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Schwacher Euro : Schlechte Zeiten für die Urlaubskasse

Urlaub in der Schweiz ist schlagartig teurer geworden. Bild: obs

Durch den schwächeren Euro werden viele Reiseziele in diesem Jahr teurer als im Vorjahr. Der Wechselkurs sagt jedoch nicht alles über das Budget. Eine Orientierung für Urlaubsreife.

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          Wer seine Liebe zu den Schweizer Bergen oder den amerikanischen Weiten gerade erst entdeckt hat, der hat in diesem Jahr das Nachsehen. Denn Urlaube in diesen Regionen der Erde sind durch die Schwäche des Euro deutlich teurer geworden als noch vor einem Jahr. Einige Stellschrauben bleiben gleichwohl immer und überall: Zeit, Qualität und Komfort.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Haben Reisende eine bestimmte Summe für ihre Ferien eingeplant, dann könnten sie zum Beispiel einen eher kurzen, gediegenen Ausflug in die Schweizer Alpen machen oder einen viel längeren, weniger komfortablen Urlaub in einem günstigeren Land in Osteuropa oder Asien verbringen, wenn der Chef eine solche Auszeit überhaupt gewährt. Andere wiederum setzen ganz auf Komplett-Wohlfühl-Pakete in der südlichen Sonne.

          Teurer geworden sind in der Tat nicht nur Urlaube in der Schweiz und den Vereinigten Staaten. Europäische Reisende müssen in diesem Jahr in den meisten Ländern tiefer in die Tasche greifen als im vergangenen. Dies gilt, wenn man aktuell bucht, aber wohl auch, wenn man damit noch wartet. Die Prognosen der meisten Währungsexperten verheißen vorerst einen weiterhin „weichen“ Euro – vor allem wegen der nicht einschätzbaren Risiken der Griechenland-Krise.

          Das kostet ein Abendessen in der Schweiz

          Die Veränderungen sind augenfällig. Binnen eines Jahres hat der Euro zum Dollar um 18 Prozent abgewertet – die Gemeinschaftswährung ist in Amerika also fast ein Fünftel weniger wert als im Februar 2014. Zum Schweizer Franken beträgt der Verlust 16 Prozent. Natürlich hängt es nicht nur vom Wechselkurs ab, ob ein Urlaub günstiger oder teurer ist. Ein Euro ist auch darüber hinaus in einigen Ländern mehr wert als in anderen. Unter dem sperrigen Stichwort der „Kaufkraftparitäten“ wird der reale Wert einer Währung erfasst, die auch von der Inflation oder den Einkommensverhältnissen in dem jeweiligen Land abhängen.

          So ist die Schweiz für Deutsche schon lange ein vergleichsweise teures Urlaubspflaster. In Beckenried am Vierwaldstättersee zum Beispiel kostet ein Glas Hauswein rot (0,1 Liter) in einem gutbürgerlichen Lokal 7 Franken (rund 6,60 Euro), eine Bauernbratwurst an Zwiebelsauce mit Pommes frites 20 Franken (19 Euro) oder geschnetzeltes Kalbfleisch „Rössli“ an sämiger Pilzrahmsauce mit Butterrösti 36 Franken (34 Euro). Das weiß ein Kollege zu berichten. Durch die Aufwertung des Franken ist es aus hiesiger Sicht nun aber noch teurer geworden, dort zu speisen und den Urlaub zu verbringen. Gemessen an der Kaufkraft, ist ein Euro in der Schweiz derzeit 56 Cent wert. Im Dezember waren es noch 65 Cent.

          Kein Paradies für Weinliebhaber

          Besonders zahlungskräftig ist der Euro dagegen in einigen osteuropäischen Ländern wie in Polen und Ungarn. Dort bekommt man für einen Euro aktuell einen Gegenwert von mehr als 1,80 Euro. Zum polnischen Zloty oder dem ungarischen Forint hat sich der Wert des Euro zudem kaum verändert. Deutlich an Wert gewonnen hat die Gemeinschaftswährung dagegen gegenüber dem russischen Rubel – innerhalb eines Jahres um fast 40 Prozent. Gegenüber der ukrainischen Griwna sind es nach den jüngsten Sorgen um eine Staatspleite fast 60 Prozent. In diesen Ländern ist zudem die Kaufkraft des Euro mit gut 3 Euro oder in der Ukraine fast 5 Euro viel höher als anderswo. In der Urlaubsplanung der Deutschen dürften die Länder allerdings wohl trotzdem kaum eine Rolle spielen.

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