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Im Test : Welche Folie hält am besten frisch?

  • -Aktualisiert am

Frisch gehalten schmeckt’s besser Bild: Stefan Finger

Frischhaltefolie ist nicht gleich Frischhaltefolie. Die Preisunterschiede sind gewaltig. Am besten ist ein Billigprodukt.

          3 Min.

          Sie könnte ein perfektes Produkt sein. Frischhaltefolie hält Speisen frisch und aromatisch. Anders als Plastikdosen oder Gläser passt sie immer - und einmal eingewickelt, entkommen nicht einmal scharfe Zwiebeldünste oder der strenge Geruch eines Harzer Käses. Das Tiefkühlfach kann ihr nichts anhaben; manche Folie hält sogar der Mikrowelle stand. Nach getaner Arbeit lässt sie sich mit gutem Gewissen entsorgen - die Folien sind recycelbar.

          In der Werbung sieht alles ganz leicht aus: Folie über die Schüssel spannen, abreißen, fertig. In der echten Welt klappt das so nur selten. Online-Foren sind voll von Flüchen und Hilferufen der Folienopfer. Selbst Physiker haben sich bereits damit beschäftigt, warum einige der Produkte sich lieber lange dehnen, als wie gewünscht schnell und sauber abzureißen. Und im vergangenen Jahr erschien gar ein Roman zum Thema. Der Titel: „Das Leben ist zu kurz für billige Frischhaltefolie.“

          Knifflig ist schon die Suche nach dem Anfang der Rolle. Einige Folien haben zwar sogenannte Daueranfangsfinder - diese bestehen aus kleinen Klebestreifen an der Abrisskante der Packung. Doch sie verlagern nur die Schwierigkeiten, da sich die Folie oft nur widerwillig von den Klebestreifen löst. Nächstes Problem: Wer den Anfang der Rolle in die Finger bekommen hat und daran zieht, dem hüpft mit hoher Wahrscheinlichkeit gleich die ganze Rolle entgegen - gerne auch trotz ordnungsgemäß eingedrückter Haltelaschen an den Enden der Pappverpackung.

          Beim Abreißen kann es sogar blutig werden: Wie Krokodilzähne ragen die Spitzen der Abreißsäge hervor - und manchmal schnappen sie zu. Und schließlich: Die Folie klebt an Händen, Tisch und Stühlen oder verheddert sich gleich zu einem großen Folienknäuel. Nur dort, wo sie es eigentlich sollte, klebt sie nicht.

          Die F.A.S. hat sich dem Gefahrengebiet mit ruhiger Hand genähert und neben den Markenprodukten Toppits und Pely die DM-Hausmarke Profissimo getestet sowie Alio von Aldi. Hinzu kommen die Billigmarke „Ja!“ und die Eigenmarke Rewe, die sich beide in Rewe-Supermärkten finden. Obwohl es deutliche Preisunterschiede gibt, schneiden alle Folien in der Praxis ähnlich ab. Eine der günstigen Varianten hängt gar die teuren Markenprodukte ab.

          Zwischen Kleben und Haften

          Ein spontaner Preisvergleich im Laden ist schwierig, da die Packungsgrößen von 15 bis zu 75 Metern variieren. Bei anderen Produkten müssen Hersteller den Preis pro 100 Gramm oder 100 Milliliter angeben, damit Verbraucher schneller durchblicken - bei Frischhaltefolien fehlt diese Art von Transparenz. Wir haben nachgerechnet.

          Bild: F.A.Z.

          Nicht etwa die Discounter, sondern DM bietet das günstigste Produkt: Auf 100 Meter gerechnet kostet es 1,18 Euro, Aldi landet noch dahinter mit 1,27 Euro, Ja! ist geringfügig teurer. Dann kommen enorme Preissprünge: Pely kostet bereits 4,95 Euro, Toppits ist mit 7,45 Euro nicht einmal das teuerste, sondern wird noch von der Hausmarke von Rewe mit 9,93 Euro pro 100 Meter überboten.

          Die Verpackungen der verschiedenen Hersteller unterscheiden sich lediglich durch das Design. Auch die sogenannte Abreißsäge - so lautet der Fachbegriff der Hersteller - ist bei allen nahezu identisch. Das Pely-Produkt hat eine doppelte Säge, die den anderen sonst jedoch ähnelt. Besondere Vorsicht gilt für den Umgang mit der Aldi-Folie: Die scharfe Metallsäge an der Außenkante der Packung kann gefährlich werden.

          Das Fazit des Härtetests: Es gibt zwei Arten von Frischhaltefolie - und beide können nerven. Die eine Variante ist besonders dünn und haftet sehr gut. Das heißt einerseits, dass sie ihren Frischhalteauftrag gut erfüllen könnte. Damit allerdings ist das hohe Risiko verbunden, dass sie schon vorher irgendwo haften bleibt und schnell zusammenklebt. Auch das Abrollen ist schwierig. Weniger Klebrisiko birgt die andere Art Folie, etwa von der Rewe-Eigenmarke und Toppits: Sie ist etwas dicker und haftet weniger stark. Zwar lässt sie sich gut abrollen und besser handhaben. Der Preis des Komforts: Sie haftet dort, wo sie es soll, auch nicht so gut. Eine Balance zu finden zwischen Zusammenkleben und Nichthaftenwollen scheint schwierig. So richtig gelöst hat das Dilemma keiner der Hersteller.

          Einige allerdings meistern diese Herausforderung besser. Gesamtsieger ist die Profissimo-Folie von DM, gefolgt von der Rewe-Marke Ja! Wer auf Frischhaltefolie nicht verzichten will, muss für sich entscheiden, welche Art der Folie nun das kleinere Ärgernis darstellt. Nervenschonender und umweltfreundlicher ist es, auf die Alternativen zurückzugreifen: Dosen und Gläser können immer wieder verwendet werden, halten ebenso gut frisch und sie treiben niemanden zur Weißglut - zumindest hat darüber noch nie jemand ein Buch geschrieben.

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