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Pfund billig wie lange nicht : Verbraucher können in England jetzt günstig bestellen

  • Aktualisiert am

Eine Shopping-Tour durch London kann sich jetzt lohnen. Bild: AFP

Das britische Pfund ist auf den tiefsten Stand seit 1985 gefallen. Was Anleger am Devisenmarkt beunruhigt, freut Verbraucher mit einem Faible für britische Produkte. Nicht nur bei denen kann man jetzt ein Schnäppchen machen.

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          Die britische Premierministerin Theresa May hat angekündigt, das Brexit-Verfahren bis spätestens Ende März nächsten Jahres einzuleiten. Daraufhin ist der Kurs des britischen Pfund am Dienstag massiv eingebrochen und auf den tiefsten Stand seit 31 Jahren gefallen. Sowohl im Verhältnis zum amerikanischen Dollar als auch zum Euro war die britische Währung damit noch schwächer als unmittelbar nach dem Brexit-Votum.

          Seitdem Großbritannien am 24 Juni diesen Jahres entschieden hat, die Europäische Union zu verlassen, ist der Kurs des Pfund kontinuierlich gesunken. Vor dem Brexit-Votum lag er noch bei 0,76 Pfund Sterling für einen Euro, nach der Entscheidung stieg er sprunghaft auf 0,81 Pfund an. Nach den aktuellen Aussagen der Premierministerin bekommt man für einen Euro nun sogar 0,876 Pfund Sterling - das entspricht einem Wertverfall des Pfund von etwa 14 Prozent gegenüber dem Kurs vor dem Brexit-Votum.

          Was viele Bürger wie politische Entscheidungsträger in Europa bestürzt und den Händlern an den Finanzmärkten Sorgen bereitet, kann Verbrauchern zu wahren Schnäppchen verhelfen – zumindest, wenn sie schnell handeln.

          Durch den aktuellen Euro-Pfund-Kurs werden Waren aus England, die man in Pfund einkauft, kurzfristig für deutsche und andere europäische Kunden günstiger. Grund genug für Verbraucher mit einem Faible für Produkte von der Insel, jetzt online zuzuschlagen.

          Schnäppchen in Pfund

          Bei Amazon Uk gibt es die erste bis siebte Staffel der Serie Sons Of Anarchy für 35,99 Pfund, in Euro umgerechnet sind das rund 41 Euro, noch vor dem Brexit-Votum hätte ein Kunde rund sechs Euro mehr bezahlt. Liebhaber der britischen Küche können die 2 Liter Packung Colemans Fresh Garden Mint Sauce, ebenfalls bei Amazon Uk, für 19,98 Pfund erstehen, umgerechnet heute für fast 23 Euro, noch vor der Entscheidung der Briten kostete die kulinarische Spezialität mehr als 26 Euro.

          Auch für Fans britischer Mode kann es sich auszahlen, jetzt einzukaufen. Bei einem angesagten Ethno-Kleid der ursprünglich britischen Modemarke Pepe Jeans für 155 Pfund lassen sich gegenüber Juni mehr als 25 Euro sparen, die original Doc Martens gibt es umgerechnet für 17 Euro günstiger.

          Beatles-Fans bekommen ein T-Shirt ihrer Band mit Union Jack beim Souvenir-Shop Fancy that of London für 15,99 Pfund, umgerechnet etwas mehr als 18 Euro, vor dem 24. Juni waren es noch 3 Euro mehr. Auch bei dem William und Kate-Gedenkteller für 9,99 Pfund lassen sich gegenüber dem Zeitpunkt vor dem Brexit-Votum etwa 1,50 Euro sparen.

          Die Ersparnisse bei britischem Breakfast Tea und Orangenmarmelade von Twinings oder Walkers Original Short Bread Fingers dürften sich eher im Cent-Bereich bewegen, dafür lässt sich bei Whisky.Co.Uk mit einem 14 Jahre alten Glen Scotia für 149 Pfund ein Schnäppchen machen, den gibt es nämlich fast 25 Euro günstiger.

          Auch für Touristen, die gern in London oder auf den britischen Kanalinseln Urlaub machen, ist der Brexit vielleicht eine gute Nachricht: Verliert das britische Pfund langfristig an Wert, würde das das Sightseeing auf der Insel erheblich günstiger machen.

          Telefonieren und Fliegen könnte langfristig teurer werden

          Langfristig könnte es aber sein, dass Liebhaber britischer Spezialitäten tiefer in die Tasche greifen müssen. Die Preise für britische Waren könnten hierzulande steigen, falls Produzenten aus Großbritannien bei der Ausfuhr in die EU in Zukunft Zölle zahlen oder andere Handelsbeschränkungen hinnehmen müssten. Denn nach dem Austritt ist der direkte Zugang zum europäischen Binnenmarkt verschlossen, bilaterale Verträge müssen erst ausgehandelt werden.

          Wer häufig nach England telefoniert, muss sich wahrscheinlich auf eine höhere Handyrechnung gefasst machen. Das Telefonieren nach Großbritannien könnte teurer werden, denn die für die Europäische Union geplante Abschaffung der Roaming-Gebühren würde für Großbritannien nicht gelten.

          Auch Flüge auf die Insel könnten für deutsche Kunden bald mehr kosten: Weil das Königreich den EU-Binnenmarkt verlässt, könnte das Land auch aus dem Abkommen über einen offenen Luftverkehrsraum mit Amerika gedrängt werden, was wiederum zu höheren Ticketpreisen führen könnte. Betroffen davon wären vor allem die Kunden von Billigfliegern wie Easyjet und Ryanair, die vom europäischen Luftverkehrsbinnenmarkt profitieren. Seit 1992 dürfen EU-Fluggesellschaften frei zwischen allen Mitgliedsstaaten fliegen. Allerdings sind auch Nicht-EU-Länder wie Norwegen, Island und die Schweiz Teil dieses Abkommens. Deshalb ist es auch noch nicht ausgemacht, ob Großbritannien aus dem Luftverkehrsbinnenmarkt ausgeschlossen wird, aber das muss jetzt neu verhandelt werden.

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