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Fahrten im Vergleich : Taxi oder Uber: Wer ist günstiger?

Uber will günstiger sein als Taxis. Bild: dpa

Der amerikanische Fahrdienst Uber will billiger sein als Taxis. Aber ist er das wirklich? FAZ.NET hat es getestet. Mit überraschenden Ergebnissen.

          Das amerikanische Start-Up Uber hat die Taxibranche durcheinandergewirbelt. Nicht nur, weil die Uber-Fahrer sich den strengen Regeln des Taxigewerbes nicht unterwerfen und als Privatleute ohne Lizenz arbeiten. Sondern auch, weil sie mit Preisen antreten, die unter denen der lizensierten Fahrer liegen. Durchschnittlich 20 Prozent weniger sollen es in Berlin sein, durchschnittlich sogar 40 Prozent weniger in Frankfurt (was auch daran liegt, dass die Taxipreise in Frankfurt zumindest am Abend höher sind als in Berlin, der Unterschied also größer ist).

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Uber expandiert derzeit kräftig und ist inzwischen in 128 Städten in 37 Ländern vertreten. Die Proteste der alteingesessenen Fahrer in Berlin, Hamburg, Paris, London und weiteren europäischen Städten haben dem Unternehmen und dem Hamburger Konkurrenten Wundercar nun sogar noch mehr neue Kunden in die Wagen getrieben. Aber löst Uber sein Versprechen ein, sind also die Fahrten tatsächlich günstiger als mit einem normalen Taxi?

          FAZ.NET hat es ausprobiert und sich an einem Freitagmittag die Preise für verschiedene Fahrten in Berlin, Frankfurt und Hamburg ausrechnen lassen. Dazu wurden jeweils Start- und Zielpunkt in die Uber-App eingegeben (für den Mitfahrdienst Uber Pop; daneben gibt es noch den Limousinenservice Uber Black). Um die Fahrpreise normaler Taxis zu berechnen, wurde die App Cab4me genutzt.

          Das Ergebnis: Die Fahrpreise, die die App von Uber ermittelt hat, lagen keineswegs immer unter denen der Taxis. Bei längeren Fahrten sollten die Fahrten sogar teurer sein.

          Ein Beispiel: Eine Fahrt in Frankfurt vom Hauptbahnhof zur Messe, eine recht kurze Strecke über drei Kilometer, sollte mit Uber fünf bis sieben Euro kosten, mit einem Taxi jedoch 8,35 Euro. Eine deutlich längere Fahrt vom Sitz der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach Bad Vilbel, was etwas außerhalb liegt, war hingegen teurer: 23,89 Euro sollte sie mit einem Taxi kosten, aber 26 bis 33 Euro mit Uber. Dabei handelt es sich um Schätzwerte der Anbieter, die jedoch offensichtlich voneinander abweichen.

          Wie kann das sein? Die Taxipreise sind in Deutschland im Personenbeförderungsgesetz genau festgeschrieben. So kostet die Anfahrt in Frankfurt tagsüber 2,80 Euro, für jeden gefahrenen Kilometer werden weitere1,75 Euro fällig. Steht man im Stau oder an einer roten Ampel, kostet das ab einer Wartezeit von einer Minute extra: umgerechnet 0,42 Cent pro Minute.

          Auch Uber gibt seinen Fahrern Preise vor. Diese liegen unter denen der Taxis: Die Anfahrt kostet in Frankfurt einen Euro, jeder weitere Kilometer ebenfalls einen Euro. Zusätzlich verlangt Uber für jede Minute 0,25 Cent – unabhängig davon, ob man an einer roten Ampel steht oder der Verkehr flüssig läuft. Je nach Wetter, Nachfrage und anderen Faktoren können die Preise zudem variieren, darauf weist das Unternehmen in seiner App hin.

          Für Kunden bedeutet das: Wenn an einem Ort gerade wenige Uber-Wagen in der Nähe sind, aber viele einen buchen wollen, können die Preise steigen. Vielleicht erklärt das, warum eine Fahrt in Berlin vom Checkpoint Charlie zum Flughafen Schönefeld am Freitagmittag bei Uber 40 Euro kosten sollte, mit einem Taxi aber nur 38,24 Euro. Eine weitere Möglichkeit: Sind die Straßen frei, zahlt man für das Taxi nur die Kilometerpauschale, für Uber aber zusätzlich einen Minutenpreis.

          In Hamburg ist Uber bislang nicht vertreten, dort gibt es jedoch Wundercar – zumindest solange der Betrieb läuft. Das Unternehmen hat Streit mit der Hamburger Wirtschaftsbehörde, die dem Unternehmen „geschäftsmäßige Fahrten“ verboten hat. Wie hoch das Entgelt sein darf, damit die Fahrten nicht als kommerziell gelten, hat die Behörde nach Wundercar-Angaben bislang nicht mitgeteilt. Das Unternehmen richtet sich deshalb nun nach der ADAC-Statistik zu den Betriebskosten für einen Golf VII und empfiehlt den Fahrern, 35 Cent pro gefahrenem Kilometer zu nehmen. Die Preise sind damit kaum zu schlagen: Während eine Taxi-Fahrt zum Hamburger Flughafen von der Erzberger Straße in Altona 36,54 Euro kosten soll, wären es mit Wundercar gerade einmal sieben Euro. Das gilt allerdings nur, wenn die Wundercar-Fahrer sich an den Preis von 35 Cent pro Kilometer halten – dabei handelt es sich nämlich nur um eine Empfehlung.

          Gerne hätten wir in Berlin auch getestet, wie teuer eine Fahrt vom Stadtteil Prenzlauer Berg nach Friedrichshain ist. Doch die Kastanienallee wollte die App einfach nicht finden, ebenso wenig wie die umliegenden Straßen. Da hätten wir uns also für ein Taxi entschieden, und für eine Strecke von 6 Kilometern 12,71 Euro bezahlt.

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