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Telemedizin-Sprechstunde : „Haben Sie noch Fragen? Ich muss jetzt meine Kinder ins Bett bringen.“

Eine Hautärztin präsentiert bei der Vorstellung eines Telemedizin-Projektes für Hauterkrankungen am Universitätsklinikum in Tübingen. Bild: dpa

Telemedizin soll den Arztbesuch ergänzen. Patienten können sich am Bildschirm behandeln lassen. Unser Autor hat es ausprobiert.

          Es nervt. Seit Wochen. Diese Hautirritation hinter dem Ohr. Sie geht einfach nicht weg und ist ganz schön groß. Vielleicht was Schlimmeres? Ich werde nervös. Anruf beim Hautarzt: Termin in einem Monat. Na, vielen Dank.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das ist die Chance, etwas Revolutionäres im deutschen Gesundheitswesen auszuprobieren: Digitalisierung in der ganz konkreten Umsetzung. Telemedizin lautet das Schlagwort. Die Idee dahinter: Ich gehe nicht mehr zum Arzt, sondern er kommt zu mir. In mein Wohnzimmer. Zu jeder Uhrzeit. Ohne wochenlange Wartezeit. Er erscheint nicht persönlich, sondern per Video auf meinem Laptop oder Smartphone. Es klingt vielversprechend.

          Der Anbieter, der das in Deutschland ermöglicht, heißt Teleclinic. Ein kleines Start-up aus München mit 25 Mitarbeitern. Es kooperiert mit 250 Fachärzten in ganz Deutschland, die sich bei Anfragen von Erkrankten über den Bildschirm zuschalten und die Behandlung übernehmen. Seit vier Jahren bietet das Unternehmen dies an, 2017 hat es 10.000 Patienten weitergeholfen. Zunächst in Form einer Beratung, denn eine Behandlung aus der Ferne war bis vergangenen Herbst in Deutschland verboten. Arzt und Patient mussten sich zumindest beim ersten Mal persönlich begegnen. So regelten es die Berufsordnungen der Landesärztekammern.

          Das Gesundheitssystem spart

          Doch seit Oktober 2017 darf Teleclinic in einem Modellversuch in Baden-Württemberg auch behandeln. Dort wurde die Berufsordnung entsprechend geändert. Der Arzt darf dort nun Rezepte ausstellen. So können die Fälle über Video oder Telefon behandelt und auch abgeschlossen werden. „50 Prozent der Fälle werden abschließend behandelt“, sagt Katharina Jünger, eine der beiden Geschäftsführerinnen von Teleclinic. „Der Patient muss keinen Arzt mehr vor Ort aufsuchen.“ Das spart Wartezeit und Fahrerei, vor allem auf dem Land, wo der nächste Facharzt weit sein kann. Und es verhindert, dass außerhalb der Öffnungszeiten der Praxen jeder gleich in die Notaufnahme der Krankenhäuser rennt, wenn es irgendwo leicht schmerzt. Das spart dem deutschen Gesundheitssystem Geld.

          Nun breitet sich die Telemedizin aus. Nach Baden-Württemberg haben gerade auch die Ärzte in Schleswig-Holstein ihre Berufsordnung geändert, noch radikaler als im Süden. Fernbehandlung ist hier auch außerhalb eines Modellprojekts möglich. Teleclinic will dort in ein paar Wochen an den Start gehen. Dann kann faktisch jeder Patient in Deutschland den Service nutzen, denn die Ärzte an der Küste dürfen dann jeden aus der Ferne behandeln. Bald könnte das in allen Bundesländern Alltag sein. Denn der Deutsche Ärztetag hat heute einem Antrag der Bundesärztekammer zugestimmt: Fortan soll eine ausschließliche Beratung über Kommunikationsmedien im Einzelfall erlaubt sein – sofern die ärztliche Sorgfalt gewahrt bleibt. Aber ist das wirklich eine gute Zukunft? Was taugt die Telemedizin? Ich probiere es aus.

          Eine neue Welt

          Erster Schritt: Kurze Anmeldung auf der Homepage oder der App von Teleclinic. Krankenkasse oder private Krankenversicherung, Versichertennummer, E-Mail und ein Passwort werden verlangt, in einer Minute ist der Account eröffnet. Wer bei der richtigen Versicherung ist und in Baden-Württemberg wohnt, bekommt die Fernbehandlung bezahlt. Derzeit kooperieren vier private Krankenversicherungen mit Teleclinic, nämlich Barmenia, Concordia, Arag und Debeka. Drei weitere Versicherer sollen bis Jahresende folgen. Hinzu kommen einige kleinere und mittlere gesetzliche Krankenkassen, zum Beispiel die BKK Mobil Oil. Alle anderen Versicherten können sich als Selbstzahler behandeln lassen. Das kostet dann 30,95 Euro je Gespräch, etwa 20 Euro gehen davon an den Arzt.

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