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70 Jahre - und im Einsatz : Warum ausgerechnet ein Online-Shop D-Mark akzeptiert

Für viele Menschen immer noch die einzig wahre Währung: Die D-Mark. Bild: dpa

Normalerweise ist das Internet ein Ort, an dem sich viele moderne Entwicklungen abspielen. Umso erstaunlicher ist es, dass es ausgerechnet ein Online-Shop im Netz ist, der mit der früheren deutschen Währung gute Geschäfte macht.

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          „Hertie.de“ nennt sich ein Internetkaufhaus, das damit wirbt, rund 1,2 Millionen unterschiedliche Produkte für Haushalt und Garten über allerhand Partner anzubieten und das nach seinen eigenen Recherchen als wohl einziges Internetunternehmen Deutschlands die alte Währung noch annimmt. Zu den verfügbaren Bezahlarten auf der Internetseite zählt neben verschiedenen Kreditkarten oder Paypal auch die Möglichkeit: „Bezahlen mit D-Mark.“

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Mittwoch, dem 20. Juni, wäre die D-Mark 70 Jahre alt geworden, wenn es sie noch gäbe. Das ist für das Internetunternehmen ein Grund zum Feiern. Eine Torte soll angeschnitten werden, und in Werbeaktionen will das Unternehmen noch einmal besonders auf sein ungewöhnliches Zahlungsangebot hinweisen. Sogar ein italienische Fernsehsender hat um ein Gespräch angefragt, weil unter der neuen Regierung das Thema alte Währungen wieder etwas Interesse finden soll. Zudem sind Vertreter des Unternehmens zur Eröffnung einer Ausstellung in Xanten im Museum eingeladen, in der es um „70 Jahre D-Mark“ geht.

          Hinter dem ungewöhnlichen Internetshop stecken die Osnabrücker Unternehmer Jan und Nils Klöker. Sie hatten die Rechte an dem Namen Hertie.de aus der Insolvenzmasse der früheren Kaufhauskette erworben. Die Verwechselung mit dem Traditionshaus war beabsichtigt – führte aber in der Anfangszeit zu Verwirrung. So gab es Bewerbungen von Verkäufern für Hertie-Filialen, die seit Jahren nicht mehr existierten. Zudem wollte ein Dienstleister mit dem Online-Händler einen Wartungsvertrag für Rolltreppen abschließen. Und es meldete sich dort jemand, der in den Neunzigern bei Hertie CDs gestohlen hatte und sich jetzt entschuldigen wollte.

          In einem Wertbrief der Post

          Einen „höheren fünfstelligen Betrag“ hat das Unternehmen nach eigenen Angaben jetzt schon in D-Mark eingenommen. Dabei ist es gar nicht so einfach, im Internet in der alten Währung zu zahlen. Professionelle Zahlungsanbieter ermöglichen zwar die Abwicklung in vielen Währungen. Die D-Mark gehört aber nicht dazu. Deshalb muss man das Geld in einem Wertbrief der Post dort hinschicken und erhält dafür Gutscheine, die man im Online-Shop einsetzen kann.

          Einst ein unermesslicher Reichtum: Eine Kiste mit 10 D-Mark-Scheinen von 1948 ist bei einer Vorbesichtung der Ausstellung „Deutsche Mythen seit 1945“ im Haus der Geschichte zu sehen. Bilderstrecke

          Das ist legal, das Unternehmen tauscht das Geld später bei der Bundesbank ein und hatte auch schon Kontakt mit Sammlern. Die Idee hatte übrigens ein ehemaliger Auszubildender des Start-ups, André Belhaouès. Tausender sind dort bislang allerdings noch nicht angekommen, das Höchste waren mal 340 Mark. Im Durchschnitt sind es 140 Mark.

          In der Internetbude gibt es sogar noch Veränderungen beim Wechselkurs zwischen D-Mark und Euro, obwohl der offizielle Umtauschkurs eigentlich mit der Euroeinführung auf ewig eingefroren worden war. Aber weil der Postweg dann doch ein bisschen umständlich ist, bietet der Online-Shop einen günstigeren Kurs von anfangs 55 Euro und jetzt 56 Euro je 100 D-Mark. Offiziell gäbe es nur 51,13 Euro. Das Unternehmen verschweigt auch nicht, dass es außerhalb des Internets weitere D-Mark-Akzeptanzstellen gibt und zählt diese sogar auf seiner Internetseite auf. Die lustigste ist vielleicht in Bremen am Marktplatz – ein Münzfernsprecher.

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