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Gemüseschäler im Test : Wer schält am besten?

  • -Aktualisiert am

Die richtige Spitze ist entscheidend. Bild: Stefan Finger

Kartoffeln und Gemüse zu schälen, kann ganz einfach sein. Auf das Y kommt es an.

          3 Min.

          Stilles Fluchen kommt aus der Küche: Mühsam schiebt sich der Gemüseschäler unter die staubige Kartoffelpelle und reißt sie in Fetzen. Schnipsel kleben an der Klinge und segeln auf den Fußboden. Vor jedem Kartoffelgratin steht der Frust.

          Oder liegt es nur am falschen Gerät? Könnte Schälen am Ende sogar Spaß machen? Sechs Modelle, die sich gemüseübergreifend als Universalhelfer empfehlen, sollen die Fragen klären. Es ist nicht nur ein Wettschälen billig gegen teuer, sondern auch ein Kampf der Klingenformen. Konzept Y, Prinzip Pendel oder Version spitz - das ist hier die Frage.

          Ins Rennen gehen die Hochpreismarke Rösle und die günstige Rewe-Schöpfung Vivess mit Gemüseschälern, die wie ein Y geformt sind. Für das Konzept der Pendelschäler treten Gefu und die Rossmann-Marke „Flink & Sauber“ an. Hier sind die Klingen vertikal ausgerichtet und schwingen zur Seite. Im dritten Duell kämpft ein WMF-Produkt gegen Supermarktware von Wenco - jeweils mit einer spitzen, unbeweglichen Klinge.

          Also ran an die Kartoffeln. Die Pendelschäler kommen dank beweglicher Klinge gut mit den Rundungen klar. Doch das preiswerte Rossmann-Modell bleibt oft bei besonders breiten Kartoffeln hängen. Die überstehende Klingenaufhängung zieht zwei Furchen in die Knolle wie ein Doppelpflug ins Feld. Das teurere Pendelmodell von Gefu ist sinnvoller konstruiert, die gebogene Klinge meistert jede Kontur. Nur ein Schäler leistet noch besseren Dienst an der Kartoffel: Es ist allerdings auch das insgesamt teuerste Modell - der Y-Schäler von Rösle für fast 25 Euro. Seine Klinge gleitet scheinbar reibungslos über das Gemüse.

          Manche Schäler holpern nur so über die Möhre

          Jetzt geht es an die Möhre. Dieses Gemüse macht Hobbyköchen besonders viel Ärger, weil die Schalen gerne an der Klinge kleben bleiben. Wer hier glänzen will, muss die Möhre von oben nach unten in einem Streifen schälen können.

          Das gelingt gleich drei Modellen vorbildlich: Genauso gut wie der teure Rösle-Schäler schneidet auch der Pendelschäler von Gefu ab. In die Spitzengruppe reiht sich überraschend Rossmann ein. Das Billigmodell hatte zwar Aussetzer bei den Kartoffeln, am langen Objekt aber bewährt sich die Pendelform.

          Ausgerechnet die Qualitätsmarke WMF holpert über die Möhre. Sofern sie nicht ganz gerade gewachsen ist, bekommt man die Schale nur in Schnipseln herunter. Liegt es generell an der spitzen Form? Denn auch das ähnlich geformte Modell von Wenco verlangt einigen Einsatz vom Koch. Tatsächlich haben die spitzen Schäler einen Nachteil. Sie können schlechter geschärft werden als etwa Pendelschäler.

          Nun soll auch ein Linkshänder unsere Schäler ausprobieren. Dabei scheidet ein Modell direkt aus: der Pendelschäler von Rossmann, der als Einziger nur eine Klinge hat. Damit können wirklich nur Rechtshänder etwas anfangen, außer man schält in die verkehrte Richtung - also vom Körper weg. Aber wir sind hier ja nicht beim Schnitzen.

          Ebenfalls keine Empfehlung für Linkshänder sind die beiden spitzen Schäler von WMF und Wenco. Zwar betonen die Firmen ihre grundsätzliche Eignung, doch der Praxistest offenbart Schwächen. Bei WMF ist die entscheidende Seite stumpf. Das bestätigt Klingenexperte Stefan Schönfeld, Inhaber der traditionellen Schleiferei Balwinksi in Köln. Herstellerangaben wie Klingen aus Edelstahl oder im Falle Gefu sogar aus „japanischem Klingenstahl“ klingen zwar edel. Aber das heiße nicht, dass das Material tatsächlich hochwertig ist, warnt Schönfeld.

          Mit prüfendem Blick sieht er sich die Reflexionen auf den Klingen an. Leichter Glanz verrät ihm: kein perfekter Schliff. Die beiden günstigsten Schäler von Vivess und Rossmann werben damit, „extra scharf“ zu sein. Darüber kann der Experte nur lachen: „Entweder ist eine Klinge scharf oder nicht.“ Die Klinge von Rösles Premiumwerkzeug sei eindeutig scharf und hochwertig verarbeitet, weil sie als einzige verschraubt und nicht verschweißt sei. Vorteil: Die Klinge lässt sich ausbauen, nachbestellen oder nachschleifen. Das Modell erledigt langfristig Küchendienste.

          Spitz verliert gegen Y

          Wer seinen Schäler arglos in die Spülmaschine steckt, wird über kurz oder lang ein rostiges Teil in der Hand halten. „Auch ein angeblich rostfreier Stahl wird angegriffen, wenn er in der Maschine mit anderen Metallen und Salzen reagiert. Es ist nur eine Frage der Zeit“, sagt Schönfeld.

          Manch ein Hersteller scheint ohnehin ein Wegwerfprodukt konzipiert zu haben: Drei Produkte überstehen nicht einmal ein paar Stürze vom höchsten Küchenbrett. Zehnmal haben wir geschubst. Beim Pendelschäler von Rossmann fliegt schon beim zweiten Aufprall die Klinge weg. Das spitze WMF-Modell hält länger durch, dafür steht die Klinge am Ende windschief. Um Verletzungsrisiken beim Hervorkramen kümmert sich immerhin Gefu - und liefert eine schützende Plastikkappe mit. Bei den anderen Modellen liegt die Klinge frei. Sind Kinder im Haushalt, sollte man vor allem die spitzen Schäler von WMF und Wenco nicht aus den Augen lassen - sie können zur Waffe werden.

          Unter dem Strich verliert die spitze Form also unseren Test. Wesentlich angenehmer und sicherer ist die Arbeit mit den Y-Schälern. Aus dieser Kategorie stammt auch der klare Gewinner: Das Luxusmodell von Rösle ist hochwertig verarbeitet und damit langlebiger als seine Konkurrenz. Böden bleiben schnipselfrei, die Hände entspannt und unverletzt - fast könnte Schälen Spaß machen.

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