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Teurer Franken : Können wir uns die Schweiz noch leisten?

Blick auf den Großen Aletschgletscher unweit der Riederalp. Bild: dpa

Ein Jahr nach dem Franken-Schock ist die Schweiz immer noch sündhaft teuer. Ein schwacher Trost sind die Sonderangebote einiger Skiorte.

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          Die Kronenhalle ist eine Institution in Zürich. In dem ehrwürdigen, holzgetäfelten Restaurant am Rande der Altstadt fühlt man sich um hundert Jahre zurückversetzt. Zwischen den Tischen hindurch wird flink die „Voiture“ manövriert, ein Wägelchen mit dem duftenden aktuellen Braten, und an weißgedeckten Tischen servieren livrierte Kellner in vollendeter Manier die „feine Hausmannskost“. So beschreibt das Lokal sein Speisenangebot.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Auf dem Niveau eines Gourmetrestaurants allerdings bewegen sich die Preise, zumindest aus Sicht der deutschen Gäste. Zur Vorspeise vielleicht den geräucherten Lachs auf Toast? Macht umgerechnet 35 Euro. Für das Zürcher Geschnetzelte mit Rösti sind 52 Euro fällig. Wer auf das Mistkratzerli (Hähnchen) mit Pommes frites ausweicht, muss auch noch 48 Euro berappen. Die Panna Cotta mit Ananas zum Abschluss schlägt mit 17 Euro zu Buche. Für drei Gänge sind 100 Euro also ganz schnell weg. Und wehe, der Durst ist groß: Der billigste Weißwein kostet 16 Euro – pro Glas.

          Die Schweiz ist schon immer teuer gewesen. Für viele deutsche Besucher ist sie aber spätestens seit der Freigabe des Frankens unerschwinglich geworden. Bis vor einem Jahr galt ein Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro. Doch Mitte Januar gab die Schweizerische Nationalbank ihre Mindestkurspolitik auf. In der Folge legte der Franken stark zu. Aktuell ist ein Euro 1,08 Franken wert. Eigentlich müssen die Touristen aus der Eurozone gar nicht mehr groß umrechnen. „Eins zu eins“ lautet die bittere Formel, die immer mehr Deutsche davon abhält, ihren Urlaub in der Schweiz zu verbringen.

          Bild: F.A.Z.

          In der zurückliegenden Sommersaison (Mai bis Oktober) buchten die Deutschen nur noch 358.000 Übernachtungen in der Eidgenossenschaft – 15 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Aber auch die Niederländer (minus 18 Prozent), Italiener (minus 10 Prozent), Belgier (minus 13 Prozent) und Russen (minus 30 Prozent) machten einen immer größeren Bogen um die Schweiz.

          Abwärtstrend schon seit Jahren

          Damit hat sich ein Abwärtstrend beschleunigt, der schon seit Jahren zu beobachten ist: Von 2008 bis 2014 ist die Zahl der Übernachtungen deutscher Gäste um 30 Prozent gefallen. Die Deutschen sind sehr preissensibel, und geht es ihnen noch so gut. Wenig geht den Eidgenossen mehr auf die Nerven als das ewige Gejammer der besserwisserischen Teutonen über die Preise in der Schweiz. Schließlich bekomme der Kunde auch eine Qualität für sein Geld, heißt es dann, die er von zu Hause gar nicht mehr kenne.

          Folglich entgeht den hohen Preisen auch nicht, wer zurücksteckt und meint, zum „Nachtessen“ müsse es ja auch nicht unbedingt die Kronenhalle sein. Ein einfaches, aber solides, „währschaftes“ Käsegericht tut es zwar ebenso, wenn der Hunger nagt. Aber es entpuppt sich rasch als Illusion zu glauben, das könne nicht so teuer sein im Land der saftigen Weiden und wohlgenährten Kühe.

          Fünf Gehminuten entfernt von der Kronenhalle liegt das „Swiss Chuchi“. In dem Lokal an der Ausgehmeile im Niederdorf, dem touristischen Herzen der Altstadt, gibt es allerlei Schweizer Spezialitäten. Raclette und Fondue sind für jeweils 26,50 Franken pro Person zu haben. Schon besser. Aber bei einer Familie mit zwei Kindern summiert sich das auch zu einem hübschen Sümmchen.

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