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Geldirrtümer : Bargeld oder Karte: Was geht schneller?

30 Sekunden dauert im Schnitt die Kartenzahlung. Bild: Your_Photo_Today

Wer an der Supermarkt-Kasse nach Münzen kramt, hält die Schlange auf. Das wird gerne behauptet. Forscher haben jetzt mal nachgemessen.

          4 Min.

          Wer kennt die Situation nicht? Kurz nach Feierabend, die Schlange im Supermarkt ist endlos. Mal wieder macht die Filialleitung keinerlei Anstalten, eine weitere Kasse öffnen zu lassen. In den Einkaufswagen vor einem türmen sich die Wocheneinkäufe von Großfamilien. Ganz vorne in der Schlange aber, direkt bei der Kassiererin, steht eine ältere Dame, die in ihrem Portemonnaie nach Kleingeld sucht. Sie kramt und kramt, holt einzelne Münzen hervor und versichert der freundlichen Kassiererin unablässig: „Ich hab’s passend.“ Das dauert und dauert. Derweil werfen sich die Leute in der Schlange schon entnervte Blicke zu.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So mancher mag aber auch das Gegenteil schon erlebt haben. Man steht selbst vorn in der Supermarkt-Schlange und hat nur eine Kleinigkeit gekauft. Eine Flasche Cola, zum Beispiel. Die Kassiererin verlangt: 99 Cent. Plötzlich merkt man, dass kein Bargeld mehr im Portemonnaie ist. Und es bleibt einem nichts anderes übrig, als mit zerknirschtem Gesichtsausdruck die Bitte vorzutragen, mit Karte zahlen zu dürfen.

          Was ist besser?

          Die nächsten Momente fühlen sich endlos an: Karte einschieben, ein Zettel wird ausgedruckt. Die Kassiererin reißt den Zettel ab. Man prüft den Betrag – und muss unterschreiben. In solchen Situationen funktioniert der Stift natürlich nie. Und hinter einem wartet die Schlange – und scheint einen für seine umständlichen Zahlungsgewohnheiten abgrundtief zu hassen.

          Bargeld oder Karte, was ist besser? Die meisten Leute haben dazu eine feste Meinung – nicht erst, seit die Debatte um die Zukunft des Bargelds zu einem hochemotionalen Grundsatzstreit geworden ist. Es geht dabei auch um einen Modernisierungskonflikt: Während die Bargeld-Fans gern mit den Freiheitsrechten argumentieren, die mit Scheinen und Münzen als anonymem und zinsfreiem Zahlungsmittel verbunden sind („Bargeld ist geprägte Freiheit“), argumentieren die Anhänger der Kartenzahlung gern mit den praktischen Annehmlichkeiten des technischen Fortschritts. Kartenzahlung sei einfacher – und schneller. Aber ist das wirklich so? Was dauert im Durchschnitt länger, bar zahlen oder mit Karte?

          Abhängig von Kassensystem und Kassiererin

          Horst Rüter, Mitglied der Geschäftsleitung des Handelsinstituts EHI in Köln, ist da einen Erkenntnisschritt weiter: Sein Institut hat sich die Mühe gemacht und nachgemessen. Zwar kennt auch Rüter die psychologische Binsenweisheit: „Die Schlange, in der man selbst steht, ist immer die langsamste.“ Und er weiß auch, dass Geschäft natürlich nicht gleich Geschäft ist.

          Es gibt Discounter mit langsameren und schnelleren Kassensystemen für die Kartenzahlung. Außerdem gibt es natürlich auch die langsame und die schnelle Kassierin. „Bei Aldi sitzen ja manchmal Mitarbeiterinnen an der Kasse, die haben das Wechselgeld schon in der Hand, bevor der Kunde überhaupt seinen Schein hingegeben hat“, sagt er. Umgekehrt gibt es Discounter, die über die Jahre ihre Kassensysteme aus Geräten unterschiedlicher Hersteller zusammengestellt haben – da dauert Kartenzahlung besonders lange.

          Experiment mit Stopppuhr

          Das Experiment der Forscher ging nun so: Mit der Stoppuhr bewaffnet, haben sie an der Kasse gemessen, wie lange ein Bezahlvorgang dauert. „Wir haben den Zeitraum abgestoppt zwischen dem Moment, in dem der Kassierer den Betrag nennt, bis zu dem Moment, in dem die Kasse wieder geschlossen ist“, sagt Rüter. Und das immer wieder.

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