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Geldirrtümer : Bargeld oder Karte: Was geht schneller?

Fürs Bezahlen mit Bargeld kam heraus: 15 bis 25 Sekunden dauerte ein Zahlungsvorgang im Durchschnitt. Je nach Kunde, aber auch je nach Sparte des Einzelhandels gab es Abweichungen. „Im Lebensmittelhandel dauerte ein Bezahlvorgang mit Bargeld tendenziell eher 25 Sekunden, im Textileinzelhandel eher 15 Sekunden“, sagt Rüter.

Die Deutschen haben das Kartenzahlen gelernt

Im Vergleich dazu haben die Handelforscher abgestoppt, wie lange eine Kartenzahlung braucht. Dabei zeigten sich Unterschiede, je nachdem, ob jemand mit Karte und Pin-Nummer zahlt – oder mit Karte und Unterschrift, also im sogenannten Lastschriftverfahren. Zudem haben die Forscher das Experiment über die Jahre mehrmals gemacht, und haben eine gewisse Entwicklung beobachtet; offenkundig hat sich über die Jahre verändert, wie lange eine Kartenzahlung dauert.

„Die Deutschen haben das Kartenzahlen mit der Zeit wohl gelernt und sind schneller geworden – Kunden wie Kassierer“, sagt Rüter. In den 90er Jahren hatte das Institut gemessen, dass ein Bezahlvorgang mit Karte und Pin im Durchschnitt deutlich mehr als 40 Sekunden dauerte. Das hatte sich schon 2003 etwas gebessert. Bei den jüngsten Messungen brauchten die Kunden für denselben Vorgang nur noch 30 Sekunden. Mit Lastschrift ging es zuletzt sogar noch schneller, um die 28 Sekunden.

Das Barzahlen dauert in den verschiedenen Branchen unterschiedlich schnell. Im Textileinzelhandel geht es schneller.

Barzahlung etwas schneller

Die Dauer von Kartenzahlung und Barzahlung hat sich mit der Zeit also angenähert. Je mehr die Leute sich an die Kartenzahlung gewöhnten, desto seltener kommt schließlich jemand an die Kasse, der seine Pin-Nummer nicht weiß. Und auch die Frage „Wie herum muss ich die Karten einstecken?“ ist offenbar seltener geworden. Trotzdem lautet das überraschende Ergebnis der Untersuchung: Die Barzahlung ist in der Regel immer noch etwas schneller.

Dabei haben sich auch die Umsatzanteile im Handel über die Jahre verschoben. Wurden 1994 noch 78,7 Prozent der Einkäufe im Einzelhandel bar getätigt, so lag der Umsatzanteil im vergangenen Jahr mit 52,4 Prozent nur noch sehr knapp über der Hälfte. Dabei gilt weiterhin, dass teure Dinge überdurchschnittlich oft mit Karte gezahlt werden und billige eher bar – aber dieser Effekt hat über die Jahre abgenommen.

Akzeptanz für Kartenzahlung steigt

Lag der durchschnittliche Betrag, der früher mit EC-Karte gezahlt wurde, bei 100 Euro, so sind es inzwischen nur noch 40 Euro. Seit die Gebühren, die Händler für jede Kartenzahlung an Kartengesellschaften und Banken zahlen müssen, gesetzlich gedeckelt wurden, akzeptieren zudem mehr Geschäfte Karten auch für kleinere Beträge. „Ein Schild ,Keine Kartenzahlung unter 10 Euro‘ werden Sie jetzt seltener finden“, sagt Rüter. Langsam werde die Akzeptanz von Karten sogar für Kioske interessant, die sich bislang am stärksten gesträubt hätten. Oder auch für Bäcker, morgens, wenn die Leute zum Brötchenholen kommen.

In Zukunft könnte das kontaktlose Bezahlen („Near Field Communication“, NFC) die Kartenzahlung schneller machen. Das erwartet zumindest Rewe nach Angaben eines Sprechers. Die eigentliche Zukunft des Bezahlens aber soll bei Smartphone und Tablet liegen. Angebote dafür gibt es genug – und auch eine ganze Reihe von Leuten, die das ausprobieren. Trotzdem ist die Zahl der Einkäufe, die mit dem Handy getätigt werden, in Deutschland noch sehr überschaubar, anders als in Skandinavien oder England. Die Deutschen unterschreiben offenbar lieber weiter Lastschrift-Zettel – oder kramen ewig im Portemonnaie.

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