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Weihnachtspräsente : Geldgeschenke haben ihre Tücken

Einkaufstrubel: Passanten auf der Zeil in Frankfurt Bild: Frank Rumpenhorst

Kurz vor Weihnachten geraten viele Menschen auf der Geschenksuche in Hektik. Manch einer versucht sich mit einer Gutscheinkarte zu behelfen. Doch kommen Gutscheine und Geldgeschenke tatsächlich gut bei Beschenkten an?

          So kurz vor Weihnachten machen sich bei so manchem doch plötzlich Hektik und Nervosität breit. Denn noch immer fehlen nicht nur zahlreiche Geschenke, sondern allein schon die guten Ideen hierfür. Nicht wenige greifen in solchen Fällen dann doch schnell zu Gutscheinen oder einfach Bargeld, um nicht noch länger zu suchen. Doch glaubt man entsprechenden Umfragen, dann freuen sich die Beschenkten durchaus über solche Gaben, weil sie sich später selbst etwas Schönes aussuchen können und die möglicherweise sonst eher ungeliebten Geschenke nicht ungenutzt in einer Ecke landen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die wenigsten Geldgeschenke werden zu Weihnachten zwar so üppig ausfallen – doch einer repräsentativen Umfrage der Postbank zufolge hat im Durchschnitt jeder fünfte Deutsche schon einmal einen Betrag von mehr als 1000 Euro verschenkt. Vor allem die Befragten im Alter von 60 Jahren an zeigten sich in dieser Hinsicht besonders großzügig, waren es hier doch 39 Prozent. Dabei haben gut 20 Prozent dieser Schenkenden sogar schon einmal mehr als 10.000 Euro und 7 Prozent mindestens 20.000 Euro übertragen.

          Häufig geschieht solcherlei aus steuerlichen Gründen, wenn eine vorgezogene Schenkung eine spätere Erbschaft ersetzt. Zudem kann man sich so zu Lebzeiten noch selbst an der Freude des Beschenkten erfreuen. Dabei gilt steuerlich: Alles, was innerhalb eines Zeitraumes von zehn Jahren verschenkt oder vererbt werde, müsse von einer bestimmten Grenze an versteuert werden, sagt Isabell Gusinde, Expertin der Postbank. Nach zehn Jahren könnten die persönlichen Freibeträge im Falle einer Schenkung abermals ausgeschöpft werden.

          Diese steuerlichen Freibeträge unterscheiden sich deutlich. Für Ehe- und Lebenspartner gelte ein persönlicher Freibetrag von 500.000 Euro, für Kinder von 400.000 Euro und für Enkelkinder von 200.000 Euro, sagt Gusinde. Für alle anderen seien es 20.000 Euro. Dies seien zum Beispiel auch die eigenen Eltern, die Großeltern oder aber die Geschwister. Nicht als Schenkung werte das Finanzamt dagegen „übliche“ Gelegenheitsgeschenke zu verschiedenen Anlässen wie der Hochzeit, dem Geburtstag, Jubiläen – oder eben auch Weihnachten. Dies gelte allerdings nur dann, wenn die Geschenke nicht den üblichen Rahmen sprengten. Für den Begriff „üblich“ spielten die Vermögensverhältnisse des Schenkenden und die Art der verwandtschaftlichen Beziehung gar keine Rolle. Maßstab sei vielmehr der Betrag, der in den überwiegenden Kreisen der Bevölkerung üblich sei. Und nur wenn dieser Betrag deutlich überschritten werde, sei es steuerlich relevant.

          Wie lange gelten Gutscheine?

          Doch nicht nur in steuerlicher Hinsicht sollte man eine Schenkung gut planen. Denn geschenkt ist in der Regel auch geschenkt – unabhängig davon, wie sich das Verhältnis von Beschenktem und Schenkendem verändert. Rückgängig gemacht werden könne eine Schenkung nur in Ausnahmefällen, heißt es von der Postbank. Die Auflösung einer Verlobung zählt in der Regel dazu. Dabei habe im Durchschnitt jeder elfte Deutsche laut der Umfrage des Kreditinstitutes schon einmal einen größeren Betrag verschenkt und dies später bereut. Sicherheit könne hier ein Vertrag bieten, in dem die Bedingungen der Schenkung vereinbart würden, sagt Gusinde. Darin lasse sich zum Beispiel auch festlegen, dass eine Schenkung in bestimmten Fällen wieder an den Schenkenden zurückfalle. Und ganz egal, ob es um Erbschaft oder Schenkung gehe – würden größere Beträge übertragen, dann sollte man sich auf jeden Fall professionell von einem Notar oder Anwalt beraten lassen.

          Für die letzten Weihnachtsgeschenke wäre das so kurz vor dem Fest vermutlich doch zu spät, es sei denn man kennt sich selbst in juristischen Dingen entsprechend gut aus. Dabei werden Bargeld oder Gutscheine nach Angaben des Handelsverbands HDE in der Tat immer häufiger zu Weihnachten verschenkt. Und so dürften die Einzelhändler in Deutschland im November und Dezember dieses Jahres rund 3 Milliarden Euro Umsatz mit dem Verkauf von Gutscheinen erzielen. Da also immer mehr Gutscheine und Bargeld verschenkt würden, sinke die Umtauschquote in den Geschäften, heißt es vom HDE. Mittlerweile würden über alle Sortimente hinweg in der Regel weniger als 5 Prozent der Geschenke umgetauscht. Nur bei Spielwaren geschehe dies häufiger. Denn jeder wolle die leuchtenden Kinderaugen beim Auspacken der Geschenke erleben, was Gutscheine oder Bargeld nicht bieten könnten. Zudem dürfte zweifelsohne gerade im Fall von Spielzeug von Großeltern, Tanten und Freunden häufiger einmal dasselbe verschenkt werden.

          Grundsätzlich hätten Kunden bei einwandfreier Ware zwar keinen Anspruch auf einen Umtausch, sagen die Fachleute des Handelsverbands. Dennoch kämen viele Händler ihren Kunden mit Kulanzangeboten entgegen. Bei mangelhafter Ware gelte dagegen ein zweijähriges Gewährleistungsrecht. Im Online- und Versandhandel wiederum gebe es grundsätzlich eine Widerrufsfrist von 14 Tagen.

          Wie lange gelten Gutscheine? Sie seien, falls nicht ausdrücklich befristet, drei Jahre von dem Ende des Jahres an gültig, in dem der Gutschein gekauft worden sei. Für dieses Weihnachtsgeschäft heißt das bis Ende 2021. Für die Beschenkten bedeutet das: Sie haben noch viel Zeit, um das beste Geschenk für sich zu finden.

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