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Lokführer-Ausstand : Wie man trotz Bahnstreik in den Pfingsturlaub kommt

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Ein fahrender Zug: Für viele Reisende dürfte das über Pfingsten ein Traum bleiben. Bild: dpa

Wer über das kommende Wochenende in den Urlaub fahren will, muss wegen des neuen Lokführer-Streiks möglicherweise umplanen. Was Reisende beachten sollten.

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          Die Deutschen haben langsam aber sicher die Nase voll. Waren von den Streiks der GDL bisher vor allem die Pendler betroffen, droht GDL-Chef Claus Weselsky vielen Bahnkunden nun den wohlverdienten Pfingsturlaub zu vermiesen. Wer über die Feiertage einen Fernflug oder ein Hotel in einer anderen Stadt gebucht hat, für den ist es besonders wichtig rechtzeitig am Ziel anzukommen. Nur zu dumm, wer am kommenden Wochenende auf die Bahn gezählt hat.

          Für alle, die einen Flug in den Urlaub gebucht haben und mit der Bahn zum Flughafen anreisen wollten, stellt sich nun die Frage: Wie komme ich zum Flughafen? Zunächst sollten sich Urlauber über den Ersatzfahrplan der Bahn informieren, ob ihr Zug nicht doch fährt. Hier finden Reisende momentan aber nur bis zum Donnerstag Auskunft, wie es mit ihren Reiseverbindungen bestellt ist. Wer für die kommenden Tage schon ein Bahnticket gekauft hat, sich aber gerade nicht auf die Bahn verlassen will, der kann sein Ticket generell bis zu einem Tag vor Fahrtantritt kostenlos umtauschen. Bei Spartickets ist dies teils nicht möglich, mitunter werden hier 15 Euro Umtauschgebühren fällig. Steht bereits fest, dass der Zug gestrichen wird, kann der Bahnfahrer sein Ticket umtauschen oder sich den Preis erstatten lassen, im DB Reisezentrum oder in DB Agenturen. Alternativ können Reisende den nächsten – auch höherwertigen – Zug nutzen.

          Wer allerdings auf Nummer sicher gehen möchte, fährt lieber gleich mit dem eigenen Auto, wenn er eines besitzt. Allerdings sollten die Reisenden dafür genügend Zeit einplanen, besonders, wenn sie einen Flug erreichen müssen. Der ADAC rechnet am Wochenende auf vielen Straßen in Deutschland mit deutlich mehr Staus und längeren Wartezeiten. Besonders Freitagnachmittag und Samstagvormittag könne es „heftig werden“. Der ADAC rät Autofahrern deshalb, möglichst antizyklisch in den Urlaub zu fahren - zum Beispiel nachts oder am Sonntag, wenn Lkw nicht auf der Autobahn fahren dürfen. Mit den größten Staus ist vor allem im Süden Deutschlands zu rechnen, da in Bayern und Baden-Württemberg die zweiwöchigen Pfingstferien beginnen. Auch am Pfingstmontag könne es zu einem „starken Rückreiseverkehr“ kommen.

          Was Parkplätze am Flughafen kosten

          Wer mit dem Auto zum Flughafen fährt, sollte außerdem die Parkkosten am Flughafen mit einrechnen. Für eine Woche muss etwa ein Parker am Frankfurter Flughafen vom 22. Mai bis 29. Mai mindestens mit 50 Euro für die ganze Woche rechnen, viele Parkangebote liegen aber mittlerweile erheblich darüber, zum Teil um die 100 Euro – und es könnte noch teurer werden.

          Hat man kein Auto, kann man sich auch einen Mietwagen borgen. Die Kosten dafür müssen die Reisenden trotz Streik allerdings selber tragen. Außerdem dürften die Mietwagen aufgrund der hohen Nachfrage vor Pfingsten knapp und teuer werden. Der Vorteil: Das ausgeliehene Auto können Urlauber vor dem Abflug bequem am Flughafen wieder abgeben.

          Flug verpasst? Pech gehabt

          Wer streikbedingt seinen Flug verpasst, hat allerdings Pech gehabt. Eine Erstattung von der Fluggesellschaft oder der Bahn für die Flugkosten gibt es in diesem Fall nicht, da es sich bei einem Streik laut Bundesgerichtshof um höhere Gewalt handelt. Auch eine Reiserücktrittversicherung zahlt aus diesem Grund nicht, wenn der Urlaub streikbedingt nicht zustande gekommen ist. Sie springt nur ein, wenn der Versicherte die Reise aus gravierenden Gründen wie zum Beispiel Krankheit oder dem Verlust des Arbeitsplatzes nicht antreten kann.

          Für Alleinreisende oder Paare kommt auch der Fernbus als Reisealternative in Frage, vor allem für Städteurlaube in Metropolen wie Berlin, München oder Leipzig. Die Übersicht über die vielzähligen Angebote erleichtern Seiten wie busliniensuche.de oder goeuro.de. Da die Busse für die Strecken deutlich länger brauchen als die Bahn und auch mal verspätet ankommen, sind sie als Flughafenshuttle aber eher ungeeignet – es sei denn, man plant einen großen zeitlichen Puffer ein.

          Wer mit dem Zug ins Ausland reisen möchte, nach Frankreich, in die Niederlande oder Belgien, hat vielleicht bessere Karten, denn oft fährt der grenzüberschreitende Verkehr trotz Bahnstreik in Deutschland. So gibt es regelmäßig ICE-Züge zwischen Brüssel und Frankfurt oder Amsterdam und Frankfurt. Auch Paris wird aus vielen Städten mit Schnellzügen angefahren. Zusätzlich fahren Eurocitys zum Beispiel nach Kopenhagen oder Zürich. Der Grund: Ausländische Lokführer sitzen am Steuer, und die streiken gerade nicht.

          Eines steht fest: Welche Lösung Urlauber zu Pfingsten auch wählen, um ihr Reiseziel zu erreichen. Sie sollten sich möglichst bald um eine Alternative kümmern, damit der Urlaub nicht ins Wasser fällt.

          Worüber streiten Bahn und Lokführer überhaupt?

          Im Tarifstreit zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL geht es um mehr als um Lohnerhöhungen in dieser Tarifrunde. Die GDL will die uneingeschränkte Hoheit, für alle seine Mitglieder Tarifverträge abschließen zu dürfen. Das sei ein vom Grundgesetz geschütztes Grundrecht, sagt GDL-Chef Claus Weselsky. Bislang verhandelt die Bahn mit der GDL nur über die Gehaltsforderungen der Lokführer, nicht aber über Tarife für die in der GDL auch organisierten Zugbegleiter und Bordgastronomen. In diesen Berufszweigen sind die meisten Bahnangestellten bislang in der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) organisiert. Bis letzten Sommer hatten beide Gewerkschaften ihre jeweiligen Einflussbereiche miteinander abgesteckt, doch das Verhältnis ist tief zerrüttet: Inzwischen wollen beide Gewerkschaften ihre Macht im Bahnkonzern behaupten. Jeder möchte für seine Mitglieder Abschlüsse aushandeln. Die Bahn will aber nach eigener Aussage verhindern, dass es für eine Berufsgruppe zwei unterschiedliche Tarifverträge mit abweichenden Regelungen gibt. Brisanz bekommt der Streit vor allem wegen dem geplanten Tarifeinheitsgesetz. Danach soll künftig in einem Betrieb nur noch das Vertragswerk der jeweils größeren Gewerkschaft gelten. Da die Bahn rechtlich unterschiedliche Sparten als Einzelbetriebe führt, muss jeweils festgestellt werden, welche Gewerkschaft im jeweiligen Betrieb mehr Mitglieder hat. Die GDL fürchtet, durch das Gesetz an den Rand gedrängt zu werden. Streiks einer kleineren Gewerkschaft für einen eigenen Abschluss wären dann möglicherweise nicht mehr verhältnismäßig und illegal. (tine.)

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