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Weniger Falschgeld : Der neue Zwanziger zahlt sich aus

  • Aktualisiert am

Ein gefälschter 20-Euro-Schein im nationalen Analysezentrum der Bundesbank. Bild: Frank Röth

Der neue 20-Euro-Schein hat dazu beigetragen, dass im vergangenen Jahr weniger Falschgeld im Umlauf war. Am beliebtesten bei Kriminellen ist vor allem ein anderer Schein. Wer aber genau hinsieht, kann die „Blüten“ oft schnell erkennen.

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          Der neue 20-Euro-Schein erschwert Fälschern das Handwerk. Im vergangenen Jahr zogen Banken, Handel und Polizei in Deutschland 82.150 Euro-Blüten aus dem Verkehr. Das waren 14 Prozent weniger als 2015, wie die Deutsche Bundesbank am Freitag mitteilte. Weltweit wurden derweil nach Angaben der Europäischen Zentralbank EZB 684.000 falsche Euro-Scheine eingezogen – ein Rückgang von 24 Prozent im Vergleich mit dem Höchstwert des Vorjahres (899.000 Fälschungen).

          Weltweit richteten Kriminelle mit gefälschten Euro-Banknoten im vergangenen Jahr dennoch einen Schaden von etwa 40 Millionen Euro an, 2015 waren es noch 39,1 Millionen Euro. Hauptgrund für den Anstieg war ein Fall aus England: Einem Diamantenhändler wurden bei einem Geschäft 500-Euro-Blüten im großen Stil untergeschoben – ein Schaden von ungefähr 6 Millionen Euro.

          Verbesserte Sicherheitsmerkmalen auch für den neuen Fünfziger

          „Die Einführung der Europa-Banknotenserie hat sich positiv auf die Anzahl der Fälschungen ausgewirkt und zu einem merklichen Rückgang der 20-Euro-Fälschungen beigetragen“, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. Nach Einführung des runderneuerten Zwanzigers im November 2015 habe sich die Zahl der 20-Euro-Blüten im vergangenen Jahr nahezu halbiert. Am beliebtesten war bei Fälschern der Fünfziger mit einem Anteil von 61 Prozent.

          Die Währungshüter hoffen auf die Trendwende durch den runderneuerten Fünfziger, der vom 4. April an unters Volks gebracht werden soll. Wie der neue Zwanziger, den es seit November 2015 gibt, hat der Fünfziger der zweiten Euro-Generation ein durchsichtiges Porträtfenster und eine glänzende Smaragdzahl – Merkmale, an denen sich Fälscher bisher die Zähne ausbeißen. „Die Fälschungssicherheit der neuen Euro-Banknotenserie ist deutlich höher als bei der ersten Serie", betont Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele.

          Bis Ende 2018 sollen auch der 100- und der 200-Euro-Schein in überarbeiteter Version eingeführt sein, die Ausgabe des 500ers wird dann eingestellt, um auch dieses Einfallstor für Kriminelle zu schließen. Zunächst sind alte und neue Noten parallel in Umlauf. Dann wollen EZB und nationale Notenbanken die alten Scheine Schritt für Schritt aus dem Verkehr ziehen. Die alten Noten behalten ihren Wert, verlieren jedoch den Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Sie können unbefristet bei den nationalen Zentralbanken eingetauscht werden.

          Welche Sicherheitsmerkmale haben neue Euro-Scheine?

          Die Bundesbank empfiehlt, Banknoten nach dem Prinzip „Fühlen-Sehen-Kippen" zu prüfen. Verbraucher sollten also keineswegs nur auf den Gesamteindruck schauen, sondern gezielt auf bestimmte Sicherheitsmerkmale achten: Auf der Vorderseite der Geldscheine sind zum Beispiel Teile des Druckbildes zu fühlen. Die Hologramm-Elemente verändern sich beim Kippen der Scheine, das Wasserzeichen ist nur in der Durchsicht zu erkennen.

          Auf den seit 2013 eingeführten neuen Noten findet sich ein Hologramm mit dem Porträt der Europa. Dieses Porträt erscheint im silbernen Streifen am Rand, wenn der Schein gekippt wird. Außerdem erscheint in dem Streifen ein Symbol, etwa ein Euro-Zeichen, und der Nennwert des Scheins. Das Porträt der Europa erscheint auch als Wasserzeichen der Geldscheine. Daneben gibt es eine sogenannte Smaragdzahl, auf der sich beim Kippen ein Lichtbalken auf und ab bewegt. Die Zahl verändert ihre Farbe von Smaragdgrün zu Tiefblau. Der neue 20-Euro-Schein enthält noch ein weiteres Sicherheitsmerkmal: Im Hologramm befindet sich ein sogenanntes Porträt-Fenster. Wird der Geldschein gegen das Licht gehalten, wird das Fenster durchsichtig. Das Europa-Porträt ist dann auf beiden Seiten des Geldscheins sichtbar.

          Grundsätzlich sollten Verbraucher die Polizei informieren und dieser das gefälschte Geld übergeben. Ersatz gibt es nicht. Die Weitergabe von Falschgeld ist genau wie die Herstellung strafbar.

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