höhe wird in diesen Ländern nahezu jede Transaktion bargeldlos abgewickelt.“

          Bargeldloses Bezahlen wird auch in Deutschland zunehmen

          Bis zum Jahr 2026 erwarten die BCG-Berater ein Wachstum der bargeldlosen Transaktionen von 3 Prozent in Deutschland. In der vergangenen Woche hatten die französische Beratungsgesellschaft Cap Gemini und die Bank BNP Paribas ebenfalls eine Studie zum bargeldlosen Bezahlen vorgelegt (F.A.Z. vom 10. Oktober). Hier schnitt Deutschland allerdings gut ab: Demnach stiegen die bargeldlosen Zahlungen hierzulande allein im Jahr 2015 um 8,8 Prozent auf 19,6 Milliarden Transaktionen.

          In den Industrieländern belief sich die Zunahme auf 6,8 Prozent. Dagegen bezieht sich die Betrachtung von BCG auf den längeren Zeitraum von 2010 bis 2016. In Deutschland werden im Durchschnitt jährlich 168 Transaktionen pro Kopf ohne Bargeld ausgeführt. In Norwegen sind es doppelt so viele und in den Vereinigten Staaten 269 Transaktionen.

          Trotzdem stellt BCG in Deutschland eine Zurückhaltung fest, die unter anderem auf infrastrukturelle Probleme im Zahlungsverkehr sowie die emotionale Zurückhaltung der Kunden zurückzuführen ist. So gebe es in Deutschland nicht ausreichend bargeldlose Bezahlmöglichkeiten, und es fehlten oft innovative Anbieter von mobilen Zahlungslösungen. Insbesondere für kleine Beträge würden in Deutschland nur Barzahlungen akzeptiert und Kartenzahlungen verwehrt.

          Zudem werden die Vorstöße zur Verringerung von Barzahlungen in Deutschland von einer breiten Masse kritisch gesehen. Das Bezahlen mit Bargeld ermöglicht eine Anonymität, die mit Kartenzahlungen nicht möglich ist. Das wiederum kritisieren die Bargeldgegner, von denen der Wirtschaftswissenschaftler Kenneth Rogoff einer der prominentesten Vertreter ist. Die Anonymität des Bargelds werde für kriminelle Zwecke wie Steuerhinterziehung oder Drogenhandel ausgenutzt.

          BCG sieht im bargeldlosen Zahlungsverkehr ein hohes Ertragspotential für Banken. Im Jahr 2016 beliefen sich die Erlöse daraus in der ganzen Welt auf knapp 1,2 Billionen Dollar. Bis zum Jahr 2026 wird der zu verteilende Kuchen um 0,9 Billionen Dollar auf dann 2,1 Billionen Dollar wachsen. Als Gründe für den Anstieg nennen die BCG-Berater die immer stärkere Verbreitung von bargeldlosen Zahlungen sowie das Wachstum in den Schwellenländern. Dort erfreuen sich bargeldlose Zahlungen einer immer größeren Beliebtheit.

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