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Umfrage : Hessen sind Finanzasse

Kennt man sich mit Blick auf das Finanzzentrum Frankfurt besser mit Gelddingen aus als anderswo in Deutschland? Bild: Frank Röth

In Gelddingen offenbaren sich hierzulande so einige regionale Unterschiede. Wer zahlt seine Rechnungen sofort und wer eher nicht? Und wer führt überhaupt ein Haushaltsbuch?

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          Die eigene und die fremde Wahrnehmung eines Menschen unterscheiden sich in der Regel – mal liegen Nuancen, mal sogar Welten dazwischen. Unzulänglichkeiten werden zudem gerne verschwiegen, muss man Fragen über sich selbst beantworten. Abgesehen von solch möglichen individuellen Eigenheiten ergeben sich in Deutschland beim Blick auf die 16 Bundesländer interessante regionale Unterschiede in Sachen Geld.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          „In Finanzdingen kenne ich mich gut aus“, das zum Beispiel sagen hierzulande besonders viele Hessen. Mit der Finanzmetropole Frankfurt im Hintergrund, die tagsüber schnell zu einer Millionenstadt wird, da viele Arbeitnehmer lieber im näheren oder weiteren Umfeld leben und pendeln, könnte dies durchaus zutreffen. Aber auch die Bewohner Brandenburgs fühlen sich in Geldangelegenheiten überdurchschnittlich gut gerüstet. In Finanzfragen am schlechtesten kennt man sich offenbar in Berlin aus. Dies jedenfalls zeigt ein Vergleich der Bundesländer innerhalb einer repräsentativen Umfrage der TeamBank zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Yougov, deren Ergebnisse der F.A.Z. exklusiv vorliegen. Hierfür wurden im Januar dieses Jahres 3158 Bundesbürger im Alter von 18 bis 79 Jahren über das Internet befragt.

          Berlin scheint abgeschlagen

          Rund 71 Prozent der befragten Hessen schätzen ihr Finanzkenntnisse als gut ein – 5 Prozentpunkte mehr als der Bundesdurchschnitt von rund zwei Dritteln. Brandenburg folgt mit 70 Prozent. Unterdurchschnittlich scheint das Finanzwissen etwa im Saarland oder in Baden-Württemberg zu sein, wo 60 Prozent der Teilnehmer ihr Finanzwissen als gut einstufen. In Berlin sind es nur gut die Hälfte (58 Prozent).

          Bisweilen kommt es weniger auf eine lange und wohldurchdachte Planung als vielmehr auf Spontaneität und das richtige Bauchgefühl an. Dabei scheint es auch in der schnelle Entschlussfreudigkeit größere regionale Unterschiede zu geben. Laut der Analyse der zur genossenschaftlichen Finanzgruppe gehörenden TeamBank hat jeweils gut die Hälfte der befragten Bremer und Hessen in der Pandemie Ausgaben für Reisen oder Freizeitaktivitäten spontaner getätigt als zuvor, gefolgt von den Brandenburgern (47 Prozent). Denn oft konnte man wegen des Infektionsgeschehens und wechselnder Regelungen nicht wirklich langfristig planen und musste sich kurzfristig entscheiden. Dennoch zeigten sich im Gesamtdurchschnitt nur 41 Prozent der Umfrageteilnehmer spontaner. Relativ unflexibel waren Befragte aus Rheinland-Pfalz (30 Prozent).

          „Es gehört zu den wichtigsten finanziellen Grundlagen, mit dem eigenen Geld vernünftig hauszuhalten und unnötige Kostenfallen zu vermeiden“, sagt Frank Mühlbauer, Vorstandsvorsitzender der TeamBank. Corona habe bei vielen Menschen die Finanzplanung durcheinandergewirbelt, dies zeige auch die Studie. Gut drei Viertel der Deutschen überprüfen demnach alle paar Tage ihren Kontostand und verfolgen alle Abbuchungen. Um die eigene Finanzsituation gut im Blick zu behalten, führen viele Menschen – ob handschriftlich oder digital – ein Haushaltsbuch. Besonders beliebt ist dieses Konzept offenbar in Sachsen-Anhalt. Dort halten 38 Prozent der Befragten Einnahmen und Ausgaben in dieser Form fest – im Bundesdurchschnitt sind es 30 Prozent. Ebenfalls überdurchschnittlich schneiden Thüringen und Brandenburg ab, Hessen liegt im Mittelfeld. Im Saarland ordnet so nur ein Viertel der Befragten die Finanzen.

          Durch eine besonders hohe Zahlungsmoral zeichnen sich demnach dagegen die Menschen vor allem in Brandenburg, aber auch in Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern aus. Jeweils 90 Prozent der Befragten oder mehr begleichen dort ihre Rechnungen sofort, wenn sie diese erhalten. Im Bundesdurchschnitt sagen das 85 Prozent. Hessen liegt leicht darunter. Schlusslicht in dieser Kategorie ist Baden-Württemberg, wo sich rund ein Fünftel der Befragten beim Bezahlen auch gerne mal etwas Zeit lässt.

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