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Geschichte der Kreditkarte : Wie der Kauf auf Pump zum Konsum verführt

Nichts geht über Kreditkarten: Der amerikanische Komiker Marty Allen zeigt 1960 seine Brieftasche. Bild: Picture-Alliance

Früher ein Statussymbol für Reiche, heute machen sie es jedermann leicht, auf Pump zu leben: Die Geschichte der Kreditkarte führt zurück in die elitären Clubs New Yorks.

          5 Min.

          Die Erfolgsgeschichte der Kreditkarte ist zu schön, um wahr zu sein. Das beginnt schon mit deren Erfindung vor fast siebzig Jahren. Da speiste und trank der New Yorker Leihhändler Frank McNamara angeblich ausgiebig mit ein paar Freunden in dem Restaurant Major’s Cabin Grill in Manhattan, doch als ihm am Ende die Rechnung vorgelegt wurde, konnte er sie nicht bezahlen: McNamara hatte sein Bargeld in einem anderen Anzug vergessen. Er entkam der Peinlichkeit nur, indem er dem Restaurantmanager eine Visitenkarte samt Unterschrift überreichte und versprach, seine Schuld später zu begleichen. Nach Hause zurückgekehrt, erfand McNamara die Kreditkarte: ein signiertes Stück Pappe, das den Besitzer berechtigte, in ausgewählten New Yorker Gaststätten auf Pump zu dinieren. Die Pappkarte bekam einen Namen, der ihrem Zweck entsprach: Diners Club Card.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Als „First Supper“ ist das Abendessen von McNamara und seinen Gästen in die Annalen eingegangen. So toll die Geschichte ist, so oft sie weitererzählt wurde – sie stimmt gar nicht. Wahr ist nur, dass McNamara 1949 die erste Kreditkarte in die Welt gebracht hat, allerdings vom heimischen Schreibtisch aus. Das ganze dramatische Drumherum hat sich ein PR-Jungspund ausgedacht, der vom Diners Club später angeheuert wurde.

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