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Bargeldloses Bezahlen : Eine Plastikkarte für alles

Verschiedene Bankkarten: Bei vielen Deutschen schwillt das Portemonnaie über. Bild: AP

Warum hat man eigentlich so viele verschiedene Karten im Portemonnaie? Es gibt weltweit Anstrengungen, alle Funktionen in einer Karte zu vereinen. In Deutschland aber wird ein anderer Trend verfolgt.

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          Sie sind praktisch, man braucht sie für immer mehr Angelegenheiten des täglichen Lebens – aber in sehr großer Zahl können sie auch zu einer unangenehmen Aufblähung des Portemonnaies führen: die Plastikkarten, die Nachfolger des Bargelds. Jeder Deutsche trägt Umfragen zufolge im Schnitt 4,4 solcher Karten im Geldbeutel mit sich herum und hat in aller Regel noch weitere zu Hause herumliegen. Manche Leute haben sogar noch viel mehr von den kleine bunten Kärtchen: Rund 2 Prozent der Befragten gaben an, 16 Karten oder mehr im Portemonnaie zu haben.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Da ist die Frage naheliegend: Warum wird das alles nicht irgendwie gebündelt? Warum entwickelt die Finanzbranche nicht endlich eine Plastikkarte, auf der alle Funktionen untergebracht werden? Warum gibt es nicht einfach eine Karte für alles? Experimente dazu gibt es – und auch durchaus Lösungen. „Technisch ist das alles kein Problem“, sagt Hugo Godschalk, geschäftsführender Gesellschafter bei Paysys. Das Frankfurter Unternehmen ist auf die Beratung von Dienstleistern für Kartensysteme spezialisiert. Ähnlich wie beim Smartphone könnte man eine gleichsam neutrale Karte anbieten, eine „White Card“, auf die dann jedes Unternehmen, von der Bank über die Kreditkartenfirma und bis hin zu Zoo oder Schwimmbad, eine eigene „App“ aufspielen kann, die jeweils eine Plastikkarte im Portemonnaie ersetzt.

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          International gibt es eine Reihe von Fintechs, also kleinen techniklastigen Finanzunternehmen, die bereits solche Multifunktionskarten entwickelt haben. Curve ist ein Beispiel aus Großbritannien. Das Londoner Unternehmen wirbt mit dem fast philosophischen Gedanken: Es sei allen großen Umbrüchen zu eigen, dass es zunächst immer erst „disruption“ geben müsse, also einen Bruch mit dem Bewährten in Form von vielen einzelnen neuen Versuchen – aber danach auch wieder „convergence“, also eine Zusammenführung der Einzellösungen, einen Weg heraus aus der grenzenlosen Zersplitterung.

          Das will die Karte des Unternehmens bieten. Ein Pendant zu Curve in den Vereinigten Staaten ist Coin, ein Start-up aus San Francisco, das gleichfalls die Idee „eine Karte für alles“ vorantreibt. Auch Plastic ist ein amerikanisches Unternehmen, das sich diesem Ziel der Mehr-Funktionen-Karte verschrieben hat.

          Nicht nur eine Karte, mobil ist trend

          In Deutschland führen die Banken vor allem ein Argument an, warum sie das Ziel „eine Karte für alles“ derzeit – vorsichtig formuliert – nicht mit besonderem Nachdruck vorantreiben. „Der Trend liegt aus Sicht der Banken eher im Bereich mobil“, sagte ein Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) auf Anfrage. Das heißt: In den Banken macht man sich durchaus Gedanken darüber, wie man die vielen unterschiedlichen Funktionen der Plastikkarten wieder bündeln kann. Aber diese Überlegungen stellt man nicht mehr für die längst schon wieder überholte Welt der Plastikkarten an, sondern schon für die künftige Welt des Bezahlens mit dem Smartphone. Man schaue, „wie bekomme ich die Zahlungsfunktionen in das Smartphone – und nicht auf eine Karte“, sagte der Bankenverbandssprecher.

          Warum soll man sich auch mit komplizierten Verhandlungen für ein Bezahlsystem befassen, das zumindest gedanklich schon längst wieder der Vergangenheit angehört? Fürs Bezahlen per Handy gibt es schließlich schon eine ganze Reihe von Apps, die unterschiedliche Funktionen auch von mehreren Finanzunternehmen bündeln. Denkbar auch, dass die technischen Möglichkeiten auf dem Smartphone dann doch noch mal viel besser sind als auf einer Plastikkarte – allerdings sollen auch die Chips auf den Karten schon recht leistungsfähig sein.

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