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Banken : Weniger Verbraucherkredite in der Krise

Bild: www.plainpicture.com

Die Deutschen haben während des Lockdowns weniger konsumiert. Und wenn doch, dann haben sie im Internet eingekauft. Das zeigt der Anstieg der Online-Kredite.

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          Die Corona-Krise hat den Konsum der Deutschen und damit auch die Nachfrage nach Verbraucherkrediten gedämpft. Wie der Bankenfachverband, in dem die auf Konsumenten- und Investitionskredite ausgerichteten Banken vereinigt sind, am Mittwoch mitteilte, sank das Kreditneugeschäft im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 53,7 Milliarden Euro.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei gingen die Konsumkredite an Privatpersonen um 7,3 Prozent auf 26 Milliarden Euro zurück. In diesem Gesamtwert finanzierten die Kreditbanken Konsumgüter, vor allem Autos, Möbel, Computer. Noch deutlicher – um fast 29 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro – brach das Kreditneugeschäft mit Händlern, also die Einkaufsfinanzierung, ein. Die Finanzierungen mobiler Investitionsgüter von Unternehmen sanken um 3,2 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro.

          „Die Coronavirus-Pandemie hat den privaten Konsum und die Investitionstätigkeit der Unternehmen stark gebremst“, sagte Jens Loa, Geschäftsführer des Bankenfachverbandes. Da während der Quarantäne viele Konsumenten von zu Hause aus im Internet einkauften, nahmen die Online-Abschlüsse von Verbraucherkrediten um fast 14 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro zu. Das entsprach fast jedem vierten Kreditvertrag. Im Jahr 2019 hatte sich der Anteil der Online-Abschlüsse noch auf ein Fünftel belaufen.

          Gesetzliche Hürden für Online-Kredite

          „Auch bei Finanzierungen wirkt Corona als Digitalisierungs-Beschleuniger“, sagte Loa. Der Lockdown hat seinen Worten zufolge vor Augen geführt, wie wichtig digitale Optionen für Geschäftsabschlüsse seien. Der Bankenfachverband setzt sich seit längerem für Erleichterungen bei den gesetzlichen Vorgaben für Online-Kreditabschlüsse ein. Denn vollständig online wird nur ein kleiner Teil der Kredite abgeschlossen. Im ersten Halbjahr waren es 1 Milliarde Euro, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum einem Plus von 7,7 Prozent entsprach.

          Anlässlich der Veröffentlichung des Jahresberichts hatte der Vorstandsvorsitzende des Bankenfachverbands, Frederik Linthout, Mitte Mai über zu hohe gesetzliche Hürden für den digitalen Kredit geklagt. Der Geschäftsführer der Gefa Bank, einer Tochtergesellschaft der französischen Société Générale, fordert einen einfachen digitalen Kreditvertrag. Linthout sieht darin ein Mittel, die Wirtschaft anzukurbeln.

          Volldigitale Prozesse seien in der Kreditvergabe sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher zwingend erforderlich. In seiner Mitteilung zu den Halbjahreszahlen wies der Verband nochmals darauf hin, dass Finanzierungen nachhaltig den privaten Konsum sowie gewerbliche Investitionen stützten und daher bedeutsam für die konjunkturelle Entwicklung seien.

          Innerhalb eines Jahres haben die Kreditbanken ihren Bestand an Forderungen gegenüber privaten und gewerblichen Kreditkunden um 3,5 Prozent auf 172,4 Milliarden Euro ausgebaut. Hierzu hat insbesondere die positive Entwicklung des Kreditgeschäfts in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres sowie Anfang 2020 beigetragen. Der Bestand an Verbraucherkrediten wuchs um 4,7 Prozent auf 134,2 Milliarden Euro.

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