https://www.faz.net/-hbv-9j9q0

Fluggastrechte und Roaming : Was ein harter Brexit für Reisende bedeutet

Mal eben mit dem Flieger nach London? Bei einem ungeordneten Brexit könnte es für Reisende zu Komplikationen kommen. Bild: AFP

Wer in den Oster- und Sommerferien nach Großbritannien reisen will, muss sich auf Unannehmlichkeiten einstellen – zumindest, wenn es am 12. April zu einem harten Brexit kommt. Das sollten Urlauber jetzt wissen.

          Eigentlich hätte Großbritannien am 29. März aus der EU austreten sollen. Doch weil sich das britische Parlament nicht auf einen Fahrplan für den Ausstieg einigen konnte, wurde eine Verlängerung beantragt. Das magische Datum ist jetzt der 12. April: Gelingt es Premierministerin Theresa May nicht, bis zu diesem Tag einen Konsens im Parlament zu finden und einen geregelten Ausstieg aus der EU zu organisieren, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder scheidet Großbritannien ohne Abkommen aus dem europäischen Staatenbund aus – das wäre dann der von vielen gefürchtete harte Brexit. Die Alternative ist eine weitere Verschiebung des Austritts auf unbestimmte Zeit. 

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Für Reisende gibt es also weiterhin keine Planungssicherheit und gerade jetzt, kurz vor der Osterferien, ist die Verunsicherung groß. Scheidet Großbritannien ohne Abkommen aus der EU aus, gelten viele Rechte, die Verbraucher eigentlich in der Europäischen Union genießen, auf der Insel mit einem Schlag nicht mehr. Immerhin drei Millionen Deutsche machen jedes Jahr dort Urlaub, deshalb ist es für sie besonders interessant, was sich dann ändert. 

          Einreise

          Schon wer jetzt aus einem anderen Land der Europäischen Union nach Großbritannien einreisen will, braucht einen gültigen Personalausweis oder Reisepass und muss durch die Grenzkontrolle, schreibt das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland. Der Grund: Das Vereinigte Königreich ist kein Mitglied des Schengen-Abkommens, das unter anderem die Abschaffung der Grenzkontrollen an den Binnengrenzen regelt. Ob Verbraucher nach dem Brexit nur noch mit Reisepass oder Visum einreisen dürfen, steht noch nicht fest. Schon jetzt akzeptieren auch  viele Nicht-EU-Länder, dass sich Touristen 90 Tage lang ohne Visum im Land aufhalten dürfen.

          Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, dass britische Staatsangehörige für Kurzaufenthalte von bis zu 90 Tagen in der EU kein Visum benötigen, wenn dasselbe auch für Staatsangehörige eines EU-Mitgliedstaates gilt, die nach Großbritannien reisen.

          Zahlen mit Kreditkarte

          Eigentlich dürfen laut einer EU-Richtlinie keine Zusatzgebühren für den Einsatz von Kreditkarten verlangt werden. Nach dem Brexit könnten diese aber wieder erhoben werden, da Großbritannien diese Vorgabe nach einem Austritt ohne Abkommen jederzeit wieder ändern könnte. Wer also demnächst im Insel- Urlaub das Restaurant oder das Theater auf diesem Wege bezahlt, muss sich auf höhere Kosten gefasst machen.

          Roaming

          Die Europäische Union hat die Roaming-Gebühren für mobiles Telefonieren und Surfen innerhalb der EU abgeschafft. Im Moment gelten die geringeren Gebühren auch für Großbritannien.

          Nach dem Brexit könnte diese Regelung aber wegfallen, weil sie nur für EU-Mitgliedstaaten gilt, so das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland. Reisende aus EU-Ländern, die sich in Großbritannien aufhalten, müssten dann nach dem Brexit wieder Roaminggebühren bezahlen.

          Wie die Telefongesellschaften nach dem Brexit agieren, ist aber noch nicht ausgemacht. Sie hätten auch die Wahl, Großbritannien wie das Nicht-EU-Land Schweiz zu behandeln. Diese wurde von einigen, allerdings nicht allen, Telefongesellschaften in den Euro-Tarif eingestuft.

          Krankenversicherung

          Alle gesetzlich krankenversicherten EU-Bürger besitzen die europäische Krankenversicherungskarte EHIC, die sich auf der Rückseite der deutschen Versichertenkarte befindet. Hiermit können sie während einer Reise in allen EU-Ländern zum Arzt gehen und bekommen die gleiche medizinische Behandlung wie Zuhause, die heimische Krankenkasse übernimmt dafür die Kosten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Rennen um May-Nachfolge : Der unerwartete Rivale

          Sollte Boris Johnson genügend Stimmen bekommen, könnte er heute schon als Nachfolger von Theresa May feststehen. Doch Rory Stewart, der als Hoffnung der moderaten Konservativen gilt, will das verhindern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.