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Verbraucher-Befragung : Die Deutschen lernen Rewe und Edeka wieder lieben

  • Aktualisiert am

Frisches Gemüse in einem Supermarkt in Mecklenburg-Vorpommern. Bild: dpa

Aldi und Lidl werden zu traditionellen Supermärkten. Das ist kein Wunder, denn die Deutschen entdecken gerade ihre Liebe zum traditionellen Supermarkt neu.

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          Die Supermärkte in Deutschland sind einer Umfrage zufolge in diesem Jahr in der Gunst der Verbraucher gestiegen. Vor allem im Vergleich zu SB-Warenhäusern – größere Märkte wie Globus und E-Center, die häufig auf der grünen Wiese gebaut wurden –, aber auch im Vergleich zu Discountern konnten Supermärkte wie Edeka und Rewe zulegen. Das geht aus einer Befragung der Unternehmensberatung Oliver Wyman hervor.

          Die Supermärkte hätten viel aufgewandt, um mit den größeren Märkten mitzuhalten. „Die Großfläche muss künftig mehr investieren, um Mankos wie lange Anfahrtszeiten und größere Laufwege zu kompensieren“, sagte Rainer Münch, Handelsexperte bei der Beratung.

          Besonders die Zufriedenheitswerte von Rewe und Edeka steigen der Befragung zufolge – das gilt auch für den Preis, mit dem bislang vor allem die Discounter ihre Kundschaft locken. Der Abstand zwischen Discountern und Supermärkten schrumpfe, erklärte Münch.

          Leistung ist wichtiger als Preis

          Bei Qualität und Service wurden die Märkte der Kette Globus am besten bewertet, gefolgt von E-Center und Edeka. Bei der Auswahl punkten traditionell die großen Märkte: Hier lag ebenfalls Globus auf Platz eins, gefolgt von Marktkauf und Kaufland. Beim Preis hingegen kommen selbst die SB-Warenhäuser nicht an den großen Discountern vorbei. Aldi Süd belegt den Spitzenplatz in der Wahrnehmung der Verbraucher vor Aldi Nord und Lidl – darauf folgen die SB-Warenhäuser Kaufland und Globus. In der Kombination der Kriterien „Leistung“ und „Preis“ belegen Globus und Kaufland daher die Spitzenplätze.

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          Die Deutschen reagieren Münch zufolge zwar sensibel auf Preiserhöhungen. Der Preis sei aber nur für etwa 36 Prozent der Befragten bei der Wahl des Marktes entscheidend. Für etwa 64 Prozent sei die Leistung ausschlaggebend – zusammengesetzt aus Service, Auswahl und Qualität. Ausgestochen würden diese Kriterien bei der Wahl des Marktes nur durch die Lage.

          Bei den Discountern bilde sich eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ aus, beobachtete Münch: Die führenden Discounter Aldi Nord und Süd sowie Lidl konkurrieren nach umfassenden Investitionen inzwischen mit den Supermärkten. „Aus Sicht der Verbraucher hat Lidl hier momentan die Nase vorn und konnte sich in der Leistungswahrnehmung spürbar von Aldi absetzen“, meinte Münch. Noch größer sei der Unterschied von Aldi und Lidl zu Discountern wie Penny, Netto oder Norma, die beim Discounter-Argument Preis sogar von SB-Warenhäusern wie Globus oder Kaufland überrundet werden.

          Die Methode

          Befragt wurden im Mai 2016 rund 3000 Menschen im Alter von 18 bis 69 Jahren. Die Befragung ist repräsentativ für die Verbraucher in Deutschland. Die Fragen im einzelnen: „Bei welchen Händlern haben Sie im letzten Jahr eingekauft?“ - „Welchen Händler würden Sie als Ihre „Haupt-Einkaufsstätte“ wählen?“ - „Welcher Händler ist für Sie am nächsten bzw. am besten erreichbar?“ - „Wie häufig kaufen Sie bei den folgenden Händlern ein?“ - „Wie viel Geld geben Sie bei einem typischen Einkauf aus?“ - „Wie zufrieden sind Sie mit ...?“

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